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16.05.2008 
Mehr Ausbildungsplätze gefordert

Einwanderer bilden zu wenig aus

von Thomas Sigmund

Die Bundesregierung macht Druck auf die aus dem Ausland stammenden Firmenbesitzer mehr Ausbildungsplätze anzubieten. Hintergrund ist unter anderem die dramatisch hohe Zahl von Jugendlichen mit Migrationshintergrund, die keine Ausbildung absolvieren.

BERLIN. Hartmut Schauerte (CDU), Mittelstandsbeauftragter der Bundesregierung, fordert die rund 570 000 meist Kleinunternehmer in Deutschland auf, mehr Ausbildungsplätze als bisher anzubieten. Im Vergleich zu deutschen Unternehmern bildeten etwa türkische, italienische, griechische und russische deutlich weniger junge Menschen aus, sagte Schauerte am Donnerstag in Berlin.

Hintergrund der Äußerungen Schauertes sind die desaströsen Zahlen nicht nur bei den Bildungsabschlüssen, sondern auch bei den Berufsausbildungen. Jeder fünfte Jugendliche aus einer Zuwandererfamilie beendet die Schule ohne Abschluss. Wie aus dem letzten Ausländerbericht der Bundesregierung hervorgeht, ändert sich in der Ausbildung fast nichts an diesem Trend. 57 Prozent der deutschen Jugendlichen absolvieren eine Berufsausbildung. Bei ausländischen Jugendlichen liegt die Quote bei gerademal 23 Prozent – Tendenz sinkend. Noch erschreckender: 40 Prozent der Jugendlichen fangen überhaupt keine Lehre mehr an; der größte Teil von ihnen stammt aus der Türkei mit fast ausschließlich muslimischem Hintergrund.

Der Appell Schauertes an die Unternehmer fällt deshalb deutlich aus: „Ausbildung ist für Unternehmer mit Migrationshintergrund ein wichtiger Beitrag zur Integration und zeigt die Übernahme sozialer wie gesellschaftlicher Verantwortung“. Integrationsstudien belegen seit langem, dass Jugendliche aus Ausländerfamilien nach der Schule deutlich schlechtere Jobchancen haben als ihre einheimischen Klassenkameraden.

Als Begründung für diese fatale Entwicklung gelten oft Sprachdefizite. Doch die Ursachen liegen tiefer. Die Wirtschaftsverbände machen seit längerem darauf aufmerksam, dass es sehr viele Existenzgründungen durch Ausländer gebe. Doch während der eine Unternehmer an der Ecke seinen Laden eröffne, schließe ein anderer ein paar Meter weiter sein Kleinstunternehmen. Eine Ursache: Viele hätten nicht die gleiche Qualifikation wie ihre deutschen Mitbewerber.

Laut Schauerte liegt die Ausbildungsquote bei deutschen Betrieben im Schnitt bei 25 Prozent. Firmen mit türkischstämmigen Inhabern kommen auf 19 Prozent, Russen auf 15, Italiener auf neun und Griechen auf sechs Prozent. Die Unternehmen sind vor allem im Gastronomie- und Dienstleistungsbereich aktiv.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Trotz vergleichbarer Noten: Ausländische Jugendliche erhalten wesentlich schlechter eine Lehrstelle als ihre deutschen Mitschüler

Die deutschen Wirtschaftsverbände sind seit längerem mit den ausländischen Firmenbesitzern über deren oftmals schwache berufliche Qualifikation im Gespräch, die eine Ausbildung von Jugendlichen gar nicht zulässt. Viele Firmenbesitzer aus der Gastronomie oder dem Friseurhandwerk stellt das zweigleisige deutschen Ausbildungssystem aus Berufsschule und Praxis vor scheinbar unüberwindbare Hürden.

Integrationsexperten empfehlen deshalb stärker als bisher die Ausbildungsberatung über die Industrie- und Handelskammern für kleine Unternehmen zu intensivieren.

Es gibt viele Vorschläge: Die Kammern sollten den Firmen muttersprachliche oder zweisprachige Informationsmaterialien an die Hand geben. Außerdem bräuchten vor allem die kleinen Unternehmer Hilfe bei der anfallenden Bürokratie während der Ausbildung. Im Gespräch sind kommunale Ausbildungszentren, in denen alle nötigen Dienstleistungen gebündelt werden können.

Ein weiterer Grund für die Ausbildungsmisere ist allerdings, dass Jugendliche mit Migrationshintergrund nicht unbedingt auch in diesen Betrieben arbeiten wollen. Nach einer Studie des Bundesinstituts für Berufsbildung in Bonn kommt zudem noch hinzu, dass Jugendliche mit Migrationshintergrund wesentlich schlechter eine Lehrstelle erhalten als ihre deutschen Mitschüler – trotz vergleichbarer Noten in Mathematik oder Deutsch. Gründe dafür nennt das Institut nicht.

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