Ein-Euro-Jobber sind längst Realität
Der Ortsdiener von Frankfurt

Ein-Euro-Jobs für Arbeitslose und Sozialhilfeempfänger gibt es de fakto schon lange, nur heißen sie nicht so. Beispielsweise bringen Ortsdiener die Frankfurter Innenstadt auf Vordermann - und finanzieren sich mit dem Geld ihre Bewerbungen.

HB FRANKFURT AM MAIN. Von der Rolltreppe der U-Bahn-Station aus fällt der Blick auf die Uhr auf dem Frankfurter Opernplatz. Wie tausende Bahnfahrer fragt sich Wolfgang Weller, warum die Zeiger schon wieder stehen. Tausende werden die Uhr einen Augenblick später vergessen, Weller dagegen greift zum Telefon und sagt der Stadtverwaltung Bescheid. Er kehrt auch Zigarettenkippen von Parkbänken und reißt Werbezettel von Laternenmasten. Der 52-Jährige ist „Ortsdiener“. Er kümmert sich um Dinge, die sonst niemand erledigt. Weller ist eigentlich arbeitslos, seine Arbeit einer der künftigen Ein-Euro-Jobs.

Bezieher des neuen Arbeitslosengeldes II sollen nach dem Hartz-IV-Gesetz vom kommenden Jahr an zu gemeinnütziger Arbeit herangezogen werden. Sie können mit alten Menschen spazieren gehen, Schüler bei den Hausaufgaben betreuen und in Museumsarchiven Bestände sortieren, maximal sechs Monate lang. Dafür erhalten sie ein bis zwei Euro pro Stunde. Weller kommt so im Monat auf rund 200 Euro, die er behalten kann. Von einem 400-Euro-Job, der auf das Arbeitslosengeld II angerechnet würde, bliebe ihm weniger.

Das Konzept ist nicht neu. Schon seit Jahren gibt es gemeinnützige Tätigkeiten für Sozialhilfeempfänger, damit sie Erfahrung auf dem Arbeitsmarkt sammeln. Die Zahl der Beschäftigungsverhältnisse von Sozial- und Arbeitslosenhilfeempfängern schätzen Experten bundesweit auf bis zu 300 000. Rund 2000 sind es in Frankfurt, bis 2005 Jahr soll die Zahl verdoppelt werden. Dazu zählen auch die bis zu 40 Ortsdiener, die bis dahin ihre Arbeit aufnehmen sollen. Wie ein „Hausmeister eines Stadtteils“ jäten sie Unkraut, melden nötige Reparaturen in Parkanlagen und sorgen an Recycling-Tonnen für Ordnung.

Weller und sechs andere Ortsdiener sind schon jetzt in Aktion. Seit August erscheint der allein stehende Mann fünf Mal die Woche spätestens mittags an der Alten Oper. Von dort zieht er mit einem kleinen Kehrwagen los. Auf dem Opernplatz und in den Parkanlagen und Einkaufstraßen kennt er die Ritzen, in denen Unkraut sprießt und die Bodenplatten, die manchmal locker werden. Wenn ein Poller umzustürzen droht, telefoniert er sich so lange durch die Ämter, bis er den Zuständigen an der Strippe hat. „Es ist ein Puzzlespiel. Aber das macht den Reiz an dem Job aus“, sagt der ehemalige Lagerist.

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