Einigung der Tarifparteien im Südwesten
IG Metall akzeptiert Ausbau befristeter Jobs

Metallunternehmen in Baden-Württemberg können Arbeitnehmer künftig für bis zu vier Jahre mit befristeten Arbeitsverträgen beschäftigen - doppelt so lange wie dies laut Gesetz im Regelfall erlaubt ist.

BERLIN. Die Basis dafür liefert ein umfangreiches Tarifpaket zur Bewältigung der Wirtschaftskrise, das IG Metall und Arbeitgeberverband Südwestmetall gestern verabredet haben. Das Paket beinhaltet auch neue Optionen, die Kurzarbeit erleichtern sollen. Besonders die Tarifvereinbarung über befristete Arbeitsverhältnisse könnte bundesweite Signalwirkung entfalten.

Hintergrund ist, dass im Zuge der Krise vielen Arbeitnehmern mit befristetem Arbeitsvertrag selbst dann Jobverlust droht, wenn das Unternehmen ihre Stellen eigentlich gar nicht streichen will. Da Befristungen aber im Regelfall nur für maximal zwei Jahre erlaubt sind, darf der betroffene Arbeitnehmer anschließend nur noch per unbefristetem Arbeitsvertrag weiter beschäftigt werden - doch vor diesem Schritt schrecken gerade jetzt sehr viele Firmen zurück.

Allerdings kann laut Teilzeit- und Befristungsgesetz die reguläre Zwei-Jahres-Grenze durch einen Tarifvertrag aufgehoben werden, wie er in Baden-Württemberg nun vereinbart ist. Damit können Betroffene auch durch einen erneuten befristeten Arbeitsvertrag länger im Unternehmen gehalten werden. Insgesamt gehen Tarifexperten von bundesweit 140 000 befristeten Stellen in der Metall- und Elektroindustrie aus. Wie vielen Metallern die - zunächst bis 2010 begrenzte - Tarifregelung helfen kann, ist statistisch nicht genau erfasst. Sie ist aber schon deshalb markant, weil es sich um die erste in einem Metall-Flächentarif handelt. Dagegen erlaubt etwa der Chemie-Tarif schon seit 2005 Befristungen von bis zu 48 Monaten.

Daneben einigten sich die Metall-Tarifparteien im Südwesten darauf, eine regionale Sonderregelung zum Kurzarbeitergeld zu lockern: Anders als im Rest der Republik haben Metaller dort laut Flächentarif den Anspruch, dass der Betrieb das Kurzarbeitergeld der Arbeitsagentur zusätzlich aufstockt - von in der Regel 67 Prozent des Nettolohns auf teils mehr als 90 Prozent. Den Arbeitgebern war dies stets ein Dorn im Auge, da es die Kurzarbeit für viele Firmen zu teuer mache. Zwar wird die Aufstockung mit dem neuen Tarifpakt nicht gekappt. Doch sind nun verschiedene Optionen vorgesehen, wonach als Gegenfinanzierung Urlaubs- und Weihnachtsgeld umgeschichtet wird.

Südwestmetall-Chef Jan Stefan Roell lobte das Paket als Beitrag zu einer teilweise "deutlichen Kostenentlastung". Die "Beschäftigungsbrücke Kurzarbeit" lasse sich damit "für eine längere Zeit begehbar halten". IG-Metall-Bezirkschef Jörg Hofmann wertete als Erfolg, dass Südwestmetall keine Streichung des Kurzarbeitergeld-Zuschusses durchgesetzt habe.

Dietrich Creutzburg
Dietrich Creutzburg
Handelsblatt / Korrespondent
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