Ein Segen für die Medien?
Wie Trump ungewollt den Journalismus stärkt

  • 2

Hin zur Diskussion über Qualitätsjournalismus

In Deutschland hätten die klassischen Medien vor allem durch die Diskussion um die Vorwürfe der Lügen- und Systempresse viel von ihrer Glaubwürdigkeit eingebüßt, erklärt der Medienexperte Lutz Frühbrodt. Ihr bisheriges Monopol auf Deutungshoheit sei zumindest infrage gestellt, betont der Professor für Fachjournalismus und Unternehmenskommunikation an der Hochschule Würzburg-Schweinfurt. „Die Ereignisse in den USA zeigen aber auch, wohin es führt, wenn Vertreter eines angeblichen Anti-Establishments darüber bestimmen wollen, was wahr ist und was nicht“, mahnt Frühbrodt. „Dies dürfte auch hierzulande den Menschen vor Augen führen, dass die klassischen Medien eben doch Anker der Glaubwürdigkeit bilden.“

Der Trump-Effekt könne bewirken, dass sich die Bürger wieder mehr über die Glaubwürdigkeit von Quellen unterhalten, fügt Weichert hinzu: „Vielleicht bekommen wir jetzt einen Turn von der Lügenpressedebatte hin zu einer Diskussion über Qualitätsjournalismus.“

Frübrodt verwundert es nicht, dass US-Journalisten Trump wie auf dem OP-Tisch sezieren. Der Präsident habe konservative und linksliberale amerikanische Medien wiederholt und unisono als Fake News bezeichnet. Dieser Vorwurf sei dem „tief verletzten, eitlen und narzisstischen Ego Trumps“ geschuldet gewesen: „Insofern erleben wir in den Medien jetzt so etwas wie eine psychologische Gegenwehr auf die Trump-Tiraden, die auch das Publikum ganz offensichtlich unterstützt“, erklärt Frühbrodt.

Ungeachtet der Chancen sieht der Wissenschaftler aber auch Gefahren, welche die mediale Auseinandersetzung mit Trump mit sich bringen kann: „Journalisten sollten sich davor hüten, allzu schulmeisterlich über den US-Präsidenten zu schreiben.“ Das könne beim Publikum schnell Zweifel aufkommen lassen, ob die Berichterstattung sachlich sei, sagt Frühbrodt. Er rechnet damit, dass sich der mediale Hype um Trump bald legen wird; „Der Präsident ist als Alleinunterhalter zwar ein absoluter Selbstläufer. Ich prognostiziere jedoch, dass nach einer Weile ein Gewöhnungseffekt eintritt und nur noch seine gröbsten Verbalentgleisungen und Fehltritte medial thematisiert werden.“

Seite 1:

Wie Trump ungewollt den Journalismus stärkt

Seite 2:

Hin zur Diskussion über Qualitätsjournalismus

Dogan Michael Ulusoy Quelle: privat
Dogan Michael Ulusoy
Handelsblatt Live / Journalist

Kommentare zu " Ein Segen für die Medien?: Wie Trump ungewollt den Journalismus stärkt"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Trump JAGT die Propaganda Hauptmedien und stärkt diese nicht! Das ist auch GUT so! Trump will diese sog. unabhängigen und neutralen Medien einer Grün-Sozialistischen "Demokratie" in ihre Schranken weisen. Und das ist auch GUT SO! Danke!

  • Woher weiss der Autor denn, daß es ungewollt ist? Wieder dieses halbleere Glas! Ich behaupte, daß es GEWOLLT ist. Er will eine ehrliche, hinterfragende, recherchierende Presse. Deshalb, genau deshalb haut er erstmal ordentlich drauf. Um zu wecken, um ehrliche, gute Journalisten anzuspornen. Er hat auch nie gesagt, daß er gegen die Presse ist, nur gegen die LÜGENPRESSE. Es liegt also nun an jedem Journalisten zu zeigen, daß er sauber recherchieren kann und nicht einfach REUTERS bezahlt, um selbst aus dem Schneider zu sein.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%