Emissionsrechte-Handel
Stromerzeuger bangen um Milliarden

Die deutschen Energiekonzerne müssen mit Einbußen in Milliardenhöhe rechnen. Union und SPD wollen verhindern, dass die Unternehmen künftig die ihnen kostenlos zugeteilten Emissionsrechte zum aktuellen Marktwert auf den Strompreis aufschlagen können. Damit will die große Koalition eine Forderung der Energieverbraucher erfüllen.

HB BERLIN. „Wir waren völlig von den Socken, als wir hörten, dass das Bestandteil der Koalitionsvereinbarung geworden ist“, sagte ein Energiemanager dem Handelsblatt.

Dass die Koalitionspolitiker sich dem Druck der Energieverbraucher gebeugt hätten, sei eine „ungeheure Heuchelei“, sagte der Manager weiter. Die Politik habe von vornherein gewusst, dass der Handel mit Emissionsrechten zu einem Anstieg der Strompreise führen werde. Der Verband der Elektrizitätswirtschaft (VDEW), in dem die Stromerzeuger zusammengeschlossen sind, drückt sich zwar diplomatischer aus, ist aber ebenfalls alarmiert: Die Preiswirksamkeit des Zertifikatehandels sei „systemimmanent und politisch gewollt“, sagte VDEW-Hauptgeschäftsführer Eberhard Meller dem Handelsblatt. Die Vereinbarung im Koalitionsvertrag trage dem „nur in begrenztem Maße Rechnung“. EnBW-Manager Jürgen Hogrefe sagte, die Strombranche bewege sich im gesetzlich festgelegten Rahmen betriebswirtschaftlich vernünftig. „Die Politik hat das Spiel angefangen, doch jetzt gefallen ihr die Regeln nicht mehr“, kritisierte Hogrefe.

Die Umweltpolitiker der großen Koalition zeigen sich unnachgiebig. „Wir haben den Emissionshandel nicht eingeführt, damit die Energieversorgungsunternehmen ihre Gewinne um Milliardenbeträge erhöhen“, sagte SPD-Fraktionsvize Ulrich Kelber dieser Zeitung.

Im Koalitionsvertrag heißt es, die Kostenbelastung der Wirtschaft durch den CO2-Emissionshandel solle gesenkt werden. Ziel sei es, „Mitnahmeeffekte (windfall profits) zu vermeiden und die internationale Wettbewerbsfähigkeit der Energie verbrauchenden Wirtschaft besonders zu berücksichtigen“. Diese Formulierung in der Vereinbarung zwischen Union und SPD sei „sehr ernst gemeint“, betonte Kelber. „Wenn die Rahmenbedingungen nicht zu den gewünschten Ergebnissen führen, müssen wir die Rahmenbedingungen eben ändern.“ Josef Göppel (CSU), Umweltpolitiker der Unionsfraktion, sagte dem Handelsblatt, die kostenlose Zuteilung von Zertifikaten habe für die Energie verbrauchende Wirtschaft zu Wettbewerbsnachteilen geführt. Das werde man ändern. Details wollten weder Kelber noch Göppel nennen. Allerdings bestätigten beide, es gebe bereits konkrete Vorstellungen.

Seite 1:

Stromerzeuger bangen um Milliarden

Seite 2:

Seite 3:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%