Elternzeit
Was Konzerne von den „neuen Vätern“ halten

Elternzeit für Männer - die Akzeptanz der Väter, eine berufliche Auszeit für Kinder zu nehmen, wächst. Doch auch der Arbeitgeber muss mitspielen. Eine Umfrage des Handelsblatts zeigt, dass das Bewusstsein in den Dax-30-Unternehmen hinsichtlich dieser "neuen Väter" höchst unterschiedlich ausgeprägt ist.

DÜSSELDORF. Gefragt nach der Zahl von Männern, die eine Auszeit zur Betreuung des Nachwuchses genommen haben, antwortet die Deutsche Börse lapidar: "Leider müssen wir Ihnen mitteilen, dass wir uns nicht an Ihrer Umfrage beteiligen werden." Fresenius immerhin räumt ein, sich "aus grundsätzlichen Erwägungen heraus nicht an Umfragen zu allgemeinpolitischen Themen beteiligen" zu wollen. Allgemeines, aber auch keine Zahlen von der Deutschen Bank: "Grundsätzlich richten wir unsere Angebote zur Elternzeit an Mütter und Väter gleichermaßen. Bisher sind es allerdings überwiegend Frauen, die diese Angebote annehmen. Dies scheint ein gesellschaftliches Phänomen zu sein, das sich auch nur langsam verändert." So, so.

Die Konkurrenz von der Commerzbank zeigt sich zugänglicher: Gemeinsam mit dem Personalbereich soll dort ein "Arbeitskreis engagierter Väter" das "Thema Väter voranbringen". Im Februar dieses Jahres sind immerhin vier Commerzbank-Männer vorübergehend aus dem Job ausgestiegen, um sich den Kindern zu widmen. 17 sind in Elternteilzeit. Im vergangenen Jahr nutzten 46 Männer das Angebot - bei knapp 11 000 männlichen Bankmitarbeitern in Deutschland ist das doch schon was.

Von ähnlichen Verhältnissen berichten andere Unternehmen: Bei der Allianz waren zum Jahreswechsel 29 Männer in Elternzeit, davon eine Führungskraft; insgesamt arbeiten rund 37 560 Männer in Deutschland bei der Gruppe. Von den Autobauern in München zog es zum gleichen Stichtag 12 Männer in die Familie, bei rund 68 000 hiesigen BMW-Mitarbeitern. Bayer liefert gleich die Zahl für die vergangenen 20 Jahre. 2 468 Beschäftigte nutzten danach das Angebot einer familiären Auszeit - davon 33 Männer. Bei der Metro steht es in Sachen Elternzeit zwischen Frauen und Männern 3732 zu 40. Für wen wohl? Bei Bayer 297 zu 7 und bei Schering 94 zu 9. Größe beweist Adidas: Mit einem einzigen Mitarbeiter in Elternzeit fühlt man sich dort derzeit offenbar ganz dem olympischen Motto verpflichtet: Dabeisein ist alles.

Andere Konzerne wie Altana, Continental, MAN oder auch VW haben zu dem Thema keine Daten vorliegen. Ein freundlicher Volkswagensprecher räumt immerhin ein:"Vielleicht müsste man das mal machen." Gesagt, getan hat das längst der Autobauer aus Sindelfingen. Mit einer ausführlichen Stellungnahme reagierte Daimler-Chrysler auf die Anfrage des Handelsblatts: "Seit 2001 können wir bei Männern eine steigende Tendenz beobachten. Hintergrund ist unsere neue Gesamtbetriebsvereinbarung zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf sowie die Neuregelung Elternzeit/Familienzeit. (...) Insgesamt sind 4,2 % aller Mitarbeiter in Elternzeit; 47 Männer, 1071 Frauen (darunter auch Führungskräfte). In Familienzeit befinden sich 3,6 % aller Mitarbeiter (16 Männer, 425 Frauen)."

Auch der Chemie-Riese BASF, wo sich seit Jahren die Zahl der männlichen Mitarbeiter in Elternzeit zwischen 20 und 30 bewegt, scheint die Zeichen einer familienfreundlicheren Zeit erkannt zu haben: Auf gleich zwei Seiten Text erläutert das Unternehmen Konzepte offener Teilzeit, Kinderbetreuung sowie das internationale Ferienprogramm zum Austausch von Kindern innerhalb er "Global Familiy" BASF. Freilich - nicht Altruismus ist die treibende Kraft: "Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie ist ein wichtiges Ziel unserer Personalpolitik, um so den demographischen Herausforderungen frühzeitig zu begegnen, qualifizierte Mitarbeiter an das Unternehmen zu binden und das Fachwissen im Unternehmen zu halten." Wenn?s dem Wohl des Kindes nützt.

Thomas Ludwig
Thomas Ludwig
Handelsblatt / EU-Korrespondent
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