Eisenbahn
„Bahnfahren könnte ein Viertel billiger sein“

Auch 15 Jahre nach der Marktöffnung hat der Wettbewerb auf der Schiene nur ansatzweise Einzug gehalten. Die private Konkurrenz der Deutschen Bahn prangert "unsichtbare Marktzugangshürden" an. Die Privatbahnen fordern vom neuen Bahnchef Rüdiger Grube fairere Zugangsbedingungen.

BERLIN. Gemessen am Umsatz beherrscht die staatseigene Deutsche Bahn (DB) im Personennahverkehr immer noch 90 Prozent des Marktes, im Fernverkehr sind es sogar 99 Prozent. Allein im Güterverkehr musste sie stärker Federn lassen. Dort kommen die privaten Wettbewerber inzwischen auf einen Anteil von 21 Prozent.

"Unsichtbare Marktzugangshürden", die zum großen Teil mit der ungebrochenen Herrschaft der DB AG über das Schienennetz zu tun haben, sind nach einer aktuellen Studie für den "traurigen Befund" verantwortlich. Die Verbände der Privatbahnen und der Kommunen, die Bahnleistungen im Personennahverkehr einkaufen, haben die Untersuchung bei der Strategie- und Managementberatung KCW in Auftrag gegeben, um dem regelmäßig erscheinenden Wettbewerbsbericht der Bahn eine eigene Analyse entgegenzusetzen.

Im Personennahverkehr sei vor allem das Fehlen an Gelegenheiten dafür verantwortlich, dass es kaum Wettbewerb gebe: "416 Millionen der 633 Millionen Bahnkilometer im Nahverkehr sind noch nie ausgeschrieben worden", sagte der Autor der Studie, Michael Holzey. Den dadurch verschenkten Effizienzvorteil schätzt die KCW auf eine Mrd. Euro. "Würde er gehoben, könnte Bahnfahren um ein Viertel billiger sein", so Holzey. Der Bahnkunde hätte nicht nur den Preisvorteil, betonte Bernhard Wefers von der Bundesarbeitsgemeinschaft Schienenpersonennahverkehr, in der die regionalen Verkehrsverbünde organisiert sind: "Auch die Qualität wird gesteigert. Zudem erhalten wir zusätzliche Mittel um mehr Bahnverkehr einzukaufen." Der DB sichere der heutige Zustand "Fabelrenditen" von 19,3 Prozent, die sie nutze, um bei der Neuausschreibung von Strecken mit Kampfpreisen anzutreten. Ein Umstand, der den Bahnverband Mofair veranlasste, mehrere EU-Verfahren wegen verbotener Beihilfen anzustrengen.

Im Güterverkehr leiden die Privatbahnen unter der Ausdünnung des Streckennetzes, das die DB in Erwartung der Teilprivatisierung massiv voran getrieben hat. Zudem werfen die Privaten dem Staatskonzern vor, sein Strommonopol zu missbrauchen.

Vom neuen Bahnchef Rüdiger Grube erwarten die Privatbahnen daher vor allem fairere Zugangsbedingungen zum Netz. Eine Infrastruktur-Gesellschaft müsse wie eine unabhängige Firma geführt werden, die die Privatbahnen als Kunden behandelt, forderte Holzey. Zur Not müsse die Regulierungsbehörde dafür sorgen. Dies setze aber voraus, dass die Politik endlich eine Anreizregulierung für das Streckennetz schaffe, damit die DB nicht länger sämtliche Kosten ungeprüft über Nutzungsentgelte an die Konkurrenz weitergeben könne.

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