Einigung bei Tarifverhandlungen
Stahl-Streik abgewendet

Die 85 000 Stahlkocher in Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Bremen bekommen ab September 3,5 % mehr Lohn und für die Monate bis dahin eine Einmalzahlung von 500 Euro. Lehrlinge bekommen 100 Euro

HB SPROCKHÖVEL. Das sieht ein neuer Tarifvertrag mit einer Laufzeit von 12 Monaten vor, auf den sich die Arbeitgeber und die IG Metall in der Nacht bei Verhandlungen im westfälischen Sprokhövel geeinigt haben. Damit ist ein Streik in der westdeutschen Stahlindustrie vom Tisch.

Angesichts der Einigung im Tarifstreit dürfte die Gewerkschaft die angekündigte Urabstimmung der gewerkschaftlich organisierten Stahlwerker absagen. Zuvor muss die Tarifkommission aber entscheiden, ob sie das Verhandlungsergebnis akzeptiert. Auch die Arbeitgebergremien müssen zustimmen. Allerdings sagte der Verhandlungsführer des Arbeitgeberverbandes Stahl, Helmut Koch, er könne sich nicht vorstellen, "dass das Ganze noch mal wackeln wird."

"Wir sind sehr zufrieden mit den 3,5 Prozent, das ist ein fairer Kompromiss", sagte der Verhandlungsführer der IG Metall, Detlef Wetzel. Die Gewerkschaft hatte ursprünglich 6,5 Prozent mehr Geld gefordert und sich dabei auf die gute Ertragslage der Stahlunternehmen berufen.

Die Arbeitgeber hatten aber nur 2,4 Prozent plus einmalig 800 Euro geboten. "Unter dem Druck eines Arbeitskampfes können und wollen wir mit diesem Abschluss leben“, sagte Verhandlungsführer Koch. "Wir haben einen Streik mit erheblichen Folgen für uns und die Volkswirtschaft vermeiden können."

Erst am Dienstagmittag hatte der Gewerkschaftsvorstand in Frankfurt die Urabstimmung genehmigt. Sie sollte vom 13. bis 19. Mai stattfinden. Wenn mindestens 75 % der Stimmberechtigten für den Arbeitskampf gewesen wären, hätte der Streik noch in diesem Monat beginnen können. Es wäre der erste seit 1978 gewesen. Damals hatten die Stahlarbeiter für die Einführung der 35-Stunden-Woche gekämpft. Die IG Metall konnte sie aber erst sechs Jahre später durchsetzen.

Die Stahltarifverhandlungen im Osten waren ebenfalls gescheitert. Allerdings hat die Gewerkschaft dort noch keine Urabstimmung beantragt.

Die deutschen Stahlwerke sind angesichts des weltweiten Stahlbooms derzeit noch voll ausgelastet. Durch den zunehmenden Lageraufbau der Kunden und gestiegene Stahlimporte in die EU sind die Preise jüngst aber leicht unter Druck geraten. Führende Stahlhersteller wie ThyssenKrupp oder Salzgitter haben daher mit Produktionskürzungen reagiert. Ein Ende des Stahlbooms ist nach Einschätzung des deutschen Stahlverbands aber nicht in Sicht. Allenfalls wird eine Abschwächung auf hohem Niveau erwartet.

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