Einsatz von Elite-Soldaten
CDU will Anti-Piraten-Kampf drastisch verschärfen

Das Piratenproblem verschärft sich zunehmend. Allein im ersten Halbjahr 2011 sind die Angriffe weltweit um 36 Prozent gestiegen. Die CDU warnt vor einer „Eskalationsspirale“ und fordert drastische Konsequenzen.
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DüsseldorfAngesichts des drastischen Anstiegs von Piraten-Überfällen auf Frachtschiffe fordert die CDU ein zwischen Bund und Ländern abgestimmtes Konzept der Pirateriebekämpfung. Der Bundesfachausschuss Innenpolitik der Partei hat dazu sogenannte „Kernbausteine“ beschlossen. In dem Papier, das dem Handelsblatt vorliegt, sprechen sich die Experten, darunter der Vorsitzende des Ausschusses, Niedersachsens Innenminister Uwe Schünemann, dafür aus, künftig an Bord besonders gefährdeter deutscher Schiffe bewaffnete „Schutzteams“ der Deutschen Marine sowie private Sicherheitsdienste einzusetzen. Die CDU-Politiker plädieren zudem für Geiselbefreiungen unter Mitwirkung von Eliteeinheiten der Bundeswehr (Kommando Spezialkräfte; KSK) und der Bundespolizei (GSG-9). Der Bundesfachausschuss hält auch dringendes Handeln für geboten, da derzeit nur 350 Marinesoldaten statt der erlaubten 1400 an der Operation Atalanta vor der somalischen Küste beteiligt seien.

Begünstigt werden die CDU-Überlegungen durch neue Zahlen des Internationalen Seefahrtsbüros (IMB). Demnach sind Piraten-Überfälle auf Frachtschiffe in der ersten Jahreshälfte um ein Drittel gestiegen. Zudem gingen die Piraten immer brutaler vor und setzten immer größere Waffen ein, hieß es am Donnerstag in dem IMB-Bericht. Allerdings seien bei Angriffen vor der somalischen Küste am Horn von Afrika und andernorts immer seltener Geiseln genommen worden.

„In den vergangenen sechs Monaten haben somalische Piraten mehr Schiffe angegriffen als jemals zuvor“, erklärte IMB-Direktor Pottengal Mukundan. „Dabei nehmen sie immer höhere Risiken in Kauf.“ So hätten Piraten im Juni erstmals bei stürmischer See während der Monsun-Zeit im Indischen Ozean Schiffe unter Beschuss genommen. In der Vergangenheit hätten sie bei solchem Wetter auf Überfälle verzichtet, ergänzte er. Angriffe auf Öl- und Chemietanker hätten um 36 Prozent zugenommen. Dabei kämen automatische Waffen und Panzerfäuste zum Einsatz. Weltweit seien im ersten Halbjahr 266 Überfälle verzeichnet worden nach knapp 200 im Vorjahreszeitraum.

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Kommentare zu " Einsatz von Elite-Soldaten: CDU will Anti-Piraten-Kampf drastisch verschärfen"

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  • Und da wagt es unsere Kanzlerin, die deutsche Interessen vertreten soll, die Somalies großzügig zu unterstützen!

  • Solange keiner weiss, wo wir die Piraten danach absetzen und "endlagern" koennen, braucht sich niemand darueber Gedanken machen, wie man sie einfaengt.

    Wer gefangene Piraten hinterher einfach laufen laesst, macht sich nur laecherlich.

  • Es muß die Frage erlaubt sein, warum es die Piraterie in dieser verschärften Form gibt.
    Sind es nicht die "Fischerei-Großmächte" die den Einheimischen ihre Lebensgrundlage, nämlich den Fischfang entziehen? Auf keinem Fall will ich damit die Piraterie als Mittel zum Zweck heiligen, aber die Bekämpfung gegen diese muß auch die Wurzeln erreichen.

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