Eklat im RAF-Prozess
Bundesanwalt attackiert Buback-Sohn

Im Prozess gegen die frühere RAF-Terroristin Verena Becker um das Buback-Attentat von 1977 ist am Donnerstag die Auseinandersetzung zwischen der Bundesanwaltschaft und dem Nebenkläger Michael Buback eskaliert. Im Mittelpunkt des Disputs geht es um das Motorrad, von dem aus 1977 Generalbundesanwalt Siegfried Buback ermordet worden ist.
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HB STUTTGART. Bundesanwalt Walter Hemberger machte Buback den Vorwurf, schon vor rund anderthalb Jahren einen Hinweis auf den möglichen Verbleib des bei dem Mordanschlag verwendeten Tatmotorrads bekommen, aber nicht an die Ermittler weitergegeben zu haben. Als Buback sein Vorgehen unter anderem mit seinem inzwischen zerrütteten Verhältnis zur Bundesanwaltschaft begründete und betonte, dass seine Hinweise „vielfach abgetan“ worden seien, empörte sich Hemberger lautstark: „Das schlägt dem Fass den Boden aus! Ich habe zu Ihnen keinen Kontakt abgebrochen. Das ist eine Unverschämtheit!“

Buback hatte zuvor auf Nachfrage Hembergers vor dem Oberlandesgericht Stuttgart mitgeteilt, dass er vor einem bis zwei Jahren eine E-Mail bekommen habe, in der jemand ihm „das Motorrad zum Ansehen angeboten“ habe. Er habe diesen Hinweis aber als „Kuriosität“ abgetan und sei ihm nicht weiter nachgegangen.

Hemberger nannte dieses Verhalten Bubacks, der sonst selber den Ermittlern vorwerfe, nicht jedem Hinweis nachgegangen zu sein, „vollkommen unverständlich“. Im Prozess wurden zudem drei zentrale Augenzeugen des Attentats vernommen. Sie blieben jedoch vage und betonten allesamt, dass sie nicht sagen könnten, ob die beiden Personen auf dem Tatmotorrad Männer oder Frauen waren und wie groß sie waren.

Am Dienstag war von der Bundesanwaltschaft bestätigt worden, dass das vor wenigen Tagen im Landkreis Böblingen entdeckte Motorrad die Maschine ist, von der aus und seine zwei Begleiter am 7. April 1977 von RAF-Terroristen erschossen wurden. Eine Suche nach entsprechenden DNA-Spuren an der Maschine sei aber aussichtslos, so die Bundesanwaltschaft. Einem Zeitungsbericht zufolge war das Motorrad 1982 von einem im Kreis Böblingen lebenden Motorradfahrer gekauft worden. Durch eine Annonce im „Wochenblatt“ sei er auf die Maschine vom Typ Suzuki GS 750 (Baujahr 1977) aufmerksam geworden, die dort „spottbillig“ angeboten worden sei. Er hatte sich nach eigenen Angaben kürzlich bei der Polizei gemeldet, als er hörte, dass der Buback-Mord „immer noch nicht aufgeklärt“ sei.

Buback und seine beiden Begleiter waren von dem Motorrad aus mit insgesamt mindestens 15 Schüssen getötet worden. Ungeklärt ist bis heute, welches RAF-Mitglied der Todesschütze war. Die Bundesanwaltschaft wirft der 58-jährigen Becker vor, maßgeblich an der Entscheidung für den Mordanschlag, an dessen Planung und Vorbereitung sowie der Verbreitung der Bekennerschreiben mitgewirkt zu haben. Die Bundesanwaltschaft geht - im Gegensatz zu Michael Buback - nicht davon aus, dass Becker geschossen hat. Becker hat bislang im hoch gesicherten Gerichtsgebäude von Stuttgart-Stammheim die Aussage verweigert und zu den Tatvorwürfen geschwiegen.

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  • "Spurensucher" in der Aufklärungsarbeit an den RAF-Morden. ihn ausgerechnet per "bundesgeneralstaatsanwaltschaft" zu attackieren ist skandalös und unglaublich arrogant. Michael buback genießt nicht nur einen hervorragenden, international über jeden Zweifel erhabenen Ruf als unbestechlicher Chemiker und Naturwissenschaftler, sondern hat zudem eine Erziehung in Wort und Schrift an den Tag gelegt, die manchen Vertuschern der Morde an seinem Herrn Vater und dessen Mitfahrern offenbar volkommen abhanden gekommen ist - weil gerade sie vertuschten, dass Verena becker für West-behörden arbeitete und, so schrecklich das heute wie damals sein mag, in deren Auftrag Siegfried buback und begleiter ermordete!

    Deutschlands Geschichte, so schon vor gut zwei Jahren die "SZ", München, muss neu geschrieben werden. Herr buback wäre evtl. umgebracht worden, hätte er "damals" seine infoprmationen über jenen Motorrad exakt jenen behörden mitgeteilt, die im dringenden Verdacht stehen, Morde in Auftrag gegeben zu haben. Also bitte Respekt vor einem Tatsachen-Ermittler und excellenten Analytiker! b.Pallmann mit besten Grüßen an Prof. buback aus bayern/Gem. Wörthsee

  • Das ist kein Wunder.Der gute Herr buback ist ja auch wirklich sehr aufsässig.Will unbedingt die Hintergründe der RAF aufklären.Wo das doch streng verboten und natürlich reine Verschwörungstheorie ist.in italien wurden die Hintergründe der brigade rosso schon vor vielen Jahren aufgeklärt.Es handelte sich um eine verdeckte Operation des CiA.
    Frau becker muß alle Aussagen verweigern sonst läuft sie Gefahr Suicid zu begehen.Da sie in Verwahrung ist,hat sie keine Chance.Ulrike Meinhoff u.A.lassen grüßen.

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