Ein Linker muss nicht arm sein
Brutto, netto und der Bibber in der Stimme

Auf dem Bundesparteitag der Linkspartei beschwört Lafontaine die historische Stunde, Gysi berlinert und die Partei reißt sich zusammen.

BERLIN. Ein "historisches Datum" sei das, sagt Oskar Lafontaine, und gleich noch einmal: "Ich will es nicht überhöhen, aber es ist ein historisches Datum." Historisch deshalb, weil er, Oskar Lafontaine, hier und heute eine Rede hält. Er war einst Vorsitzender der SPD, heute gehört er der WASG an, und jetzt redet er auf dem Bundesparteitag der in Linkspartei umgetauften PDS in Berlin. Dies sei, sagt Lafontaine, "ein Auftritt im Rahmen der Geschichte der Arbeiterbewegung."

Niemand hatte es anfangs geglaubt, aber jetzt steht sie kurz vor dem Ziel: In drei Wochen wird die Linkspartei in Fraktionsstärke in den 16. Deutschen Bundestag einziehen. Wie die Fraktion aussehen wird, kann man auf dem Podium studieren: Dort hat die Parteitagsregie die aussichtsreichen Kandidaten platziert, damit sie ins Fernsehen kommen. In drei Reihen sitzen sie da, einstige SED-Mitglieder neben abtrünnigen Sozialdemokraten, Gewerkschaftler neben Attac-Aktivistinnen.

Nominiert hat sie freilich allein die einstige PDS, und deren Mitgliederschaft droht kurz vor Schluss doch ein wenig an Enthusiasmus zu verlieren: Die Umfragewerte sinken, die Partei streitet sich, ob der Mindestlohn 1400 Euro brutto oder 1000 Euro netto betragen soll, außerdem über "Luxus-Linke" und was der Nickeleien mehr sind.

Spitzenkandidat Gregor Gysi bemüht sich, die Laune der Partei zu heben: Der Streit sei gar kein Schaden, denn "dadurch wissen alle, dass wir einen gesetzlichen Mindestlohn wollen. Nu seht das doch mal nicht so negativ!" Ohnehin wisse er "gar nicht, wieso man da gleich so´n Bibber in der Stimme kriegen muss."

Dann freilich sorgt Gysi für eine Art von Gelächter, die selbst so ein humoriger Politiker wie er nicht gerne hört: Er sei persönlich für netto, weil "es kommt doch immer ein etwas anderer Bruttolohn heraus", sagt er. Keiner, der da nicht an Angela Merkels Brutto-Netto-Stolpereien denken müsste. Am Ende entscheiden die Delegierten gegen die Empfehlung des Vorstands: 1400 Euro brutto.

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