Ehemalige RAF-Terroristin freigelassen
Mohnhaupt will in Baden-Württemberg leben

Nach über 24 Jahren in Haft wird die frühere RAF-Terroristin Brigitte Mohnhaupt in Baden-Württemberg ein neues Leben beginnen – und sich in den kommenden fünf Jahren regelmäßig bei der Polizei melden müssen. Während die Debatte um ihre Entlassung noch einmal aufflammt, steht in den kommenden Monaten die nächste Entscheidung über die Haftdauer einer RAF-Mörderin an.

HB FRANKFURT. Die 57-Jährige will in dem südwestlichen Bundesland leben, wie AP am Montag aus sicherer Quelle erfuhr. Ihr Wohnort werde aber geheim gehalten.

Mohnhaupt selbst will nicht die Öffentlichkeit suchen, wie der Leiter der JVA-Aichach, Wolfgang Deuschl, der AP sagte: „Frau Mohnhaupt hatte am meisten Bedenken vor der Presse. Sie hat auch nicht vor, sich zu vermarkten.“ Nach den Worten ihres Anwaltes will Mohnhaupt nicht in TV-Talkshows auftreten. Ihr ehemaliger Gefängnisseelsorger, Siegfried Fleiner, rief in der Berliner „tageszeitung“ (Dienstagausgabe) dazu auf, der Ex-Terroristin eine Chance zum Neuanfang zu geben und sie in Ruhe zu lassen.

Während ihrer fünf Jahre dauernden Bewährungszeit muss sich Mohnhaupt nun regelmäßig bei der Polizei melden. Wie der Stuttgarter Generalstaatsanwalt und frühere RAF-Ankläger, Klaus Pflieger, auf N24 weiter sagte, muss sie auch angeben, wenn sie ihren Wohnort wechselt und wenn sie Arbeit aufnimmt.

Nach dem Abitur 1967 in Bruchsal war Mohnhaupt zum Studium nach München gegangen. Doch bereits seit 1971 saß sie entweder im Gefängnis oder lebte im Untergrund. In Bruchsal sitzt derzeit auch Christian Klar ein, der wie Mohnhaupt ein Rädelsführer der so genannten zweiten Generation der RAF war.

Der „Focus“ hatte berichtet, dass Mohnhaupt in Karlsruhe wohnen wolle und damit an dem Ort, wo der so genannte Deutsche Herbst im April 1977 mit dem tödlichen Anschlag auf Generalbundesanwalt Siegfried Buback begonnen hatte. Unter anderem wegen des Mordes an Buback waren Mohnhaupt und Klar zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Karlsruhe ist nur rund 20 Kilometer von Bruchsal entfernt.

Seine Mandantin suche nun Ruhe, um die Veränderungen zu begreifen, die sich in den 24 Jahren ihrer Haftzeit ergeben hätten, sagte der Regensburger Anwalt Franz Schwinghammer der „Mittelbayerischen Zeitung“. Allerdings schloss er nicht aus, dass sich Mohnhaupt zu späterer Zeit in einem „ruhigeren Medium“ äußern werde.

Zur Frage einer Reueerklärung berichtete Schwinghammer aus Gesprächen mit seiner Mandantin, dass diese die Auffassung vertrete, man könne sich nur entschuldigen, wenn man etwas getan habe, was man wieder gut machen könne.

Seite 1:

Mohnhaupt will in Baden-Württemberg leben

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%