Ehrung
Kohl bekommt Nobelpreis-Kopie

Schon seit Jahren gilt Helmut Kohl als Kandidat für den Friedensnobelpreis. Nun hat er ihn bekommen - zumindest in Kopie. EU-Ratspräsident Van Romuy möchte dem Ex-Kanzler so für seine Verdienste danken.
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Berlin/BrüsselEU-Ratspräsident Herman Van Rompuy hat Altkanzler Helmut Kohl eine Kopie des an die Europäische Union verliehenen Friedensnobelpreises überbracht. Der Belgier habe den 82-Jährigen am Dienstag privat in Ludwigshafen besucht, bestätigte die Leiterin des Kohl-Büros, Marion Scheller. Der Altkanzler war wegen seiner Verdienste um die europäische Einigung selbst jahrelang als Favorit für den größten aller Friedenspreise gehandelt worden. Der Nobelpreis war der Europäischen Union am 10. Dezember für sechs Jahrzehnte erfolgreicher Aussöhnungspolitik verliehen worden.

Van Rompuy schrieb in einer Erklärung, er habe Kohl dafür gedankt, „dass er nach den Ereignissen von 1989 eine Schlüsselrolle bei der Wahrung eines dauerhaften Friedens in Europa gespielt hat“. Der konservative Belgier fügte hinzu: „Was Bundeskanzler Kohl in seiner Generation auszeichnet, ist sein entschlossenes Handeln zum alles entscheidenden Zeitpunkt der europäischen Nachkriegsgeschichte: Nach dem Mauerfall übernahm er die politische Verantwortung für die Wiedervereinigung Deutschlands und für die europäische Einigung.“

Van Rompuy berichtete, er habe mit Kohl über die Lage in Europa gesprochen - „und wir haben beide unsere Zuversicht zum Ausdruck gebracht, dass Europa wieder einmal gestärkt und vereint aus der Krise hervorgehen wird“. Van Rompuy wurde nach eigenen Angaben vom CDU-Europaparlamentarier Elmar Brok begleitet.

Laut „Bild“-Zeitung sagte Kohl: „Wir haben bereits ein großes Ziel erreicht. Auf diesem Weg müssen wir weiter vorangehen. Denn Europa ist unsere Heimat, unsere Gegenwart und unsere Zukunft.“

Van Rompuy setzt laut Nachrichtenagentur Belga seine Besuche bei „Gründervätern“ der Union fort. Am Mittwoch stand eine Visite beim früheren belgischen Premier Leo Tindemans an, der von 1974 bis 1978 sein Land regierte und 1975 einen wichtigen Bericht für die politische Union Europas verfasste. Van Rompuy bereitet die Gipfeltreffen der EU vor und führt diese auch.

 


dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Ehrung : Kohl bekommt Nobelpreis-Kopie "

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  • Na ja, van Rompuy ein Konservativer, der einen Konservativen ehrt. Ich finde dieser Schuß geht irgendwie am Ziel vorbei. Oder sollte Kohl durch die Hintertür mit einem Friedensnobelpreis geehrt werden? Herr van Rompuy, Sie haben weder Europa, sich, noch Kohl oder gar den Konservativen einen guten Dienst erwiesen. Ich finde es gelinde gesagt, eine Instinktlosigkeit sondergleichen, auch durch den nachfolgenden Hintergrund.

    Vielleicht hätten Sie einmal hinterfragen sollen, warum das Nobelpreis-Kommittee den "gestandenen" Europäer Kohl bisher nicht auszeichnete. Ich könnte es Ihnen sagen, vielleicht sind Sie schon selbst darauf gekommen. Ehrenworte galten früher, wenn sie von einem Onkel kamen schon was, von "ehrenwerten" Paten dagegen, die verwandtschaftlich weniger eingebunden, konnte dies nicht erwartet werden.

    Norwegen, ein Land, in dem Ethik und Humanität täglich angewandt wird, Herr van Rompuy müssen Sie auf diesem Wege nicht beleheren. Instinktlos, einfach instinktlos.

    Und da wir bei dem Thema gerade auffallend viele Gegenseitigkeiten entdecken, wäre es für mich weniger verwunderlich, wenn wie in Reiterkreisen, der eine dem anderen aufs Pferd half. Ätzende Politik, wie anno dazumals, als es noch nirgendwo eine Revolution gab. Kein Wunder, daß heute selbst eine Bundeskanzlerin als Revolutionärin darstellt. Die Frage bleibt, ob sich das alle anderen Revolutionäre im Nachhinein gefallen lassen. Fehlt nur noch, daß Frau Merkel nach ihrem Ausscheiden aus der aktiven Politik, als Gewerkschaftsfunktionärin antritt.

    Man muß das Unmögliche für möglich halten, damit das Mögliche nicht für das Unmögliche eintritt.

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

  • Hätte sich ein Normalbürger das geleistet, was sich Kohl geleistet hatte, dann wäre er jetzt im Knast.

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