Einzelhandel
Bewegung im Tarifkonflikt

In den längsten Tarifkonflikt des deutschen Einzelhandels seit Jahrzehnten kommt nach monatelangem Stillstand Bewegung. Offenbar kann ein Angebot des Rewe-Konzerns als Grundlage für neue Gespräche dienen. Darauf haben sich Arbeitgeber und Gewerkschaft Verdi bereits verständigt. Ein Termin steht ebenfalls schon.

HB DÜSSELDORF. Im Tarifbezirk Nordrhein-Westfalen, den die Arbeitgeber als Pilotbezirk für die Branche mit ihren 2,7 Millionen Beschäftigten betrachten, sind neue Verhandlungen für den kommenden Mittwoch vereinbart. Damit kehren die Tarifparteien nach längerer Unterbrechung erstmals wieder an den Verhandlungstisch zurück.

Die Arbeitgeber signalisierten ihre Bereitschaft, ein neues Angebot vorzulegen. Voraussetzung sei jedoch, dass auch über eine Neuregelung der Spät- und Nachtzuschläge gesprochen werde, sagte der Tarifexperte des Hauptverbandes des Deutschen Einzelhandels (HDE), Heribert Jöris, dem Sender MDR Info. Es gehe nicht darum, sie abzuschaffen, sondern eine sinnvolle Neuregelung zu treffen. „Wir erwarten von den Arbeitgebern ein neues Angebot“, sagte die Verhandlungsführerin von Verdi NRW, Lieselotte Hinz, am Donnerstag in Düsseldorf. Grundlage für die neuen Gespräche sollte nach Ansicht der Gewerkschaft das Angebot von Rewe sein, drei Prozent mehr Geld zu zahlen. Geforderte Abstriche bei den Samstags-Zuschlägen stellten für die Gewerkschaft aber nach wie vor ein Problem dar.

HDE-Geschäftsführer Hubertus Pellengahr sagte im WDR, man werde nochmal auf Verdi zugehen und „ganz dringlich appellieren, diese Lohn- und Tarifrunde endlich zu beenden“. Der Streik sei „überflüssig wie ein Kropf“, sagte Pellengahr. „Aber wir haben es im Weihnachtsgeschäft gemerkt: Man kann den Weihnachtsmann nicht bestreiken, noch viel weniger wird's gelingen, den Osterhasen zu bestreiken.“

Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi hatte mit einer Reihe von Streiks im umsatzstarken Weihnachts- und Ostergeschäft den Druck auf die Arbeitgeber erhöht. Am Donnerstag hatten bundesweit wieder mehrere hundert Angestellte gestreikt. So hatten laut Verdi 250 Beschäftigte der Praktiker-Baumärkte und Schlecker- Drogerien in Südhessen die Arbeit niedergelegt. In Berlin demonstrierten mehrere hundert Angestellte und Gewerkschafter am Vormittag vor einer Filiale der Modekette H & M. In Sachsen-Anhalt streikten etwa 100 Mitarbeiter in Supermärkten mehrerer Städte. Auch für Ostersamstag waren weitere Aktionen in mehreren Bundesländern geplant.

Der Tarifkonflikt im Einzelhandel schwelt bereits seit rund einem Jahr. Die Arbeitgeber hatten im Sommer 2007 Einkommensverbesserungen von 1,7 Prozent bei gleichzeitiger Änderung der Zuschlagsregelung angeboten. Die Spätöffnungszuschläge sollten um zwei Stunden nach hinten verschoben werden. Verdi lehnte das Arbeitgeberangebot als nicht akzeptabel ab. In den vergangenen Wochen hatte die Gewerkschaft Nordrhein-Westfalen mit seinen 420 000 Einzelhandelsbeschäftigten nicht mehr als Pilotbezirk betrachtet, weil eine Einigung hier schwierig erschien. In NRW haben eine Reihe von Handelsunternehmen wie Metro, Karstadt und Tengelmann ihren Sitz.

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