Ein Jahr nach Anschlag in Ansbach Das Ringen um Normalität nach dem Terror

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Die Erinnerungen bleiben

Sein hinkender Vergleich ist einer der wenigen Momente, in denen Imschloß seinen launigen Humor durchschimmern lässt. Doch ist dem 60-Jährigen mit den wässrigen Augen und der bedächtigen Art deutlich anzusehen, wie sehr ihm die Erinnerungen an jenen Abend zusetzen. „Ich habe eine Zeit lang Schwierigkeiten gehabt, überhaupt rauszugehen“, sagt Imschloß und holt tief Luft. Zwar wisse er, dass die Wahrscheinlichkeit viel höher sei, dass ihm ein Dachziegel auf den Kopf falle, als erneut so einen Anschlag zu erleben. Aber dann höre er von Anschlägen in Berlin im vergangenen Jahr oder jüngst in England - „und man hat halt wieder einen kleinen Rückfall“.

Auch Pascal Böhms Leben wirbelte der Anschlag kräftig durcheinander. Der durchtrainierte Sicherheitsmann überwachte nicht weit vom Tatort entfernt den Festivalhauptzugang. Etliche Medien priesen ihn damals als Helden, der Schlimmeres verhindert habe. Das stimme aber nicht, stellt Böhm klar. „Ich habe den Mann weder abgewiesen noch mit ihm gesprochen“, sagt er über den Attentäter. Er sei ihm lediglich aufgefallen, weil er in der Nähe von „Eugens Weinstube“ auf- und abgelaufen sei.

Zudem habe der Mann „20 Minuten nur mich angestarrt“ anstatt auf das Festival zu achten, sagt Böhm. „Das kam mir ein bisschen komisch vor. Ich dachte, er wartet auf einen Freund, der eine Eintrittskarte hat.“ Einen Anschlag in Ansbach habe ja keiner erwartet.

Tagelang habe er danach nicht schlafen können, nach der Rückkehr zur Arbeit sei er zusammengebrochen. Auch Schuldgefühle hätten ihn geplagt, weil Menschen verletzt worden seien, erzählt Böhm. „Man denkt doch drüber nach, ob ich es hätte verhindern können, wenn ich vorher schon hin wäre und ihn gefragt hätte, was er da mache und ob ich in die Tasche schauen dürfe.“

Nach und nach sei so etwas wie Normalität zurückgekehrt, auch wenn er mit dem nahenden Jahrestag hin und wieder ins Grübeln komme, sagt Böhm. Bei den nächsten „Ansbach Open“ am kommenden Wochenende werden die Sicherheitsvorkehrungen nochmals verschärft, bekräftigen sein Chef Andreas Schmidt und Polizeivizepräsident Fertinger. Pascal Böhm will beim Musikfestival wieder Wache stehen. Und Norbert Imschloß hinterm Tresen.

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  • dpa
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