Ein Drittel der Studenten lehnt Gebühren nicht rundweg ab
Studenten wollen Uni verkaufen

Berliner Studenten protestieren mit immer originelleren Gags gegen Mittelkürzungen an den Universitäten. Erstmals deutete Wissenschaftssenator Flierl Entgegenkommen an.

HB BERLIN. Rund 5000 Studenten haben am Samstag in Berlin erneut gegen die Millionenkürzungen bei den drei hauptstädtischen Universitäten, die derzeit bestreikt werden, protestiert. Der knapp dreistündige Demonstrationszug verlief nach Polizeiangaben friedlich.

Dabei lassen sich die Studenten ständig neue Gags einfallen, um ihrem Protest Nachdruck zu verleihen. So machten sie bei der nunmehr dritten samstäglichen Demonstration Anleihen bei der Zeichentrickserie «Fred Feuerstein»: Ein Auto mit der Aufschrift «Ab in die Steinzeit» wurde von Kommilitonen per Tretantrieb bewegt.

Während der Abschlusskundgebung seilten sich zudem zwei Studenten vom Dach der Humboldt-Universität ab. Sie trugen ein Plakat mit der Aufschrift «For Sale», als wollten sie die Hochschule zum Verkauf anbieten.

Indessen schloss erstmals Berlins PDS-Wissenschaftssenator Thomas Flierl eine Lockerung der Sparvorgaben nicht mehr aus. Er könne dies zurzeit zwar nicht zusagen, sagte Flierl der «Berliner Zeitung»: Zunächst müsse man die Strukturplanung der Universitäten abwarten. Diese Zusage sei aber «äußerst schwammig», kritisierte Studentensprecher Theo Lerle.

Das Parlament werde sich aber bis zur Ratifizierung der Hochschulverträge im Sommer oder Frühherbst 2004 überlegen müssen, ob es bei dem Budgetrahmen noch Korrekturen vornehmen wolle. Bislang hatte der Senator jegliche Änderung an den Kürzungen von 75 Millionen Euro bis 2009 abgelehnt.

Unterdessen hat eine Forsa-Umfrage ergeben, dass Studenten an deutschen Universitäten Gebühren für den Hochschulbesuch nicht rundweg ablehnend gegenüberstehen. 30 Prozent der Studenten wären bereit, Studiengebühren von 500 Euro pro Semester zu akzeptieren, wenn sie die Gebühren erst nach Eintritt ins Berufsleben schrittweise abbezahlen müssten.

Die überwiegende Mehrheit von 69 Prozent der mehr als 1000 Befragten lehnte Studiengebühren dagegen ab. Drei Viertel aller Studenten sind aber nicht der Meinung, dass Studiengebühren in Deutschland das Studium qualitativ verbessern würde. Die Umfrage wurde im Auftrag des «UniSpiegels», des Studentenmagazins des «Spiegels», durchgeführt.

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