Einwanderer sind höher qualifiziert als Einheimische
Kanada zielt auf ausgebildete Kräfte

Kanada ist ein klassisches Einwanderungsland. Im vergangenen Jahr kamen rund 235 000 Menschen ins Land, darunter 32 000 Flüchtlinge. Kaum eine andere Nation nimmt gemessen an ihrer Einwohnerzahl so viele Immigranten auf. "Neuankömmlinge aufzunehmen und unsere Vielfalt zu feiern, ist ein Kernstück unserer Identität und lebensnotwendig für unseren Wohlstand und unser Wachstum", sagt der kanadische Einwanderungsminister Joe Volpe. Derzeit zielt die Politik darauf ab, jährlich 220 000 bis 245 000 neue Bürger zu gewinnen - vor allem ausgebildete Kräfte.

OTTAWA. Unter den Einwanderern stellen die "economic immigrants" die größte Gruppe. Dazu gehören ausgebildete Arbeitskräfte und Investoren. Letztere müssen mindestens 400 000 kanadische Dollar investieren, um ein Bleiberecht zu bekommen. Bis zur Übergabe Hongkongs an China ließen sich auf diese Weise vor allem Chinesen nach Kanada locken.

Rund 60 Prozent der Immigranten sind ausgebildete Arbeitskräfte. Wer sich für die Einwanderung qualifiziert, wird nach einem Punktekatalog entschieden. Früher spielte der Beruf eines Bewerbers eine wichtige Rolle, seit 2002 wird größeres Gewicht auf die Ausbildung gelegt. Dahinter steht die Erfahrung, dass ein Immigrant mit guter Ausbildung besser auf dem Arbeitsmarkt zurechtkommt. Denn auch Vielseitigkeit und die Fähigkeit, gegebenenfalls den Beruf zu wechseln, sind gefragt.

Diese Politik bewirkt, dass die Einwanderer im Schnitt besser qualifiziert sind als die Einheimischen. Nach Angaben des Canadian Labour and Business Centre haben 54 bis 94 Prozent der einwandernden Facharbeiter und Geschäftsinvestoren einen Hochschulabschluss - unter den Kanadiern sind es nur 43 Prozent. Wissenschaftler und Ingenieure stellen unter den Fachkräften den größten Anteil, sehr stark sind zudem Ärzte und Krankenschwestern vertreten.

Kenntnisse und Fähigkeiten der Kandidaten spielen bei der Einwanderung also eine entscheidende Rolle. Doch aus einem Bericht des Public Policy Forum geht hervor, dass vielen Immigranten ihre Qualifikationen später gar nichts mehr nützt. Der Extremfall: Eingewanderte Akademiker verdienen als Taxifahrer ihr Geld. Die Forschungsorganisation "Conference Board of Canada" schätzt, dass in Kanada etwa 340 000 Immigranten leben, die arbeitslos oder nicht entsprechend ihrer Qualifikation beschäftigt sind.

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