Einkommensteuer
Spitzenverdiener füllen die Staatskasse

Der Staat holt sich den Großteil seiner Einnahmen aus der Einkommensteuer der Spitzenverdiener. Führende Wirtschaftsforscher meinen: Eine stärkere Belastung höherer Einkommen ist deshalb unnötig.

HB BERLIN. Die Hälfte des gesamten Aufkommens des Jahres 2004 zahlten die 8,2 Prozent der Steuerpflichtigen mit dem höchsten Einkommen. Die Hälfte des gesamten Aufkommens des Jahres 2004 zahlten die 8,2 Prozent der Steuerpflichtigen mit dem höchsten Einkommen, wie das Statistische Bundesamt heute mitteilte. Diese kamen auf Einkünfte von mindestens 66 200 Euro.

Auf das obere Viertel - wozu Einkünfte ab 37 000 Euro gehören - entfielen 79,6 Prozent der Einnahmen. Die untere Hälfte der Steuerpflichtigen mit Verdiensten bis 23 000 Euro zahlte 4,2 Prozent der Lohn- und Einkommenssteuer. Diese Steuerart brachte dem Fiskus insgesamt 180,8 Milliarden Euro ein.

Das Bundesamt gibt alle drei Jahre nach Abschluss der zeitaufwendigen Veranlagungsarbeiten in den Finanzämtern eine Einkommenssteuerstatistik heraus. Zuletzt war dies 2001 geschehen.

Für das arbeitgebernahe Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW) belegt die Statistik, dass die Umverteilung von oben nach unten funktioniert. "Von einer sozialen Schieflage kann keine Rede sein", sagte IW-Experte Winfried Fuest. "Aufgrund der Progression werden Einkommen zu einem erheblichen Teil umverteilt." Eine stärkere Belastung höherer Einkommen sei deshalb unnötig, die Reichensteuer überflüssig. "Denn die Reichen werden schon überproportional belastet", sagt Fuest. Notwendig sei eine Entlastung unterer und mittlerer Einkommen.

Für das gewerkschaftsnahe Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) gibt die Statistik nicht das ganze Bild wieder. "Die Möglichkeit, Steuern legal und illegal zu umgehen, steigt mit dem Einkommen", sagte IMK-Experte Achim Truger zu Reuters. Bei indirekten Steuern - von der Mehrwert- bis zur Tabaksteuer - gebe es zudem keine Progression, die eine stärkere Belastung höherer Einkommen sicherstelle. Auch würden Spitzenverdiener bei Kranken- und anderen Sozialversicherungen de facto geringer belastet, weil die über den Beitragsbemessungsgrenzen liegenden Einkommen abgabenfrei seien.

Als steuerpflichtig erfasst wurden rund 35 Millionen Bürger, wobei zusammen veranlagte Ehegatten mitgezählt wurden. Sie erzielten Einkünfte in Höhe von 1,1 Billionen Euro. Das ist ein Plus von neun Prozent im Vergleich zu 2001. Der deutliche Zuwachs geht den Statistikern zufolge allein darauf zurück, dass mit Einführung der elektronischen Lohnsteuerbescheinigungen erstmals Bezieher relativ niedriger Einkommen weitgehend vollständig erfasst wurden. Das durchschnittliche Einkommen vor Steuern sank aus diesem Grund um 10,3 Prozent auf 30 100 Euro. Der durchschnittliche Steuersatz ging von 21,6 auf 20,3 Prozent zurück. "Hauptgrund dafür ist die Senkung des Spitzensteuersatzes", sagte ein Statistiker. Er lag 2001 bei 48,5 Prozent und ging 2004 auf 45 Prozent zurück.

Unter den Spitzenverdienern waren 9688 Euro-Millionäre mit Durchschnittseinkünften von 2,7 Millionen Euro. Sie stellten 0,03 Prozent aller Steuerpflichtigen und zahlten im Schnitt 968 000 Euro Einkommensteuer. 10,1 Millionen oder 28,8 Prozent der Steuerpflichtigen erzielte Gesamteinkünfte von maximal 10 000 Euro. Diese blieben größtenteils steuerfrei.

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