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Eine Partei zerlegt sich selbst: FDP-Politiker weisen Rassismus-Vorwurf zurück

Die Äußerungen von Hessens FDP-Chef Jörg-Uwe Hahn über die vietnamesische Herkunft von Philipp Rösler haben scharfe Kritik hervorgerufen. Rösler selbst nimmt Hahn nun in Schutz. Der fühlt sich missverstanden.

Der hessische FDP-Vorsitzende Jörg-Uwe Hahn im Hintergrund. Vor ihm sitzt Bundesparteichef Philipp Rösler. Quelle: dpa
Der hessische FDP-Vorsitzende Jörg-Uwe Hahn im Hintergrund. Vor ihm sitzt Bundesparteichef Philipp Rösler. Quelle: dpa

Berlin/Passau/HalleNach den Äußerungen über das Aussehen von FDP-Bundeschef Philipp Rösler erhält der hessische FDP-Landesvorsitzende und Integrationsminister Jörg-Uwe Hahn Unterstützung aus der eigenen Partei. Die Äußerungen Hahns zur asiatischen Herkunft Röslers seien zwar "zugegebenermaßen missverständlich" gewesen, sagte FDP-Vorstandsmitglied Wolfgang Kubicki der "Passauer Neuen Presse" vom Freitag. "Ich kenne ihn aber seit langem und gut, und ich weiß, dass er keine rassistischen Äußerungen tätigen wollte."

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Auch Rösler selbst verteidigte Hahn gegen den Vorwurf des Rassismus. "Ich verstehe die Aufregung über die vielfach kritisierte Interview-Äußerung von Jörg-Uwe Hahn vom Donnerstag nicht", erklärte Rösler am Freitag in Berlin. "Jörg-Uwe Hahn ist über jeden Verdacht des Rassismus erhaben." Mit Hahn verbinde ihn eine "persönliche Freundschaft", erklärte Rösler.

Hahn hatte in der "Frankfurter Neuen Presse" vom Donnerstag die Akzeptanz Röslers als Vizekanzler in der Bevölkerung wegen dessen Herkunft aus Vietnam in Zweifel gezogen. Wörtlich sagte Hahn dem Blatt: "Bei Philipp Rösler würde ich allerdings gerne wissen, ob unsere Gesellschaft schon so weit ist, einen asiatisch aussehenden Vizekanzler auch noch länger zu akzeptieren."

Die FDP unter Parteichef Rösler

  • 12. Mai 2011

    Rösler, bisher Bundesgesundheitsminister, löst Rainer Brüderle als Wirtschaftsminister ab und steigt zum Vizekanzler auf.

  • 13. Mai

    Auf dem Parteitag in Rostock wird Rösler mit 95,1 Prozent als jüngster FDP-Vorsitzender und Nachfolger von Guido Westerwelle gewählt. Rösler verspricht: „Ab heute wird die FDP liefern.“

  • 22. Mai

    Die FDP fliegt mit 2,4 Prozent in Bremen aus der Bürgerschaft.

  • 4. September

    Bei der Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern kassiert die FDP mit 2,8 Prozent die nächste Niederlage.

  • 18. September

    Bei der Abgeordnetenhauswahl in Berlin landen die Liberalen bei 1,8 Prozent.

  • 14. Dezember

    Generalsekretär Christian Lindner tritt überraschend zurück.

  • 16. Dezember

    Die Parteispitze setzt sich bei einem Mitgliederentscheid knapp mit ihrem Kurs bei der Euro-Rettung durch.

  • 25. März 2012

    Nachdem das Jamaika-Bündnis mit CDU und Grünen im Saarland geplatzt ist, stürzt die FDP bei der folgenden Landtagswahl auf 1,2 Prozent ab.

  • 6. Mai

    Bei der vorgezogenen Landtagswahl in Schleswig-Holstein wird die schwarz-gelbe Koalition abgewählt. Mit Spitzenkandidat Wolfgang Kubicki erringen die Liberalen aber 8,2 Prozent.

  • 13. Mai

    Bei der vorgezogenen Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen gewinnt Rot-Grün, mit Lindner an der Spitze kommen die Liberalen jedoch auf 8,6 Prozent. Im Bund bleiben die Umfrage in den folgenden Monaten desaströs.

  • 6. Januar 2013

    Entwicklungsminister Dirk Niebel verlangt beim Dreikönigstreffen der FDP in Stuttgart offen ein neues Führungsteam. Er fordert, den für Mai geplanten Parteitag vorzuziehen.

  • 18. Januar

    Zwei Tage vor der Niedersachsen-Wahl plädieren auch FDP-Fraktionschef Rainer Brüderle und Lindner für ein Vorziehen des Parteitages.

  • 20. Januar

    Die FDP erreicht bei der Landtagswahl in Niedersachsen sensationelle 9,9 Prozent, viele Stimmen kommen von CDU-Wählern.

  • 21. Januar

    Die FDP-Führung einigt sich darauf, dass Rösler Parteivorsitzender bleibt. Spitzenkandidat bei der Bundestagswahl soll Brüderle werden. Der Parteitag wird von Mai auf März vorgezogen.

Auch der Vorsitzende der Jungen Liberalen, Lasse Becker, stärkte Hahn den Rücken. "Die Wortwahl war offensichtlich missverständlich. Es ist aber notwendig, diese Debatte zu führen", sagte er der "PNP". Hahn habe das Rassismusproblem im Umgang mit Rösler ansprechen wollen. Er selbst erlebe dieses häufig: "Ich bekomme am Wahlkampf-Stand in der Fußgängerzone zu hören: Ich würde Euch ja wählen, aber dafür müsste erst einmal der Chinese weg." Ähnlich äußerte sich Thüringens FDP-Generalsekretär Patrick Kurth in der "Mitteldeutschen Zeitung" (Freitagsausgabe).

SPD und Linkspartei hatten Hahns Äußerungen als rassistisch motivierten Ausfall gewertet. Hahn, der auch Justizminister ist, wies die Kritik hingegen zurück. "Ich habe darauf hinweisen wollen, dass es in unserer Gesellschaft einen weit verbreiteten, oft unterschwelligen Rassismus gibt", erklärte er. "Dieses gesellschaftliche Problem darf man nicht totschweigen, sondern muss es offen ansprechen, um es zu bekämpfen." Wer in seine Äußerung etwas anderes hineinlese, verstehe ihn falsch.

  • 08.02.2013, 08:27 UhrexFDPler

    Und schon wieder ist die FDP mit sich selbst beschäftigt!!!

    Die FDP ist absolut überflüssig!
    Nicht mehr wählbar!
    Nicht regierungsfähig!
    Bürgerfeindlich!



    Der Kannibalisierungsprozess einer Partei ist nie so deutlich wie bei der FDP zu Tage getreten.

    Schauen wir mal, welche Schlagzeile die FDP in der nächsten Woche liefert.

    Hat sich mit der Spitzenkraft Brüderle irgendetwas geändert? NEIN!
    Dies war auch nicht anders zu erwarten!

  • 08.02.2013, 08:31 Uhrzitrone73

    Doch, Brüderle ist nicht nur Spitzenkraft, sondern auch spitz.

  • 08.02.2013, 08:32 UhrBlinder-Augenarzt

    Die FDP ist ein Krebsgeschwür in Deutschlands Parteienlandschaft.

    Der Wähler wird dieses Geschwür chirurgisch präzise in der Bundestagswahl im September herausoperieren. Nämlich dann, wenn die FDP hoffentlich an 5% scheitert. Nur so wird die OP erfolgreich sein.

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