Von einem Journalisten befragt, was denn von seiner Amtszeit einmal bleiben solle, antwortet er dieser Wirklichkeit ausweichend, ganz allein auf sich selbst rekurrierend: „Ich will ganz einfach sagen, dass die Leute mich sympathisch finden. Wenn das bleibt, muss ich sagen, bin ich gar nicht so unzufrieden.“
Solcherlei Erfolgskriterium erschließt sich eher tiefenpsychologischen als politischen Maßstäben, die das offenbar doch unstillbare Verlangen nach Anerkennung einordnen mögen. Dieser „Super-Horst“ aber zieht sich bei nicht wenigen Parlamentariern, gerade aus der Union, den Vorwurf der Undankbarkeit zu, wenn er beteuert: „Ich bemühe mich, diese Lücke (zwischen Politikern und Bürgern) zu schließen.“
Doch auch die deutsche Politik fördert die radikale Zurückgeworfenheit auf ein solch subjektives Erfolgsverständnis: Die ungeplante Große Koalition hat ihn aus der Zeit geworfen und seine ihm zugedachte Mission für überflüssig erklärt. Von Merkel und Westerwelle als Symbol- und Galionsfigur für die schwarz-gelbe Zukunft erdacht, machte ihm die schwarz-rote Regierung schnell klar, dass der Aufbruch zu den neuen Ufern oft versprochener Reformen fürs Erste storniert sei. Auch deshalb kann Köhler nach einer Zwischenbilanz nur für sich selbst, kaum für einen Aufbruch stehen.
Wie kaum ein Bundespräsident vor ihm zieht Köhler Wohlmeinende an. Diese glauben zu spüren, dass sich da einer auf ihre Seite gegen die Übermächtigen in Politik und Gesellschaft schlägt. Doch mit Nachhaltigkeit, Konsequenz und Wirkung kann ein Bundespräsident so nicht einmal symbolisch an den Wehwehchen der Republik herumdoktern. Er fördert eher Selbstgenügsamkeit.
Selbst sein großes, hehres Herzensthema „Afrika“ hat er nicht im Bewusstsein der heutzutage eher bang nach Asien Äugenden verankert. Auch hier hat der Weltökonom Köhler verpasst, seine Kompetenz an das für Deutschland drängendere Thema zu richten. Und wo die ihm dereinst so hoffnungsträchtig zugewiesene ökonomische Kompetenz jemals die Innen- und Wirtschaftspolitik hat aufmerken lassen, bleibt bisher, da sogar der Reformeifer der Berliner vorbei ist, völlig unerfindlich.
Auf solche Art politisch eher unstet agierend, erkennt allein noch Westerwelle in Köhlers Präsidentschaft ein Projekt: sein eigenes. Kein Wunder, dass es unlängst der FDP-Chef selber war, der wie aus dem Nichts mit der Forderung vorpreschte, sein politisches Patenkind möge doch noch eine weitere Runde drehen. Der Bundespräsident, der Eindruck drängt sich auf, bleibt die einzige entzifferbare Handschrift Westerwelles in der Politik der letzten beiden Jahrzehnte, wenngleich ihm selbst dabei CDU-Chefin Angela Merkel die Hand führte.
Womöglich hat Merkel just diese Harmlosigkeit, die angestrengte Leichtigkeit des Seiteneinsteigers geahnt. Bei der überfallartigen Kür „ihres“ Mannes hat sie sich jedenfalls als treffsicherer erwiesen als dereinst Helmut Kohl. Der hatte geglaubt, mit Richard von Weizsäcker einen müden Landedelmann für sich und das Amt gefunden zu haben, indes den härtesten innerparteilichen Gegner an der Kanzlerbrust genährt. Auch wenn Köhler die intellektuelle Statur eines Weizsäcker fehlt, feit ihn dies nicht vor der Gefahr, plötzlich doch noch unbequem zu werden. Auch für Merkel.
Ab sofort muss er weder auf sie noch auf alle anderen und schon gar nicht auf weitere Karrierechancen Rücksicht nehmen. Jetzt ist er auf der Zielgeraden. Von dort schaut man nicht zurück, nimmt man keine Rücksicht. Fast immer ist diese Position eine Garantie dafür, dass der Läufer kein Verlangen nach weiterer Anerkennung spürt. Denn er hat längst nur noch das Ziel im Blick.

