Einige Unternehmen gehen eigene Wege
Nur wenige Firmen fördern Konzept Kinder und Beruf

„Die Erkenntnis, dass eine familienfreundliche Arbeitswelt sowohl volkswirtschaftlich als auch betriebswirtschaftlich Gewinn bringt, setzt sich durch“, meint Familienministerin Renate Schmidt (SPD). Doch tatsächlich nimmt bisher nur ein Teil der Unternehmen die Vereinbarung von Familie und Beruf ernst.

HB/doh DÜSSELDORF. Eines davon ist die Wintershall AG. Die auf Erdgas- und Erdöl spezialisierte Tochter der BASF AG eröffnete im Sommer 2001 unweit ihrer Kasseler Zentrale in einem umgebauten Bürogebäude das Kinderhaus „Kiwi". Dort betreuen zwölf Pädagoginnen mehr als 70 Kinder im Alter von sechs Monaten bis zwölf Jahren - das ganze Jahr, von sieben bis 18 Uhr. Die Kosten teilen sich das Unternehmen, die Eltern und das Land Hessen.

Nutzen können das Angebot Eltern, von denen wenigstens einer bei Wintershall arbeitet. „Wir wollen mit Kiwi den frühen Wiedereinstieg ins Berufsleben erleichtern. Seit wir die Betreuung anbieten, kehren deutlich mehr Mitarbeiterinnen nach der Elternzeit auf Vollzeitstellen zurück“, sagt Anika Engelmann, die das Projekt seit vier Jahren betreut.

Während die durchschnittliche Elternzeit der Wintershall-Mitarbeiter 1999 noch 33 Monate dauerte, sei sie 2004 auf 18 Monate gesunken. Zudem arbeitet laut Engelmann mittlerweile mehr als die Hälfte der Mütter dank Kiwi während der Elternzeit wieder Teilzeit. Und immer mehr Mitarbeiterinnen kehrten nach der Pause auf eine Vollzeitstelle zurück. 1999 dagegen hatten nahezu alle Mütter nach der Elternzeit nur noch Teilzeit gearbeitet.

Die Argumente der Firmen für eine familienorientierte Personalpolitik ähneln sich: Neben der positiven Wahrnehmung in der Öffentlichkeit werben sie so vor allem um die raren Führungskräfte.

Wintershall ist einer der Teilnehmer des Unternehmenswettbewerbs der Bundesregierung „Erfolgsfaktor Familie 2005". Die einfache Botschaft der Ministerin lautet: Familienfreundliche Firmenpolitik bringt Gewinn. Vorgerechnet hat das 2003 das Prognos-Institut. Für ein Musterunternehmen mit 1 500 Mitarbeitern betrage das Sparpotenzial mehrere 100 000 Euro. Die Rendite von Investitionen in familienfreundliche Personalmaßnahmen liege bei 25 Prozent. Die Vorteile: Einarbeitungskosten kann eine Firma sparen, wenn sie Müttern so flexible Arbeitszeiten bietet, dass sie wenige Wochen nach der Geburt wieder arbeiten können. Fehlzeiten werden gesenkt, wenn Eltern beim Ausfall des Babysitters ein Notfallbetreuer vermittelt wird.

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