Eigentümlicher Vorschlag
Steinmeiers Gen-Experte bringt SPD in Rage

Mit seinem Vorschlag für die Zulassung der Gen- Kartoffel Amflora ist der Agrarexperte im SPD-Wahlkampfteam, Udo Folgart, auf heftigen Widerstand gestoßen. SPD-Fraktionsvize Ulrich Kelber wandte sich am Donnerstag gegen den Vorstoß.

HB BERLIN. „Wir wollen den Anbau von Amflora nicht“, sagte Kelber der Agentur dpa in Berlin. Folgart, der Bauern-Vizepräsident ist, distanzierte sich von einem Bericht mit Zitaten in der Berliner „Tageszeitung“ (taz). Die SPD versuchte, den Schaden zu begrenzen. Die Grünen warfen der SPD eine Kehrtwende vor.

„Man sollte darüber nachdenken, den Anbau einer Kartoffelsorte Amflora, also einer Stärkekartoffelsorte, zuzulassen“, zitierte die „taz“ das Mitglied im Wahlkampfteam von SPD-Kanzlerkandidat Frank- Walter Steinmeier. Folgart, Geschäftsführer eines Nachfolgebetriebs einer Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaft aus DDR-Zeiten, zeigte sich in dem Bericht auch offen für mehr Tierproduktionsanlagen in Ostdeutschland: „Da bin ich offen für jede Größe.“

In einer persönlichen Erklärung teilte Folgart mit, die Überschrift des Berichts „SPD will die Gen-Kartoffel“ sei falsch und sinnentstellend. „Dies gibt nicht die Aussagen und den Kontext meiner Aussagen aus dem Interview mit der „taz“ wieder.“ Er habe das Interview und die Verkürzung seiner Aussagen nicht autorisiert. „Ich stehe für eine von Bauernfamilien getragene, vielfältig strukturierte Landwirtschaft.“

In SPD-Parteikreisen hieß es, auch Folgart stehe auf dem Standpunkt, dass die Bauern Produkte nach den Wünschen der Verbraucher erzeugen sollten. „Die Verbraucherwünsche nach gentechnikfreien Produkten sind in Deutschland klar ausgeprägt.“ Folgart stehe auch „ausdrücklich für eine artgerechte Tierhaltung“. Kelber sagte, wenn man einen Seiteneinsteiger hole, müsse man akzeptieren, „dass er an bestimmten Stellen auch eine abweichende Meinung hat“. Die SPD-Bundestagsfraktion tritt für eine gentechnikfreie Landwirtschaft ein. Die Mehrheit der Bevölkerung steht der Gentechnik kritisch gegenüber.

Grünen-Fraktionschefin Renate Künast sagte: „Mit Folgart katapultiert sich die SPD zurück in die agrarpolitische Steinzeit.“ Die FDP-Agrarpolitikerin Christel Happach-Kasan forderte die Union auf, einer Zulassung der Gen-Kartoffel zuzustimmen. Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU) hatte nur den Forschungsanbau für die genveränderte Kartoffel Amflora von BASF erlaubt. Eine europaweite Zulassung für den kommerziellen Anbau steht aus. Der Chemiekonzern BASF hält die Kartoffel, die zur Stärkegewinnung für Klebstoffe oder Papier dienen soll, für sicher.

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