Elterngeld ab 1. Januar
Der Geburten-Countdown läuft

Ab dem 1. Januar ist alles in Butter. Doch alle ungeborenen Kinder, die bis dahin partout nicht im Bauch der Mutter bleiben wollen, kommen ihren Eltern teuer zu stehen. Denn zum Jahreswechsel löst das neue Elterngeld das oft deutlich niedrigere Erziehungsgeld ab. Manche Eltern versuchen dann schonmal Mutter Natur ins Handwerk zu pfuschen.

HB HAMBURG/MÜNCHEN/BERLIN. Um die neue staatliche Förderung erhalten zu können, hoffen zahlreiche Eltern auf die Geburt ihres Kindes erst im neuen Jahr. Bei den Versorgungsämtern glühen kurz vor dem Jahreswechsel die Telefondrähte. Allein in Nordrhein-Westfalen gehen nach Angaben der Bezirksregierung Münster täglich etwa 1500 Anrufe zum Elterngeld ein. Es tritt zum Jahreswechsel in Kraft und löst das oft niedrigere Erziehungsgeld ab. Manche Eltern fragen Ärzten zufolge auch nach Möglichkeiten einer riskanten Geburtsverzögerung. Die Grünen verlangten erneut eine Übergangsregelung statt des Stichtags 1. Januar 2007.

Für den 2. und 3. Januar seien sehr viele Kaiserschnitte geplant, berichtete der Leiter der Frauenklinik an der Münchner Ludwig- Maximilians-Universität, Professor Klaus Friese, am Donnerstag. Während der Termin für einen geplanten Kaiserschnitt verschoben werden kann, wenn es Mutter und Kind gut geht, lassen sich echte Wehen kaum aufhalten. Frauenärzte sind sich dabei einig: Sie lehnen eine Geburtsverzögerung ab, wenn sie auf finanziellen und nicht auf medizinischen Erwägungen beruht.

„Mutter Natur weiß am besten, wann ein Kind geboren werden soll. Wenn wir bewusst die Geburt hinauszögern würden, dann kann das zum Schaden des Kindes gereichen“, sagte der Präsident des Berufsverbandes der Frauenärzte in Deutschland, Christian Albring, der dpa-Rufa. Die Plazenta habe nur eine begrenzte Lebenszeit, danach könne das Baby nicht mehr ausreichend versorgt werden. Er selbst sei schon mit dem Wunsch von Eltern konfrontiert worden, die Geburt bis ins neue Jahr hinauszuschieben. Wenn Eltern erführen, dass dies ihrem Baby schade, seien sie jedoch einsichtig. Ohnehin kämen nur drei bis fünf Prozent der Babys zum errechneten Termin auf die Welt.

„In der Schwangerenberatung gibt es von den Frauen schon gelegentlich die Frage, ob man etwas machen kann“, berichtete auch die Leitende Ärztin des Nürnberger Klinikums, Professor Cosima Brucker. Eine medizinisch unbegründete Verzögerung gefährde jedoch Gesundheit oder sogar Leben des Neugeborenen. „Dies sehen die Frauen auch ein“, sagte Brucker. Außerdem sei der Erfolg von Tabletten zweifelhaft: „Richtige Geburtswehen lassen sich auch mit noch so hoch dosierten Medikamenten nicht aufhalten.“ Anders sehen es die Ärzte, wenn die Frau wenige Minuten vor dem Jahreswechsel im Kreißsaal liegt. „Da kann man wirklich noch eine Wehe warten, wenn die Herzkurve des Kindes normal ist“, sagte Friese.

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