Eidgenössische Alterssicherung
Schweizer Senioren geht das Geld nicht aus

Die Alterssicherung der Eidgenossen steht auf drei Säulen und basiert auf einer Mischung aus Kapitaldeckungs- und Umlageverfahren.

ZÜRICH. Wenn ein Eidgenosse wissen will, wie hoch seine Rente heute ausfallen würde, schickt er eine E-Mail an die landesweite Alters- und Hinterlassenenversicherung (AHV). Die Antwort kommt, wenn alles gut geht, nach einigen Tagen. Die Summe reicht in den meisten Fällen allerdings weder zum Leben noch zum Sterben. Die AHV ist umlagefinanziert - sie krankt genau wie das deutsche System daran, dass die Menschen zu wenig Kinder bekommen.

Zwischen den Parteien im Berner Parlament tobt ein Streit um die Entlastung der Kasse. So soll das Rentenalter für Frauen von 64 auf 65 Jahre erhöht, die Witwenrente gekappt oder der automatische Inflationsausgleich gestrichen werden.

Bauchschmerzen bekommen die Eidgenossen wegen dieses Streits jedoch nicht, denn die AHV ist nur eine von drei Säulen, auf denen die Altersabsicherung steht. Wichtigste Einnahmequellen der AHV sind die Beiträge der Arbeitgeber und Versicherten sowie des Bundes und der Kantone. Seit 1999 fließt zudem ein Teil der Mehrwertsteuer in die AHV. Sie verfügt über einen Ausgleichsfonds, der kurzfristige Einnahmenschwankungen ausgleichen soll. Der Fonds ist im Gegensatz zur eisernen Reserve in Deutschland gut gepolstert. Der Gesetzgeber verlangt, dass er mindestens über die Summe verfügt, die es braucht, um ein Jahr lang alle AHV-Leistungen zu erbringen.

Neben der AHV kommt kein Schweizer Arbeitnehmer, der mehr als 12 500 Euro im Jahr verdient, um die zweite Säule herum: die betrieblichen Pensionskassen. Diese Versicherungen werden von privaten Anbietern organisiert und bieten eine Kombination von Spar- und Risikoelementen. Sie haben die Aufgabe, den Versicherten annähernd die Fortsetzung ihres bisherigen Lebensstils zu ermöglichen. Bescheidenes Ziel: Mit der ersten Säule zusammen sollen die Rentner ein Einkommen von mindestens 60 Prozent des letzten Lohnes zur Verfügung haben. Jeder Versicherte hat bei seiner Pensionskasse ein eigenes Konto. Wer das Rentenalter erreicht, erhält jährlich 7,15 Prozent des Guthabens ausgezahlt, für Frauen sind es 7,2 Prozent.

Erst kürzlich haben Experten im Auftrag der Schweizer Regierung die demographischen, wirtschaftlichen und finanziellen Risiken der Kombination von Umlage- und Kapitaldeckungsverfahren untersucht. Ergebnis: Die Methode sei dem System anderer Länder, die nur auf das eine oder andere Verfahren setzen, überlegen. Das magere Wachstum der letzten Jahren hat zumindest das Umlageverfahren stark geschwächt.

Die dritte Säule besteht aus individuellen Versicherungen, die jeder für sich abschließt. Die Versicherer bieten eine Vielzahl spezialisierter Verträge an - und der Staat setzt einen zusätzlichen Anreiz: Beiträge bis 4 000 Euro im Jahr können von der Steuer abgesetzt werden.

Oliver Stock
Oliver Stock
Handelsblatt / Stellvertretender Chefredakteur
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