Elternzeit
Schröder will mehr Väter am Wickeltisch

Meist bleiben in Deutschland immer noch die Mütter beim Baby. Zwar ist der Anteil der Väter gestiegen, die Elternzeit in Anspruch nehmen. Doch Bundesfamilienministerin Kristina Schröder hat mehr mit ihnen vor.
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DüsseldorfBundesfamilienministerin Kristina Schröder (CDU) hat ein positives Fazit der Vätermonate beim Elterngeld gezogen und weitere Maßnahmen angekündigt, um noch mehr Väter für die Elternzeit zu gewinnen. Es gebe „starke Verunsicherungen“ bei beiden Elternteilen, da für Väter genauso wie für Mütter die zeitliche Inanspruchnahme durch die Kinderbetreuung ein „Knackpunkt“ sei. Darauf müsse die Politik reagieren, sagte die Ministerin.

„Der Schlüssel liegt darin, die Arbeitszeiten zu verbessern durch mehr Teilzeit, zum Beispiel eine Reduzierungsmöglichkeit auf 80 Prozent“, sagte Schröder. Dazu gehöre auch „mehr praktische Anerkennung“ für Elternzeit.

Bayerns Familienministerin Christine Haderthauer (CSU) plädierte dafür, das Elterngeld künftig deutlich länger als bisher zu zahlen. In einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa schlug sie eine Zeitspanne von künftig 24 statt heute 14 Monaten vor. Sobald es finanziell möglich sei, sollten die sogenannten Partnermonate zeitlich ausgedehnt werden, sagte sie. „Ideal wäre es, wenn wir insgesamt wieder auf eine zweijährige finanzielle Abfederung kämen, wie das vor der Einführung des Elterngeldes mit dem Bundeserziehungsgeld der Fall war.“ Nach Haderthauers Vorstellungen sollten beide Elternteile die 24-monatige Auszeit dann gleichberichtigt untereinander aufteilen.

Das Elterngeld war am 1. Januar 2007 eingeführt worden. Der Elternteil, der nach der Geburt eines Kindes vorübergehend auf den Job verzichtet, erhält ein Jahr lang zwischen 300 und 1800 Euro monatlich. Wenn auch der andere Partner, im Regelfall der Mann, eine Auszeit nimmt, wird das Elterngeld für zwei weitere Monate gezahlt.

Laut Daten aus dem Familienministerium haben für Kinder, die im 2. Quartal 2010 geboren wurden, 25,4 Prozent der Väter Elterngeld in Anspruch genommen. In einigen Bundesländern ist demnach schon eine deutlich höhere Väterbeteiligung zu verzeichnen: Beispielsweise liegt sie in Sachsen bei 32,8 Prozent, in Bayern bei 32,3 Prozent und in Berlin bei 31,1 Prozent.

Zum Vergleich: 2008 lag die Väterbeteiligung laut Ministeriumsangaben noch bei 21 Prozent. Das 2007 durch das Elterngeld abgelöste Erziehungsgeld bezogen nur 3,5 Prozent der Väter.

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Kommentare zu " Elternzeit: Schröder will mehr Väter am Wickeltisch"

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  • @entspannung: Sie haben das Thema nicht verstanden. Es geht nicht darum, ob mit Kindern verbrachte Zeit wertvoll ist oder nicht. Natürlich ist sie das. Es geht aber hier darum, daß eine von Ideologie zerfressene Ministerin ihr persönliches Weltbild Deutschland aufzwingen will. Was kommt als Nächstes? Die goldene Windel für den Vorzeige-Hausmann? Analog dem "Mutterkreuz" im Dritten Reich? Die Themen wechseln, aber die Denkweise folgt den gleichen Spuren...

  • Man darf ergänzen, Familien, die vom Jugendamt ihre gut erzogenen Kinder weggenommen bekommen.
    Für wirklich hartgesottene, mal das hier lesen!

    http://www.karin-jaeckel.de/elternkummer/elternkummerhaase1.html

    http://www.vaeterfuerkinder.de/haase.htm


    Dieser Fall offenbart wiedereinmal das Rechtsverständnis des deutschen Staates zu Kindern. Doch lesen sie selbst.

    Darum sollte sich das Ministerchen mal kümmern. Doch damit muß man sich mit einer Lobby anlegen, und das macht in der Politik niemand.

  • @entspanung: wenn man keine Ansprüche hat, lässt sich ihr Vorschlag umsetzen. Hatz IV läßt grüßen. Da hat man sehr viel Zeit für die Kinder. Leider sieht die Realität anders aus. Ohne das einer der Partner eine Vollzeitstelle hat, läßt sich doch ein gewisser Lebensstandard gar nicht finanzieren. Wir sind doch kein Schlaraffenland, auch wenns einige gerne so hätten. Sicherlich ist Familie wichtig, aber die derzeitigen Rahmenbedingungen lassen dies nicht zu. Und was das reinregieren eines Staates im Privatleben anbelangt, wir sind alle mündige Bürger und können selbst entscheiden, welche Maßnahmen und Entscheidungen wir treffen.

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