Einstiegsqualifizierungen als Normalfall
Lehrstellenlücke wird größer als im Vorjahr

Kurz vor dem Beginn des Ausbildungsjahres rechnet die Bundesregierung damit, dass zum Stichtag 30. September 43 000 Lehrstellenbewerber leer ausgehen – das wären 3000 mehr als im vergangenen Jahr. Das geht aus einem Bericht des Finanzministeriums an den Haushaltsausschuss des Bundestages hervor, der dem Handelsblatt vorliegt.

BERLIN. Um dem etwas entgegenzusetzen, hat das Kabinett am Mittwoch das Eingliederungsprogramm für Jugendliche bis 25 Jahre aufgestockt: Statt bisher 25 000 Plätze finanziert der Bund künftig 40 000 Praktika jährlich. Diese „Einstiegsqualifizierungen“ sollen Jugendlichen, die schlechte oder gar keine Schulabschlüsse haben, die Tür in die Unternehmen öffnen und ihnen die Chance zur Bewährung bieten. Das Programm kostet von 2006 bis 2008 insgesamt 262 Mill. Euro. Pro Lehrling übernimmt der Bund rund 200 Euro Entgelt und 100 Euro Sozialabgaben.

Diese 2004 im Rahmen des Ausbildungspaktes eingeführte Vorstufe zur regulären Lehrstelle, wird immer mehr zum Normalfall: Nach einer Umfrage des Instituts der Deutschen Wirtschaft gehört sie bereits im 3. Jahr für 15 Prozent der Unternehmen zum „Standardangebot“.

So wie bei DaimlerChrysler: Der Autokonzern stellt dieses Jahr neben 2600 regulären Azubis auch 100 Praktikanten ein. Sie werden zum Beispiel in den Bereichen Lagerlogistik, Herstellung von Metallbauteilen oder der Verlegung von Kabeln geschult. Wenn sie sich bewähren, kann die Praktikumszeit auf eine anschließende Lehre angerechnet werden. Mangels Nachfrage hat DaimlerChrysler sein Angebot jedoch bereits reduziert: 2004 hatte der Autobauer zunächst sogar 500 dieser Plätze angeboten, konnte aber nur 150 besetzen. 2005 wurden dann von 250 Plätzen 100 besetzt – in der Regel mit Hauptschülern. In eine Ausbildung übernommen wurde am Ende nur jeder dritte. Grund ist, dass die Praktikanten „am Ende mit den neuen regulären Bewerbern um die Lehrstellen konkurrieren, und diese eben teilweise besser sind“, sagte eine Sprecherin dem Handelsblatt.

Auch insgesamt wurden bislang deutlich mehr Plätze angeboten als besetzt: 2005 stellten die Unternehmen 42 000 Praktika zur Verfügung, von denen knapp 20 000 besetzt wurden. Die Übernahmequote ist im allgemeinen deutlich höher als beim High-tech-Konzern DaimlerChryslter: nach Angaben des DIHK wurde nach einer Umfrage bei den Kammern im laufenden Jahr gut die Hälfte übernommen. Dabei wurde jedoch ein Teil nicht erfasst. Nach den Daten der Begleitforschung des Programms, die die Jugendlichen selbst befragt, begannen im vergangenen Jahr gut 60 Prozent der Praktikanten anschließend eine betriebliche Ausbildung.

Barbara Gillmann ist Korrespondentin in Berlin.
Barbara Gillmann
Handelsblatt / Korrespondentin
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