Empörung über Äußerungen zum Babyleichen-Fund
Schönbohms lange Liste der Entgleisungen

Jörg Schönbohm gilt als scharfer Polemiker, der in seinen Reden gern drastische Vergleiche benutzt. Mit seinen Äußerungen im Zusammenhang mit dem Fund von neun Babyleichen im brandenburgischen Brieskow-Finkenheerd erntet der Ex-General erneut viel Kritik aus allen politschen Lagern. Der Ex-General ist schon lange bekannt für seine Fauxpas.

kr DÜSSELDORF. Trotz großer Empörung hält Schönbohm an seiner Kritik am SED-Regime der DDR fest. Im totalitären System DDR sei das Thema Wertevermittlung „sehr klein geschrieben“ gewesen, sagte Schönbohm am Donnerstag im ZDF. „Der Staat gab Werte vor.“ „Und in der DDR war es ja auch so, dass man gut dabei fuhr, wenn man nicht zu sehr Anteil nahm am Nachbarn oder anderen Dingen.“

Die Grünen warfen Schönbohm daraufhin „unglaubliche Vereinfachungen“ vor. „Er erklärt mit seinen Äußerungen Menschen aus einfachen Verhältnissen ohne Grundbesitz zu potenziellen Gewalttätern“, sagte die Fraktionsvorsitzende Katrin Göring-Eckardt. Die versuchte Zerschlagung bürgerschaftlicher Milieus und Werte durch die SED dürfe nicht unterbewertet werden. Eine so unglaubliche Tat gegen den elementaren Schutzreflex der Mutterliebe „kann man damit ganz bestimmt nicht erklären“.

Doch auch parteiintern gibt es wenig Verständnis für den Auftritt des Ex-Generals. „Diese Tat ist so jenseits jedes normalen Verhaltens, dass man das nicht auf irgendetwas wie die Kollektivierung in der DDR zurückführen kann“, sagte Thüringens CDU-Fraktionschefin Christine Lieberknecht „Thüringer Allgemeinen“. Die stellvertretende Bundesvorsitzende der FDP, Cornelia Pieper, nannte im selben Blatt Schönbohms Darstellung „unverschämt“ und forderte seinen Rücktritt.

Bereits in der Vergangenheit war Schönbohm mit verschiedensten verbalen Entgleisungen aufgefallen. So forderte er im November 2004 die hier lebenden Ausländer auf, die deutsche Leitkultur zu übernehmen. Die Geschichte der Deutschen habe sich in über tausend Jahren entwickelt. "Wir haben nicht nur eine gemeinsame Sprache, sondern auch kulturelle Umgangsformen und Gesetze", sagte Schönbohm. Die Deutschen dürften nicht zulassen, dass diese Basis der Gemeinsamkeit von Ausländern zerstört werde.

Zudem nutze er als Kritiker einer Multikulti-Gesellschaft stets die Einwanderungspolitik für seine Polemik. 1998 schlug er eine Auflösung türkischer Ghettos vor, um die "Fremdkörperbildung" zu vermeiden. Nach seinen Worten könne auch die Abschiebung integrativ wirken, jedenfalls für die Deutschen. Außerdem forderte er, die Höhe der Sozialhilfe von Sprachkenntnissen abhängig zu machen. 1996 musste sich Schönbohm den Vorwurf gefallen lassen, er würde eine Vertreibungspolitik betreiben. Der Ex-General hatte gefordert, die Kriegsflüchtlinge aus Bosnien sollten lieber in ihrem Heimatland in die Hände spucken, als hier die Hand aufzuhalten.

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