Elternzeit: Regierung lehnt Entlastung der Unternehmen ab

Elternzeit
Regierung lehnt Entlastung der Unternehmen ab

Experten fordern im noch nicht veröffentlichten Familienbericht die Kürzung der Elternzeit. Die bis zu drei Jahre lange Auszeit sei eine zu hohe Belastung für Unternehmen. Das Familienministerium ist anderer Meinung.
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BerlinUnternehmen werden durch die gesetzlich eingeräumte Elternzeit von maximal drei Jahren zu sehr belastet. Das schreibt eine Sachverständigenkommission im neuen Familienbericht. Daher fordert sie eine deutliche Kürzung der beruflichen Auszeit für Eltern. Ein Sprecher von Bundesfamilienministerin Kristina Schröder (CDU) bestätigte auf Anfrage einen entsprechenden Bericht der Tageszeitung "Die Welt". Der achte Familienbericht, der vom Bundesfamilienministerium in Auftrag gegeben wurde, ist bisher unveröffentlicht und wird am 14. März im Bundeskabinett behandelt.

Die Möglichkeit, bis zu drei Jahre aus dem Berufsleben auszusteigen, bedeute "eine große organisatorische und finanzielle Belastung für die Unternehmen", zitiert "Die Welt" den Bericht. Die Kommission empfiehlt eine Verkürzung auf zwei Jahre. Denkbar wäre nach Vorstellung der Experten auch, eine volle Auszeit nur noch zwölf Monate lang zu gewähren, danach aber eine Teilzeit-Arbeit von den Eltern zu verlangen. Nach aktueller Rechtslage können sich in Deutschland Eltern für maximal drei Jahre unbezahlt von ihrem Arbeitgeber freistellten lassen. Im Anschluss besteht ein Anspruch auf die Rückkehr auf den alten Arbeitsplatz.

Dennoch sieht es nicht nach einer Kürzung der Elternzeit aus. "Die Bundesregierung wird der Empfehlung der Sachverständigenkommission in puncto Elternzeit nicht folgen", kündigte der Ministeriumssprecher an.

Laut Zeitungsberichten forderten die Experten auch eine Überprüfung des Ehegatten-Splittings, da dieses dazu beitrage, dass viele Frauen keine Erwerbstätigkeit anstrebten. Diese Forderung wird ebenfalls am 14. März im Bundeskabinett diskutiert.

Der Familienbericht wird alle fünf Jahre im Auftrag des Bundesfamilienministeriums erstellt. Die aktuelle Ausgabe trägt den Titel "Zeit für Familie. Familienzeitpolitik als Chance einer nachhaltigen Familienpolitik". Verantwortlich für die Umsetzung ist die Bundesregierung. Bei der Entgegennahme des Berichts im Oktober vergangenen Jahres sagte Familienministerin Schröder: "Zeit ist die Leitwährung unserer Familienpolitik". Eltern bräuchten Zeit, um ihre Kinder ins Leben zu begleiten.

Saskia Littmann
Saskia Littmann
Wirtschaftswoche
afp 
AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur

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  • Die Unternehmen sollten vielleicht einmal etwas langfristiger denken. Denn wenn unsere Bevölkerung weiterhin schrumpft, dann schrumpft auch das Potenzial an Arbeitskräften. Wie Prof. Allmendinger erst kürzlich in einem lesenswerten Beitrag zur Debatte (http://bit.ly/yAGu82) gezeigt hat, ist eine familienfreundliche Unternehmenspolitik weder unmöglich noch schadet sie dem Unternehmen. Im Gegenteil: Es zahlt sich langfristig sogar aus.

  • Ein guter Beitrag der alles sagt.
    Aber offensichtlich haben einige im Land in der Politik nichts zu tu um nun mal wieder Nebensächlichkeiten auszugraben auf die sie von unseren "Experten" hingewiesen wurden.
    Das sit ja das Elend in Deutschland. Wir haben haufenweise "Experten" meist ja selbsternannte, aber es fehlen häderingend bei uns wirkliche Fachleute

  • Ein kleines Beispiel aus der Schweiz:
    Mein Sohn , 5Monate alt, kommt demnächst in eine Kinderkrippe. Das ist hier völlig normal. Die Kinderkrippe macht um halb acht uhr morgends auf, bietet fuer Kinder Siesta und Mittagesessen, und um 18: 30 kann man sein Kind wieder abholen. Je nach Wunsch kann man sein Kind den ganzen Tag, vormittags oder nachmittags abgeben. Neben den zahlreichen Kinderkrippen gibt es auch noch Tagesmuttersysteme. Jede Frau gebt hier nach 4 Monaten Mutterschaftsurlaub wieder arbeiten, aber die Strukturen sind eben auch da, dass das geht. Es wuerde keiner einfallen, sich fuer zwei Jahre in Elternzeit zu verabschieden, das ist auch gar nicht finanziell möglich, da die SChweiz nicht ganz billig ist, Kinderbetreuung auch nicht, aber wenn beide arbeiten, ist das trotzdem bezahlbar. Wenn ich in D geblieben wäre, hätte ich wahrscheinlich kein Kind bekommen, da die Betreuungsmöglichkeiten mehr als vorsintflutlich sind.

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