Einnahmeausfälle
Ministerium: Fachkräftemangel kostet mehr als 20 Milliarden Euro

Der Mangel an Fachkräften verursacht derzeit in deutschen Unternehmen nach einer Studie des Wirtschaftsministeriums Milliardenverluste. Allein für 2007 werden die Einnahmeausfälle mit mehr als 20 Mrd. Euro beziffert. Mit Blick auf die Kabinettsklausur in Meseburg debattierten die die Koalitionspartner mögliche Erleichterungen bei der Zuwanderung.

HB BERLIN. Unterdessen nannte SPD-Chef Kurt Beck am Montag Bedingungen für die vom CDU/CSU-Koalitionspartner geforderten Erleichterungen bei der Zuwanderung von Fachkräften aus Nicht-EU-Staaten und aus Osteuropa. Zunächst müsse der anwerbende Betrieb nachweisen, dass er selbst optimal ausbildet. Wenn dann immer noch Fachkräfte fehlten, könne über Zuwanderung geredet werden, sagte Beck nach einer SPD-Präsidiumssitzung in Berlin.

Nach Angaben von Regierungssprecher Ulrich Wilhelm wollen sich die Koalitionspartner bei ihrer Kabinettsklausur in Meseberg im Rahmen der „Nationalen Qualifizierungsoffensive“ auch über die Zuwanderung verständigen. Bisher können fehlende Fachkräfte nur dann in Nicht-EU- Staaten angeworben werden, wenn ihr Jahreseinkommen über 85 000 Euro liegt. Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) möchte diese Grenze auf 40 000 bis 60 000 Euro absenken. Arbeitsminister Franz Müntefering (SPD) und auch die Gewerkschaften fürchten dagegen bei einer niedrigen Grenze Verdrängungswettbewerbe für deutsche Arbeitnehmer und verlangen zudem mehr Weiterbildung.

Dass unter Schavans Federführung unter dem Titel „Nationale Qualifizierungsoffensive“ vorbereitete Konzept setzt neben der umstrittenen Zuwanderung auf eine deutliche Steigerung der Studenten- und Hochschulabsolventen-Zahlen in Deutschland, um künftig dem Mangel an Ingenieuren, Informatikern und Naturwissenschaftlern zu begegnen. Dieser drohe ansonsten zu einer Wachstumsbremse für die Wirtschaft zu werden, heißt es in dem der dpa bekannt gewordenen Beschlussentwurf. Auch sollen sich die Universitäten für qualifizierte Berufstätige ohne klassisches Abitur öffnen. Darüber soll Schavan jetzt mit den Ländern verhandeln.

Nach der von Wirtschaftsminister Michael Glos (CSU) in Auftrag gegebenen Studie verursacht der Fachkräftemangel in Deutschland einen „Wertschöpfungsverlust“ von bis zu einem Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Ein Sprecher des Ministeriums bestätigte einen entsprechenden Bericht der „Süddeutschen Zeitung“ (Montag). Es handele sich dabei um „erste Ergebnisse“.

Nach Aussage der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) war der Fachkräftemangel in Deutschland seit Jahren absehbar. „Er ist die Quittung dafür, dass Bildungspolitik immer nur nach Kassenlage gemacht wird“, sagte die GEW-Vizevorsitzende Marianne Demmer der dpa. Vor wenigen Jahren sei jungen Menschen noch vom Ingenieurstudium abgeraten worden, heute würden dringend Absolventen gesucht.

Wenn Deutschland seinen internationalen Rückstand bei Abiturienten- und Studentenzahlen aufholen wolle, sei ein beherzteres Vorgehen von Bund und Ländern erforderlich. Auch lasse sich ohne eine Reform der Schulstruktur kaum wie angestrebt die Zahl der jungen Menschen ohne Hauptschulabschluss bis 2010 halbieren. Demmer: „Seit Jahren steht die gymnasiale Mathematik und die Naturwissenschaft als unpraktisch, zu wenig problemorientiert und als zu mädchenfeindlich in der Kritik. Und seit Jahren geschieht in der Lehreraus- und Fortbildung nichts Durchgreifendes.“

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%