Eklat um Pauli
CSU-Delegierte wählen neue Führung

Der CSU-Parteitag in München hat Erwin Huber zum neuen Parteivorsitzenden gewählt. Zuvor kürten die CSU-Delegierten den 63-Jährigen Günther Beckstein mit einer überwältigenden Mehrheit zum Spitzenkandidaten für die Landtagswahl 2008. Für einen Eklat sorgte „Parteirebellin“ Gabriele Pauli.

HB MÜNCHEN. Ende der Ära Edmund Stoiber: Ein Jahr vor der Landtagswahl in Bayern hat die CSU mit der Wahl von Erwin Huber zum neuen Parteichef am Samstag eine neue Epoche eingeläutet. Der bayerische Wirtschaftsminister setzte sich auf dem Parteitag in München in einer Kampfabstimmung mit 58,2 Prozent der Stimmen klar durch. Bundesagrarminister Horst Seehofer kam auf 39,1 Prozent. Die Fürther Landrätin Gabriele Pauli, die zuvor für einen Eklat gesorgt hatte, erreichte lediglich 2,5 Prozent. Unmittelbar nach der Wahl untermauerten Huber und der designierte Ministerpräsident Günther Beckstein den bundespolitischen Anspruch der CSU.

Einen Tag vor dem Rücktritt Stoibers als Ministerpräsident nominierten die rund 1000 Delegierten mit überwältigender Mehrheit den bisherigen Innenminister Beckstein zum Spitzenkandidaten für die Wahl 2008. Beckstein wird am 9. Oktober vom Landtag zum neuen Regierungschef gewählt. Der Parteitag sprach ihm mit 96,6 Prozent der Stimmen das Vertrauen aus. Einstimmig kürte der Parteitag Stoiber zum CSU-Ehrenvorsitzenden. Als Ministerpräsident wird Stoiber an diesem Sonntag offiziell seinen Rücktritt einreichen.

Die CDU-Vorsitzende, Bundeskanzlerin Angela Merkel, gratulierte Huber. Die CDU freue sich über eine „starke und geschlossene Schwesterpartei CSU“ an ihrer Seite. Auch der SPD-Vorsitzende Kurt Beck gratulierte Huber. „Ich sehe der Zusammenarbeit mit Ihnen auf Bundesebene mit Zuversicht entgegen.“ Huber wird als neuer CSU-Chef Beck und Merkel voraussichtlich bereits am Montagabend in Berlin beim Koalitionsausschuss treffen.

Zum Abschluss des Parteitages stimmte der neue CSU-Vorsitzende die Christsozialen auf die kommenden Wahlkämpfe ein. „Das ist jetzt der Aufbruch in eine arbeitsreiche Zeit.“ Innerhalb von zwei Jahren seien vier Wahlen zu bestehen. In Bayern stehen nächstes Jahr Kommunal- und Landtagswahlen. 2009 folgen Europa- und Bundestagswahlen. „Ich bitte alle, dass wir zusammenstehen.“ Im Bund müsse erreicht werden, dass nicht ohne die Union und nicht gegen sie regiert werden könne. „Die CDU muss wissen, sie braucht eine starke CSU in Deutschland.“ Ein Schwerpunkt seiner Arbeit werde in Berlin liegen, sagte Huber. Die CSU wird auch nach Ansicht Becksteins bundespolitisch weiter eine wichtige Rolle spielen. „Wir werden die Aufgabe meistern.“ Er sagte Huber eine enge Zusammenarbeit zu. Auch nach Ansicht von CSU- Landesgruppenchef Peter Ramsauer wird die künftige Ämtertrennung werde die bundespolitische Bedeutung nicht schmälern. Unmittelbar nach seiner Niederlage wurde Seehofer mit fast 92 Prozent als Parteivize bestätigt. Er gratulierte Huber als einer der ersten und sagte zu ihm: „Danke für den tollen Kampf.“

Beckstein sprach von einer Zäsur in der Geschichte der CSU. „Eine Ära geht zu Ende.“ Zugleich grenzte er sich von dem bisherigen Partei- und Regierungschef b und kündigte „andere Akzente“ an. Er wolle niemanden kopieren. „Das klappt nie, und das mache ich nicht.“ Stoiber rief seine Nachfolger zum Zusammenhalt auf. Die Verantwortung gehe nun wieder „auf zwei Schultern“ über, sagte der 66-Jährige. „Macht einen Vorteil daraus.“ Stoiber schwor seine Nachfolger ein, den Charakter der CSU als konservative Volkspartei zu erhalten. Unter großem Beifall nahm Stoiber Abschied vom Parteivorsitz. „Mein Herz schlägt immer für die CSU.“ Er hatte vor achteinhalb Monaten auf Druck seiner eigenen Partei den Rücktritt angekündigt.

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