Einschnitte erfolgen nicht freiwillig
Verwaltungsausgaben der Kassen auf Rekordhoch

Trotz der Sparappelle des Gesetzgebers haben die Verwaltungskosten der gesetzlichen Krankenkassen (GKV) vergangenes Jahr mit 8,02 Mrd. Euro einen neuen Rekord erreicht. Dies geht aus der aktuellen Jahresstatistik des Bundesgesundheitsministeriums hervor, die dem Handelsblatt vorliegt.

BERLIN. Während 1991 pro Kassenmitglied nur 94 Euro für Verwaltungsaufwand ausgegeben wurden, waren es im vergangenen Jahr 157 Euro. Auch im ersten Quartal dieses Jahres lagen die Nettoverwaltungskosten mit 1,8 Mrd. Euro höher als im Vergleichszeitraum des Vorjahres (1,7 Mrd. Euro).

Trotzdem hoffen die Kassen, einen weiteren Anstieg im Gesamtjahr 2004 zu vermeiden. Um dieses Ziel zu erreichen, haben viele Kassen bereits Kürzungen bei den Tarifeinkommen oder Arbeitszeitverlängerungen ohne Lohnausgleich vereinbart. Die Einschnitte erfolgen nicht freiwillig. Sozialministerin Ulla Schmidt (SPD) hat den Kassen für dieses Jahr eine Nullrunde verordnet. Ab 2004 sollen die Verwaltungsausgaben je Mitglied nur noch so stark wie die Einnahmen steigen.

Vor allem bei den großen Kassen werde mit dem Geld zu verschwenderisch umgegangen, moniert Florian Lanz vom Bundesverband der Betriebskrankenkassen. Er verweist darauf, dass der Verwaltungsaufwand seiner Kassenart mit 4,33 % Anteil an den Gesamtausgaben deutlich unter dem Durchschnitt von inzwischen rund 5,6 % liegt.

Den Vorwurf des verschwenderischen Einsatzes von Beitragsgeldern für repräsentative Verwaltungsgebäude, kostspielige Filialnetze und überflüssige „Wasserköpfe“ wollen die Kassen gleichwohl nicht auf sich sitzen lassen. Der Gesetzgeber habe sich immer neue Aufgaben für die Kassen ausgedacht und sei daher für den Anstieg mitverantwortlich, halten sie dagegen. Außerdem fließe immer mehr Geld in Leistungen des Gesundheitsmanagements. „Wenn wir zusätzliches Personal für Behandlungsprogramme für chronisch Kranke oder die Kontrolle von Arztrechnungen einsetzen, treibt das zwar die Verwaltungskosten hoch. Unter dem Strich wird es aber billiger, weil die Leistungsausgaben sinken“, rechtfertigt AOK-Sprecher Udo Barske den Kostenanstieg.

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