Eine Errungenschaft der Hartz-IV-Reform
Viele wollen einen Ein-Euro-Job

„Lieber einen Ein-Euro-Job als zu Hause rumsitzen“. Das sagen sich zurzeit viele Langzeitarbeitslose. „Das Interesse an den Ein-Euro-Jobs ist seit Wochen unerwartet groß“, sagt eine Sprecherin der Bundesagentur für Arbeit. Zwar hatten bundesweit Anfang Oktober nur 17 200 Arbeitslosenhilfeempfänger einen Zusatzjob. Doch diese Zahl ist für viele eine große Überraschung.

HB FRANKFURT. Die Ein-Euro-Jobs sind eine Errungenschaft der Hartz-IV-Reform. Im Sommer haben Tausende bei den Montagsdemos gegen die Ein-Euro-Jobs protestiert. Noch vor wenigen Wochen waren die meisten Experten skeptisch, ob die Ein-Euro-Jobs jemals akzeptiert werden. Wie es aussieht, haben sie sich getäuscht.

Dieter Thiel von der Agentur für Arbeit in Frankfurt bestätigt diesen Trend: „Wir bekommen sowohl von den Arbeitslosen, als auch von den Beschäftigungsgesellschaften in Frankfurt viele Anfragen.“

So viele, dass die Stellen im Extremfall sogar nicht reichen würden. So haben bereits 1639 Menschen in Frankfurt einen Antrag auf einen Ein-Euro-Job gestellt. Bewilligt seien aber bis zum Ende des Jahres nur 1000, sagt Thiel. In Frankfurt gibt es insgesamt 30 000 Langzeitarbeitslose.

Zwei Möglichkeiten zum Ein-Euro-Job zu kommen

Eigentlich startet die neue Regelung offiziell erst am 1. Januar 2005. Ab dann werden die Ein-Euro-Jobs für Empfänger von Arbeitslosengeld II verbindlich. Doch das Angebot läuft bereits seit Anfang Oktober. Der Vorteil: Heute können die Arbeitslosen sie noch ablehnen und müssen keine Leistungskürzungen fürchten.

Weil das Angebot noch nicht bindend ist, seien viele Interessenten aus Frankfurt wieder abgesprungen, sagt Thiel. Zurzeit haben 225 Menschen in Frankfurt Ein-Euro-Jobs oder „Arbeitsgelegenheiten mit Mehraufwandsentschädigung“, wie die Beschäftigungen von der Arbeitsagentur offiziell genannt werden. „Wir bewerten diese Zahl als einen großen Erfolg“, sagt Thiel.

Es gibt zwei Möglichkeiten, zu einem Ein-Euro-Job zu kommen. Die erste: Die Arbeitsagenturen schicken den Kunden, die sie für die Stelle geeignet halten, einen Brief mit einem Angebot. Die zweite: Der Arbeitslose stellt selbst einen Antrag. Das Prozedere danach ist in beiden Fällen gleich: Vor der Arbeitsaufnahme müssen die Interessenten eine Info-Veranstaltung besuchen – in der Regel dort, wo man später dann auch arbeiten wird.

600 000 Zusatzjobs

Die Ein-Euro-Jobs müssen im öffentlichen Interesse liegen. Deshalb werden die Arbeitslosen für gemeinnützige Tätigkeiten in Seniorenheimen, Sportvereinen, Schulen, Museen, oder bei Gartenarbeiten und Hausmeistertätigkeiten in öffentlichen Gebäuden eingesetzt. Viele Angebote in Frankfurt stammen von der Beschäftigungsgesellschaft Werkstatt, oder der evangelischen Kirche.

Neben dem regulären Arbeitslosengeld bekommt man in Frankfurt 1,50 Euro pro Stunde. Dieses Geld ist als Entschädigung zu verstehen – für Fahrtkosten und Arbeitskleidung. „Es ist auf den ersten Blick nicht viel Geld, aber im Monat kommt man auf 200 Euro mehr“, sagt Thiel. Nach Berechnungen des Wirtschaftsministeriums können Empfänger von Arbeitslosengeld II so insgesamt auf Nettobezüge von monatlich 850 bis 1000 Euro kommen. Die Arbeitszeit liegt bis 30 Wochenstunden. Sind es mehr als 15, fallen die Arbeitslosen aus der Arbeitslosenstatistik heraus. Die Regierung will bundesweit bis zu 600 000 Zusatzjobs schaffen.

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