Ein Jahr nach Auffliegen der NSU

„Riesiges Rassismus-Problem in Deutschland“

Vor einem Jahr flog die Neonazi-Terrorzelle NSU auf. Politiker und Migranten sehen nicht nur ein Versagen des Sicherheitsapparats. Sie warnen: Rechtsextreme Einstellungen seien in der Mitte der Gesellschaft angekommen.
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Es war ein Schock: Vor einem Jahr flog die rechtsextremistisch motivierte Mordserie der Terrorgruppe NSU auf. Quelle: dpa

Es war ein Schock: Vor einem Jahr flog die rechtsextremistisch motivierte Mordserie der Terrorgruppe NSU auf.

(Foto: dpa)

BerlinEin Jahr nach Aufdeckung der rechtsextremen Terrorzelle NSU haben Politiker und Migrantenvertreter tiefsitzende Ressentiments gegen Zuwanderer im deutschen Sicherheitsapparat beklagt. „Wir haben es mit einem Struktur- und Mentalitätsproblem zu tun“, sagte der Vorsitzende des Bundestags-Untersuchungsausschusses zu den NSU-Morden, Sebastian Edathy, am Donnerstag in Berlin.

In großen Teilen der Sicherheitsbehörden sei immer wieder hartnäckig geleugnet worden, dass es in Deutschland Rechtsterrorismus geben könne – obwohl man es hätte besser wissen können. „Wir brauchen mehr Sensibilität bei den Behörden“, forderte der SPD-Politiker. Dies lasse sich aber nicht durch einige Stellschrauben beseitigen. „Wenn sich die Strukturen nicht ändern, wird es auch nicht besser werden“, zeigte sich Edathy überzeugt. Notwendig sei etwa die Einstellung von besser qualifizierten und sensibleren Mitarbeitern, die nicht „in solchen Stereotypen denken“.

Nach Ansicht des Vorsitzenden der Türkischen Gemeinde in Deutschland, Kenan Kolat, haben die Vertuschungsversuche bei der Mordserie gezeigt, dass es ein „riesiges Rassismus-Problem“ in Deutschland gebe. „Der Rechtsruck in der Gesellschaft ist kein Randthema, sondern eindeutig ein Thema der Mitte geworden“, sagte Kolat. Der Verfassungsschutz in seiner jetzigen Form werde nicht gebraucht.

Die Ombudsfrau der Bundesregierung für die Hinterbliebenen der NSU-Mordserie, Barbara John, schlug die Einrichtung einer Stiftung vor, um die Erinnerung an die Opfer wachzuhalten. Bei Gedenktafeln dürfe es nicht bleiben. Nach Johns Angaben sind viele der Hinterbliebenen neben der seelischen Belastung auch in einen finanziellen „Abwärtsstrudel“ geraten. Nur mit Mühe sei es bislang gelungen, diesen Menschen wenigstens etwas zu helfen.

Besserer Schutz vor Rechtsterroristen gefordert
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23 Kommentare zu "Ein Jahr nach Auffliegen der NSU: „Riesiges Rassismus-Problem in Deutschland“"

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  • Es ist wohl kaum zu erwarten, dass Beate Z. angeklagt wird, denn sie war auch eine vom Verfassungsschutz lanciete Person.Es scheint, dass der Verfassungsschutz unbeedingt beweisen wollte, dass das Problem der Neo-Nazis ein Verbot der NPD zur Folge haben muesste.Zu Kaisers-und Hitlers Zeiten ist Deutschland mit Krieg ueberzogen worden, weil es den Nachbarn zu stark erschien.Heute will die Merkel und die verhergehenden Regierungen verhindern, das dasselbe Passiert indem sie immer mehr sich selbst entmannen um so eher als gefahrlos eingestuft zu werden.Das ist der bequemste ausweg und erfordert keine politischen Faehigkeiten, die sie ohne Zweifel nicht besitzen.Es fehlt eine Gruppe und Person, die dazu in der Lage sind Deutschland wieder auf einen gesunden aussen- und innenpolitischen Boden stellen.Ein hoffnungsloser Fall.

  • Wo kam denn von Herrn Kolat z. B. eine Beileidsbekundung zu diesen schrecklichen Mord an Jonny K?
    Nichts, aber auch gar nichts.
    auch usnre Politiker haben sich enorm bedeckt gehalten. Aber diese Tat konnte man ja nun icht einem Rechten unterschieben, sodnern sie wurde von einem Türken begangen und da schaut die Politik weg.
    Ich ahbe mich tatsächlich gewundert, über die Sendug von Anne Will und war erfreut, dass es endlich mal ehrich zuging. Ich war ersgtaunt, dass die Dinge so offen auf den Tisch kanmen. Es wird Zeit, dass Medien und Presse aufwachen und usnre Politiker mal zur Röson bringen

  • Ja. Werden sie. Das ist gesetzlich geregelt.

  • ES IST SO ÜBERFÄLLIG dass sich die deutsche Politik ENDLICH mal wieder um das DEUTSCHE VOLK kümmert!

    Vor lauter 'Toleranz den Anderen' gegenüber, haben wir völlig verlernt, auch Achtung und Toleranz FÜR UNSERE EIGENE ART einzufordern.

    Achten Sie mal darauf: Bei nahezu sämtlichen Integrationsforen und -Zeitungsberichten ist der Interviewpartner oder Referent zu 95% türkischer oder sonst einer FREMDEN Abstammung.

    FRAGT doch mal bitteschön DIE DEUTSCHEN! Ich fühle mich in dieser öffentlichen Diskussion NICHT vertreten, weil ich nur unterwürfiges Gefälligkeitsheuchelei deutscherseits vernehme.

    Und wenn ich mich umhöre, fällt mir auf, dass dies DEN MASSEN der Deutschen so geht.

  • Ich fühle mich als Deutscher diskriminiert! Da gibt es in Berlin am Brandenburger Tor kriminelle Asylanten, die unseren Staat erpressen und unsere Politiker unterstützen diese Sozialschmarotzer. Warum bauen diese Leute nicht nicht ihre Heimat auf und bringen da ihre Forderungen an? Es ist leichter und willkommen Deutschland zu erpressen!!!

  • Rassismus in Deutschland? Ja? Aber nur gegen Deutsche! Wann entschuldigt sich Hr. Kolat für den Völkermord an den Armenier und leistet Wiedergutmachung, wie die Deutschen es an den Juden machten und machen? Dürfen Türken ungestraft Völker morden? Muss man türkische Wurzeln haben, wie in Berlin, um Senatorin zu werden? Frau Kolat schweigt eisern zu diesem Thema!

  • meantares
    auch richtig.
    Aber wer so etwas in unsrem Land sagt und kritisiert, wird sofort asls Rechtspopulist und Rassist beschimpft von usnren durchweg linken Politikern

  • meantares
    genau so ist es

  • Und trotzdem haben 3 Nazis ein Jahrzehnt innerhalb der BRD im untergrund lebend 10 Türken und Griechen ermordet und die jeweiligen Verfassungsschutzämter sowie die Polizei gingen nachhaltig nicht von Rechtsterroristischen Motiven aus.
    Die Ermittlungen der Kriminialpolizeilichen Stellen erschöpften sich bei Nachforschungen, wonach die Opfer einfach in die organisierte Kriminalität verstrickt sein mussten. Drogenhändler etwa die ihre Hintermänner betrogen haben vielleicht. Evtl. auch Angehörige von Menschenhändlern die neben der Organisation verdient und folglich in Ungnade gefallen sein könnten..
    Als der Rechtsterror dann aufflog, kam gleichzeitig ans Licht, dass die Verfassungsschutzämter die Haupttäter und deren Helfer sowie Helfershelfer sehr wohl kannten und auch auf dem Schirm gehabt haben müssten. Bei der Frage weshalb denn nicht eingegriffen bzw. dann zielgerichteter ermittelt wurde, verschwanden quer durch die Republik plötzlich Akten, gefressen vom bösen Schredder und keiner konnte oder wollte sich mehr daran erinnern, was denn in diesen Akten stand. Gleichzeitig tauchen beinahe wöchentlich neue Indizien auf, wonach Verfassungsschützer selbst im braunen Sumpf stecken könnten.
    Und wir haben kein Problem bei unseren Sicherheitsbehörden mit dem rechten Auge ? - Es ist wirklich, aber auch wirklich sowas von egal wie sehr die Türkei, Kambodscha oder Taldibullak Unrechtsstaaten sein mögen.
    Wir hier sind es nicht ! Nur weil andere Staaten morden, verschleppen, einschüchtern, wegsehen und benachteiligen heißt dies nicht, dass unsere Verfassung nicht mehr für uns gilt !

    Denken Sie mal drüber nach..

  • Der Rassismus in bestimmten Gruppen der Gesellschaft ist wirklich rießig. Hier ein Beispiel, weitere existierende Beispiele aus dieser und verwandter Gruppen finde ich auf die Schnelle nicht:
    „Deutschland ist ein Problem, weil die Deutschen fleißiger, disziplinierter und begabter als der Rest Europas (und der Welt) sind. Das wird immer wieder zu ‘Ungleichgewichten’ führen. Dem kann aber gegengesteuert werden, indem so viel Geld wie nur möglich aus Deutschland herausgeleitet wird. Es ist vollkommen egal wofür, es kann auch radikal verschwendet werden – Hauptsache, die Deutschen haben es nicht. Schon ist die Welt gerettet.“ Das Zitat wird Joschka Fischer zugeschrieben, ob es stimmt weiß ich nicht.
    Ist das Diskriminierung, oder nicht?

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