Embryonen-Schutz
FDP-Generalsekretär kritisiert Gentest-Verbot der Kanzlerin

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat durch ihren Vorstoß für ein Verbot von Gentests an Embryonen einen Koalitionsstreit ausgelöst. FDP-Generalsekretär Christian Lindner hat die Linie seiner Partei festgezurrt: kein striktes Verbot der sogenannten Präimplantationsdiagnostik.
  • 1

BERLIN. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) bekommt wegen ihrer Forderung nach einem Verbot von Gentests an Embryonen Ärger mit dem Koalitionspartner. „Für die FDP kann ich ein striktes Verbot der Präimplantationsdiagnostik (PID) ausschließen“, sagte FDP-Generalsekretär Christian Lindner im Interview mit dem Handelsblatt. Lindner bedauert, „dass die Bundeskanzlerin als Naturwissenschaftlerin die Chancen dieser Methode nicht stärker würdigt“.

Kanzlerin Merkel hatte sich am Wochenende für ein Verbot der PID ausgesprochen. „Aus meiner Sicht sollten wir die Präimplantationsdiagnostik verbieten“, sagte Merkel am Wochenende bei einem Kongress der Jungen Union in Potsdam. Sie halte es für unmöglich, eine Abgrenzung zu finden zwischen einer schwer wiegenden genetischen Krankheit und einem nicht ganz so schwer wiegenden Defekt.

Der FDP-Generalsekretär betonte dagegen, dass in dieser ethischen Frage die Richtlinienkompetenz der Kanzlerin ende. „Wenn durch die PID Kinderwünsche erfüllt und gleichzeitig schwerste Gendefekte vor der Einpflanzung in die Gebärmutter verhindert werden können, dann ist das ethisch sinnvoll“, sagte Lindner dem Handelsblatt.

Die Bundesfamilienministerin und CDU-Politikerin Kristina Schröder hatte sich bereits kürzlich skeptisch zu einem grundsätzlichen Verbot der Tests geäußert. Sie hielte es für einen Widerspruch, einem Paar einerseits den Test zu verbieten, Spätabtreibungen bis zum neunten Monat aber unter bestimmten Umständen zuzulassen.

Auch Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger lehnt ein Verbot der genetischen Überprüfung von Embryonen vor der Einpflanzung in den Mutterleib ab. Die Politik könne Frauen nicht vorschreiben, ohne Untersuchung Embryonen mit schweren Genschäden einsetzen zu lassen, die dann später zu einem Schwangerschaftsabbruch berechtigten. Sie halte es daher für bedenklich, schwer vorbelasteten Paaren die Möglichkeit einer genetischen Überprüfung des Embryos vorzuenthalten, so die Politikerin vor einigen Wochen.

Auslöser der Debatte war ein Urteil des Bundesgerichtshofs. Die Karlsruher Richter stellten im Juli klar, dass die Überprüfung von Embryonen auf Gendefekte und die anschließende Aussonderung von Embryonen in Deutschland zulässig ist. Die PID verstoße entgegen landläufiger Auffassung nicht gegen das Embryonenschutzgesetz, urteilte das Gericht.

Der BGH bestätigte damit den Freispruch des Berliner Frauenarztes Matthias Bloechle. Der Mediziner hatte 2005 und 2006 bei drei Paaren die Embryonen auf Gendefekte untersucht und in Absprache mit den Eltern nur die unauffälligen eingepflanzt.

In allen Fällen hatte einer der Partner genetische Belastungen aufgewiesen. Der Arzt hatte sich selbst angezeigt, um per Gericht Klarheit in der rechtlichen Grauzone schaffen zu lassen.

Mit Material von Reuters

Sven Afhüppe
Sven Afhüppe
Handelsblatt / Chefredakteur

Kommentare zu " Embryonen-Schutz: FDP-Generalsekretär kritisiert Gentest-Verbot der Kanzlerin"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Wenn Adolf Hitler die Abtreibung eingeführt hätte, wäre sie heute strikt verboten. So sterben aber jährlich 120000 Geschöpfe, von Demokraten zugelassen. Die PiD zu verbieten ist allein schon krank angesichts 120000 tausend facher Lebendsvernichtung. Die Natur allein bestimmt wer es schafft und das ist der Stärkste und Gesündeste
    geistig wie Körperlich bei Menschen gesehen.
    Wenn die PiD hier verboten wird, gehen die Menschen ins Ausland wie früher die Frauen ihr Kind im Ausland abgetrieben haben.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%