Einschnitte bei der Förderung
Minister Röttgen setzt Solarbranche zu

Geht es nach dem Umweltministerium, fließen schon recht bald deutlich weniger Subventionen in die Sonnenenergie. Bereits in wenigen Tagen will man eine Lösung präsentieren. Damit macht sich Norbert Röttgen in der Branche alles andere als beliebt.
  • 7

DÜSSELDORF/BERLIN. Die Solarbranche wird sich kurzfristig auf deutliche Einschnitte bei der gesetzlichen Förderung einstellen müssen. Nach einem Treffen von Branchenvertretern mit Umweltstaatssekretär Jürgen Becker hieß es gestern aus Teilnehmerkreisen, eine einmalige starke Kürzung der Förderung bereits zur Jahresmitte sei sehr wahrscheinlich. Nach Angaben des Umweltministeriums soll bereits "in den nächsten Tagen" ein konkreter Vorschlag zur Änderung des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) vorliegen.

Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) hatte Ende vergangenen Jahres eine Kürzung der EEG-Vergütung und eine Umgestaltung der Fördermechanismen angekündigt. Die derzeitige Regelung sei zu starr. Sie habe bei Solarstrom zu einer Überförderung geführt. Der Grund dafür liegt im Preisverfall für Solaranlagen. Nach Verbandsangaben haben sich Solaranlagen allein 2009 um 26 Prozent verbilligt. Da die Vergütung für den ins Netz eingespeisten Solarstrom jedoch stabil blieb, erzielen die Investoren Renditen im zweistelligen Bereich.

Das EEG sieht für neue Solaranlagen eine Vergütung vor, die - abhängig vom Anlagentyp - bis zu 39 Cent je Kilowattstunde betragen kann. Die Höhe der Vergütung wird den Anlagenbetreibern für 20 Jahre garantiert. Zum Vergleich: An der Leipziger Strombörse EEX war eine Kilowattstunde gestern für deutlich weniger als sechs Cent zu haben. Die Differenz zwischen Marktpreis und EEG-Vergütung wird auf die Stromverbraucher umgelegt. Die Zusatzbelastung für die Verbraucher beläuft sich jährlich auf mehrere Milliarden Euro.

Das Umweltministerium betonte, man habe sich bei den gestrigen Gesprächen noch nicht festgelegt. Es sei lediglich darum gegangen, die Position der Branche zu hören. Zusätzlich war der Bundesverband der Verbraucherzentralen in die Gespräche eingebunden. Die Zusammenstellung der Runde hatte für Unmut gesorgt. In Wirtschaftskreisen hieß es, auch die Interessen großer Stromverbraucher aus der Industrie müssten berücksichtigt werden. Sie seien aber nicht eingeladen worden.

Ein Sprecher von Schott Solar warnte im Gespräch mit dem Handelsblatt davor, bei der Kürzung der Subventionen "das Kind mit dem Bade auszuschütten". Die Bundesregierung müsse zur Kenntnis nehmen, dass die Solarbranche derzeit rund 50 Prozent ihrer Wertschöpfung in Deutschland erziele. Das sei deutlich mehr als etwa die Autobranche. Aber er machte auch klar, dass die Solarbranche bereit sei, der Bundesregierung entgegenzukommen.

Seite 1:

Minister Röttgen setzt Solarbranche zu

Seite 2:

Kommentare zu " Einschnitte bei der Förderung: Minister Röttgen setzt Solarbranche zu"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Meiner Meinung nach ist die Senkung der Vergütung nicht zu bevormunden. Schon allein das der Umweltminister sich für die Senkung einsetzt finde ich enorm krotesk, schließlich ist es ja seine Aufgabe die Umwelt zu schützen und zu Entlasten...

    Andereseits verstehe ich das vielleicht manche Mitbürger es "unfair" finden das sie die Solar und Photovoltaik Förderung mitzahlen.

    bis zur Senkund der Vergütung wird es höchst wahrscheinlich nochmal einen Andrang für Schüko, Clear Energy Group usw. geben.
    besorgend finde ich nur die zeit nach der Senkung...

    Anne (15, Azubi)

  • Geht es denn immer nur um das Geld? Kein Mensch interessiert sich dafür ob die Einspeisung bisher wirtschaftlich und sinnvoll durch das EEG gesteuert wurde. Hier die Antwort aus der Praxis von Menschen, die wissen wie Netze sicher, verlustarm und effizient betrieben werden: NEiN, diese Art der Überförderung sorgt für die abartigsten Netzkonstellationen auf Kosten der Allgemeinheit und zugunsten der Anlagenbetreiber. Wir begrüßen die Absenkung dieser unangemessenen Förderung. Ein Netzbetreiber (nicht zu verwechseln mit Stromanbietern !).

  • Der EEX-bezugspreis als bezugsgröße ist mit Vorsicht zu genießen da hier keinerlei externen Kosten (beseitigung von Umweltschäden, Risikoabsicherung der Atomenergie) etc. enthalten sind. Würden diese angemessen berücksichtigt sind die Preisunterschiede zwischen EEX und erneuerbaren Energien marginal.
    Was die Förderung von Solarstrom angeht: Volkswirtschaftlich ist diese Hauruck-Aktion der Regierung doch der größte blödsinn.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%