Egon Bahr stirbt mit 93 Jahren
Die SPD trauert um ihren Vordenker

Egon Bahr ist gestorben. Der SPD-Politiker erlag mit 93 Jahren einem Herzinfarkt. Der frühere Bundesminister gilt als Architekt der Ostpolitik unter Kanzler Brandt. Bis zuletzt kommentierte er die deutsche Außenpolitik.
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Egon Bahr ist tot: Der 93-Jährige starb in der Nacht zu Donnerstag an einem Herzinfarkt. Eine Meldung des Magazin Stern hat die SPD mittlerweile bestätigt. „Mit großer Bestürzung und tiefer Trauer haben wir in der letzten Nacht vom Tode Egon Bahrs erfahren“, sagte Parteichef Sigmar Gabriel am Donnerstag. Die deutsche Sozialdemokratie und viele Menschen in Europa trauerten um einen „mutigen, aufrichtigen und großen Sozialdemokraten, den Architekten der deutschen Einheit, Friedenspolitiker und Europäer.“

Bis zuletzt hat Egon Bahr die deutsche Außenpolitik kommentiert – insbesondere die Ukraine-Krise. Zuletzt bekräftigte er im Mai bei einem TV-Auftritt seine Überzeugung: Einen Krieg mit Russland werde es nicht geben. Die Sanktionen seien eine sinnlose Kraftprobe. Die Ukraine dürfe kein Mitglied der Nato werden.

Noch Ende Juli war Bahr nach Moskau gereist und hatte sich dort zusammen mit dem Ex-Sowjetpräsidenten Michail Gorbatschow für ein Ende der Entfremdung zwischen Deutschland und Russland in der Ukraine-Krise ausgesprochen.

Egon Bahr gilt als Baumeister der deutschen Ostpolitik, die unter dem Leitgedanken „Wandel durch Annäherung“ stand. Die Karriere des 1922 im thüringischen Treffurt geborenen SPD-Politikers war eng mit dem ersten SPD-Bundeskanzler Willy Brandt verknüpft. Mit Moskau und Warschau verhandelte Bahr über Verträge zu einem Gewaltverzicht und zur Normalisierung der Beziehungen.

Außerdem suchte er die Annäherung an die DDR, um die deutsch-deutschen Verhältnisse zu verbessern. Er wirkte unter anderem als Staatssekretär im Bundeskanzleramt. Im Jahr 1972 wurde er Bundesminister für besondere Aufgaben. Nach dem Rücktritt Brandts im Jahr 1974 wurde Bahr unter Nachfolger Helmut Schmidt (SPD) Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit. Den Mauerfall am 9. November 1989 erlebte Bahr noch als Bundestagsabgeordneter, in knappes Jahr später schied er es Mitglied im Deutschen Bundestags aus.

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  • Die SPD hat Grund zum Trauern. Wo sind die Vordenker, die für deutsche Bürger sind und sich dafür einsetzen. Ein Beispiel für Berlin: Den sozialen Wohnungsbau abschaffen, "Spenden" von der DEGEWO dafür nehmen und jetzt weinen, weil billige Wohnungen fehlen.

  • Ein tragischer Verlust für uns alle
    Die Guten von einst verlasse uns und ihre Nachfolger taugen leider nichts
    Warum kann man diese alten guten Politiker nicht klonen?
    Dann ginge es uns besser

  • Herr C. Falk
    ich stimme Ihnen zu.
    Aber diese großen Politiker von damals haben auch ihren Eid -für Deutschland was zu tun- rnst genommen. Sie hatten noch großen Anstand.
    Dies ist heute leider nicht mehr.
    Heute haben wir eine Meute, die von ihrem Können und ihem Benehmen auf dem normalen Arbeitsmarkt keine Chancen hätten
    und die Deutschland verraten

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