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18.07.2008 
Debatte um Wehrgerechtigkeit

Einberufungspraxis kostet Bundeswehr Millionen

Weil Bundesverteidigungsminister Franz-Josef Jung (CDU) die Zahl der Wehrpflichtigen langsamer reduziert als vorgesehen, fehlen der Bundeswehr in diesem Jahr bis zu 100 Mill. Euro zur Modernisierung. Das berichtet das Handelsblatt.

Lupe

DÜSSELDORF. Hintergrund für das Vorgehen ist die Debatte um Wehrgerechtigkeit. Kritiker sind erzürnt: "Es gibt für diese Praxis weder sicherheitspolitische Erfordernisse, noch kommen wir einer gerechteren Einberufungspraxis wirklich näher", sagte Verteidigungsexperte Andreas Weigel (SPD). Tatsächlich binde das Vorgehen Personal, Verwaltungskapazitäten und Finanzen, die an anderer Stelle in der Bundeswehr dringend benötigt würden.

Wegen der durchschnittlichen Jahrgangsgröße von 430.000 Männern in den nächsten Jahren ist davon auszugehen, dass alljährlich deutlich mehr als 125.000 davon für den Grundwehrdienst zur Verfügung stehen - doch nur etwa 60.000 kann die Bundeswehr einziehen; sie nämlich soll bis 2010 um weitere 10.000 auf rund 250 000 Soldaten schrumpfen. Bereits in den vergangenen zwei Jahren waren aber jeweils rund 5.000 junge Männer mehr einberufen worden, als im Personaltableau zur langfristigen Reduzierung der Truppe veranschlagt. Diese Praxis hatte Verteidigungsminister Jung dann auch für dieses Jahr aufgelegt.

Infolge der zusätzlichen Einberufung von Wehrpflichtigen entstehen erhebliche Kosten. Schätzungen darüber variieren. SPD-Experte Weigel geht von rund 60 Mill. Euro aus. In Bundeswehrkreisen werden bis zu 100 Mill. Euro genannt. Denn 5.000 Wehrpflichtige benötigen rund 2.000 Zeit- und Berufssoldaten, um versorgt und beschäftigt zu sein. So sind zusätzliche Kasernenbetten ebenso vorzuhalten wie zusätzliche Waffen und Uniformen sowie Aufenthalte auf Truppenübungsplätzen. "Auch bei Militärs hat das Vorgehen des Ministers für Stirnrunzeln gesorgt", weiß Weigel.

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