Einkommen in Deutschland
Arm bleibt arm, Reiche werden noch reicher

Die Schere zwischen arm und reich wird immer größer, die soziale Spaltung verfestigt sich. Noch nie war sie so tiefgreifend wie heute. Forscher raten zu mehr Anstrengungen, den Aufstieg durch Bildung möglich zu machen.
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BerlinWer arm ist, bleibt immer häufiger dauerhaft arm: Das ist das Ergebnis einer aktuellen Studie, die die gewerkschaftsnahe Hans-Böckler-Stiftung am Montag veröffentlichte. Die Ungleichheit der Einkommen hat demnach ein neues Höchstmaß angenommen: Innerhalb von fünf Jahren schafften es deutlich weniger Menschen, aus ihrer Schicht herauszukommen, als noch in den 1990er Jahren.

Für den neuen Verteilungsbericht hat das Wissenschaftliche Institut der Stiftung unter anderem Daten aus dem sozio-ökonomischen Panel verwendet, das 10.000 Haushalte jährlich befragt. Institutsdirektorin Anke Hassel zufolge steigt die Ungleichheit in langsamen Schritten, und das selbst bei guter wirtschaftlicher Gesamtlage. Deshalb sei es höchste Zeit, politisch durch mehr Weiterbildung und Beratungsangebote gegenzusteuern.

Der Bericht teilt die Einkommen der Haushalte je nach Höhe in Schichten. Wer weniger als 60 Prozent des Medians in Höhe von knapp 19.600 Euro pro Jahr verdient, gilt als arm. Der Median ist der mittlere Wert in einer Reihe bestimmter Werte. Das entspricht derzeit weniger als 11.700 Euro. Wer mehr als das doppelte des Medians verdient, gilt als reich.

Veränderten sich die Einkommen der Haushalte im Westen schon längere Zeit relativ wenig, hat sich auch in Ostdeutschland die sogenannte soziale Mobilität der Studie zufolge mittlerweile deutlich verringert. Das schlägt sich der Hans-Böckler-Stiftung zufolge auch auf die Zukunftschancen der Kinder durch: In kaum einem anderen Land hing der Bildungserfolg so sehr von der Herkunft der Eltern ab wie hierzulande.

Die Hälfte der Menschen, die 2009 schon als arm galten, waren auch 2013 noch arm. Zwischen 1991 und 1995 traf das nur auf 42 Prozent der Armen zu. „Je länger eine Armutssituation andauert, desto stärker schlägt sie auf den Alltag durch“, erklärte die Studienautorin Dorothee Spannagel.

Auch für Angehörige der unteren Mittelschicht seien die Aufstiegschancen gesunken, während ihr Risiko, in Armut abzurutschen, etwas gewachsen sei - ungeachtet der guten Konjunktur, der gestiegenen Reallöhne und der Rekordbeschäftigung. „Die Situation dieser beiden Gruppen macht deutlich, dass in unserem Land wesentliche Teile der Bevölkerung damit konfrontiert sind, dauerhaft abgehängt zu werden“, erklärte Spannagel.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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  • Was bedeutet "Arm"?

    Wer jeden Tag genügend Nahrung hat, wer sich warm kleiden kann, wer gegen die Unbill des Wetters eine schützende Unterkunft hat, wer im Frieden leben kann, ist der wirklich "Arm"?

    Wer natürlich dennoch neidisch auf die schielt, die durch Fleiß und Bildung mehr haben, wird immer unzufrieden sein.

    "Ein Wunsch, wenn er geboren, kriegt augenblicklich Junge", postulierte schon unser großer Philosoph, Wilhelm Busch.

    Wer das alles nüchtern betrachtet und die Geschichte kennt, weiß, eine Kluft zwischen "Arm und Reich" gibt es seit Menschengedenken und wird es immer geben, solange es Menschen gibt. Das resultiert bereits aus dem Phlegma jedes einzelnen Individuums.

  • Armut in Deutschland? Eine reine Definitionssache! "Armut" gibt es in Deutschland nicht! Die sozialen Leistungen in Deutschland sind so gut, dass der größte Teil der Weltbevölkerung selbst mit mehr als einem Job nicht an unser Hartz-IV-Niveau heranreicht. Allein die kostenlose Krankenversorgung ist weltweit einmalig.

    Es gibt in Deutschland keine Armut! Jeder hat zu essen, trinken, eine Wohnung, Heizung, fließendes Wasser, ärztliche Versorgung, Radio, Fernsehen, Internet, Recht auf Taschengeld und vieles mehr. Wo ist hier Armut? In welchem Land dieser Erde geht es sozial Schwachen besser als bei uns? Mal den Globus anschauen. Deutschland suchen und mit anderen Ländern vergleichen!

    Sozialisten suchen immer zwanghaft Gründe für neue Steuern und Abgaben, um an das erarbeitete Geld von anderen Leuten zu kommen, um trotz Ihrer eigenen Unfähigkeit von dem erarbeiteten Wohlstand zu profitieren!

  • @Lothar Thürmer
    Die Diskussion von arm und reich in Deutschland ist eine Farce im Vergleich zur Betrachtung von arm und reich auf der Welt. Im Sudan, zum Beispiel, beträgt ein Monatseinkommen ca. 150 Euro. Der soziale Sprengstoff kommt deshalb m.E. aus diesem Ungleichverhältnis verbunden mit einer extrem stark zunehmenden Bevölkerungszahl in diesen Ländern. Der Drang nach Wohlstand und der Drang nach Europa wird deshalb exponential zunehmen. Wirtschaftsflüchtlinge erhalten ca. 350 Euro im Monat in Deutschland geschenkt, also mehr als das doppelte, was Sie durch harte Arbeit in ihrem Herkunftsland monatlich verdienen können. Der Verteilungskampf wird deshalb auf einer ganz anderen Ebene stattfinden. Nicht bei der eigenen Bevölkerung in Deutschland, sondern durch Druck von Menschenmassen von außen. Der Erfolg der AFD liegt deshalb nicht in Schüren von Abstiegsängsten, sondern in dem unpopulären Aufzeigen von Schutzmaßnahmen, die zur Sicherung unseres Wohlstandes notwendig sind, aber von den Altparteien nicht angesprochen werden wollen.

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