Emnid-Umfrage SPD erstmals seit zehn Jahren vor Union

Kanzlerkandidat Schulz hievt die SPD in längst vergessenen Höhen: Nun lassen die Sozialdemokraten die Union in einer neuen Umfrage knapp hinter sich. Das EU-Parlament hat seinen Ex-Präsidenten gegen Vorwürfe verteidigt.
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Die SPD mit Martin Schulz an der spitze zieht erstmals seit mehr als zehn Jahren im Sonntagstrend von Emnid an der Union von Kanzlerin Merkel vorbei. Quelle: dpa
Schulz bringt längst vergessene Zahlen zurück

Die SPD mit Martin Schulz an der spitze zieht erstmals seit mehr als zehn Jahren im Sonntagstrend von Emnid an der Union von Kanzlerin Merkel vorbei.

(Foto: dpa)

BerlinMit ihrem Spitzenkandidaten Martin Schulz zieht die SPD in einer Emnid-Umfrage erstmals seit einem Jahrzehnt wieder an der Union vorbei. Im „Sonntagstrend“ für die „Bild am Sonntag“ stieg die SPD im Vergleich zur Vorwoche um einen Punkt auf 33 Prozent. Die CDU/CSU verlor einen Punkt und kam auf 32 Prozent. Linke (8 Prozent) und Grüne (7 Prozent) blieben unverändert. Dadurch hätte ein rot-rot-grünes Bündnis derzeit eine knappe Mehrheit. Die FDP lag erneut bei 6 Prozent, die AfD fiel um einen Punkt auf 9 Prozent - ihren schlechtesten Wert im „Sonntagstrend“ seit einem Jahr. Die SPD hat seit der Nominierung von Schulz zum Kanzlerkandidaten in allen Umfragen deutlich zugelegt.

Das EU-Parlament nimmt seinen früheren Präsidenten gegen Begünstigungs-Vorwürfe in Schutz. Auf eine Anfrage der Deutschen Presse-Agentur teilte der Pressedienst des Parlaments mit: „Das Parlament hat keine Informationen darüber, dass Mitarbeiter regelwidrig versetzt oder befördert wurden.“ Auch habe Schulz keine Kompetenzen überschritten, weil er als Präsident des Parlaments einem Mitarbeiter nachträglich eine Zulage gewährte. Eine Überprüfung durch den Haushaltskontrollausschuss des Parlaments stehe noch aus.

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) erwartet, dass die Schulz-Festspiele für die SPD in den Umfragen bald vorbei sind. „Die Schau ist kurz, es muss schon ein bisschen Substanz kommen“, sagte Schäuble am Sonntag in der ARD-Sendung „Bericht aus Berlin“. Die Union fürchte den SPD-Kanzlerkandidaten Martin Schulz nicht, nehme ihn aber ernst.

Ungeachtet der Mehrheit für Rot-Rot-Grün in der Umfrage hält Arbeitsministerin Andrea Nahles die Linke weiterhin nicht für regierungsfähig. „Was mich bei der Linkspartei erstaunt, ist ihre flache Lernkurve“, sagte die SPD-Parteilinke den Zeitungen der Funke Mediengruppe. „Es kann sonst etwas auf der Welt passieren, doch die Linkspartei erzählt den gleichen Quark wie in den neunziger Jahren.“

Das ließ Linken-Frontfrau Sahra Wagenknecht nicht auf sich sitzen: „Nahles Aussagen werfen kein gutes Licht auf die Gerechtigkeitsrhetorik des SPD-Kanzlerkandidaten Schulz.“ Die SPD verspreche mehr soziale Gerechtigkeit, halte sich aber eine Fortsetzung einer großen Koalition mit der Union offen.

Seit längerem gibt es zwischen SPD, Grünen und Linken Lockerungsübungen. Zuletzt trafen sich die Parteimanager. Schulz will noch vor der Sommerpause an einer rot-rot-grünen Gesprächsrunde teilnehmen. In allen drei Parteien gibt es unverändert erhebliche Widerstände gegen Rot-Rot-Grün.

Auch die Union bemüht sich um die Grünen. So warb Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier für Schwarz-Grün im Bund. Hessen habe gezeigt, dass so ein Bündnis funktioniere. „Deshalb werbe ich für Offenheit bei der Union“, sagte Bouffier dem „Tagesspiegel am Sonntag“. CDU und CSU müssten „darauf achten, dass man sich nicht strategisch die Wege verbaut“. CSU-Chef Horst Seehofer gilt als Gegner von Schwarz-Grün.

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5 Kommentare zu "Emnid-Umfrage: SPD erstmals seit zehn Jahren vor Union"

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  • @Herr Vinci Queri20.02.2017, 11:23 Uhr

    Wie schätzen Sie die derzeitige Regierung ein? Handlungsfähig?

    Deutschland wäre destabilisiert. Na und? Was macht man in dieser Phase?
    Ausserdem, es muss alles noch schlimmer werden bevor es besser wird, das ist nun mal so.

  • @ Herr Bernhard Ramseyer

    >> Und wir hätten eine bockstarke Opposition: AfD, CDU/CSU, FDP.
    Endlich eine Opposition die den Namen Opposition auch verdient >>

    Was nützt einem Land denn eine starke Opposition bei einer HANDLUNGSUNFÄHIGEN Regierung, was eine Dreierkonstellation eigentlich darstellt....?

    Bei Rot-Rot-Grün wäre Deutschland DESTABILISIERT !


  • "Dadurch hätte ein rot-rot-grünes Bündnis derzeit eine knappe Mehrheit."

    Und wir hätten eine bockstarke Opposition: AfD, CDU/CSU, FDP.
    Endlich eine Opposition die den Namen Opposition auch verdient.

  • ...
    aufpassen, Herr Spahn, dass Ihnen nicht zu warm wird!): im Vergleich zur Kanzlerin war Schulz bisher auch inhaltlich furios! Und Herr Schäuble, ihr Vergleich von Schulz mit Trump ist nicht nur falsch, sondern infam, niveaulos, erbarmungswürdig: eben auf dem Niveau eines "falschen Fuffzigers". Aus Platzgründen verzichte ich auf die Nennung der Vielzahl Beteiligten der an der mittlerweile von der Union losgetretenen Schmutzkampagne gegen Martin Schulz! Sie werden es mir nachsehen!

  • Im Gegensatz zu Schulz haben Merkel und die Union abgewirtschaftet. Und im übrigen hatte die Union bis vorletzten Montag noch gar keinen Kanzlerkandidaten gekürt (jetzt wurde Merkel zur Kanzlerkandidatin auf Obergrenzen-Abruf berufen!). Das scheinen manche Politiker (vgl. z.B. die dummdreisten Bemerkungen der unsäglichen Frau Klöckner) und manche Medien ob ihres Furors bei ihrer Kritik über die einerseits angeblich quälend lange SPD-Kandidatenfindungsprozedur, andererseits über die angebliche Sturzgeburt ganz übersehen zu haben! Besonders hervorgetan haben sich dabei die FAZ und der Focus! Schande über diese Schmutz-Medien!
    Aus Sicht der, bis gestern, fast sprachlosen Union: gemeines Drehbuch der SPD!
    Und im übrigen: nach der Wahl ist vor der Wahl:
    http://youtu.be/0zSclA_zqK4
    Viel Spaß beim Anhören!

    Nebenbei bemerkt: Die Medien scheinen nicht nur über den peinlichen Kanzlerkandidatenfindungsprozess der Union gütig hinweg zu sehen, sondern auch über die Prozesse der CSU-Spitzenkandidatenfindung für die Bundestagswahl sowie der Nachfolgeregelung von Seehofer in der CSU. Dagegen war das bei der SPD fast so friedlich und geräuschlos wie eine Papstwahl. Und noch dazu für 5 Führungspositionen auf einmal! Chapeau, SPD!
    Und da möge nochmal jemand behaupten, die Medien ständen mehrheitlich links. Das Gegenteil ist der Fall, wie auch diese Beispiele wieder zeigen!
    Übrigens: Gabriel ist zurückgetreten, um dem Land und der Partei zu dienen. Die letzten Rücktritte von CDU- bzw. CSU-Ministern (Guttenberg, Schavan, Friedrich, Haderthauer) erfolgten wegen Skandalen und/oder Verfehlungen. Wie dieser Prozess in der CSU aussieht, kann man derzeit am Bayern-Ei-Skandal ablesen!

    PS: Überraschung! Die CSU hat Frau Merkel zur Kanzler-Kandidatin auf (Obergrenzen-)Abruf gekürt!
    Und wenn einzelne Medien und Wadl-Beißer von der Union jetzt erschrocken kritisieren, dass Schulz inhaltlich noch gar nicht viel zum Besten gegeben habe (außer heißer Luft: aufpassen, Herr Spahn, dass Ihnen ...

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