Emsdetten
Amokläufer kaufte tödliche Waffe ganz legal im Netz

Der Amokläufer von Emsdetten hat sich zwei seiner Schusswaffen über das Internet-Auktionshaus eGun besorgt - unter Pseudonym und möglicherweise ganz legal. Mit einem dieser Vorderlader hatte sich der 18-Jährige durch einen Schuss in den Mund selbst gerichtet.

HB MÜNSTER. Die beiden Vorderladerwaffen nach historischem Vorbild, die er nach den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Münster über das Internet gekauft haben soll, sind frei im Handel erhältlich. Noch unklar hingegen ist die Herkunft des Kleinkalibergewehrs, das der 18-Jährige ebenfalls mit sich führte. „Das hätte er keinesfalls besitzen dürfen“, sagte Oberstaatsanwalt Wolfgang Schweer in Münster.

Das Landeskriminalamt in Wiesbaden wollte am Mittwoch jedenfalls nicht ausschließen, dass es im Internethandel schwarze Schafe gibt, die scharfe Waffen illegal verkaufen - die sich also unter Missachtung der Vorschriften den für solche Geschäfte nötigen Waffenschein des Käufers nicht zeigen lassen. „Das kann man nicht immer verhindern“, gestand Kriminalhauptkommissar Helmut Beer vom LKA in Wiesbaden.

Bei eGun ist von Jagd-, über Sport- und Westernwaffen alles erhältlich, was „Jäger, Schützen und Angler“ benötigen, wie es auf der Internetseite des Unternehmens heißt. Verboten sind nach den Allgemeinen Geschäftsbedingungen Kriegswaffen und Propagandaartikel verfassungswidriger Organisationen. Das Unternehmen, dem die Stadt Darmstadt erst im Juli 2006 die Erlaubnis für den Handel mit Waffen erteilte, war am Mittwoch nicht für eine Stellungnahme erreichbar. Auf der telefonischen Bandansage der eGun GmbH macht eine männliche Stimme klar: „Bitte überlegen Sie zunächst, ob sich Ihr Anliegen nicht auch in einer E-Mail formulieren lässt.“

Käufer und Verkäufer treten bei den Auktionen meist unter einem Pseudonym auf. Sebastian B. soll seinen üblichen Namen für das weltweite Netz, „ResistantX“, benutzt haben, um sich mit Waffen einzudecken. Zwar müssen sich Käufer und Verkäufer namentlich mit Anschrift und Altersangaben registrieren, bevor sie aktiv werden. Aber sie wickeln den Kauf und die Übergabe der Ware untereinander ab. „Die Kontrolle darüber obliegt dem Unternehmen. Wir können nicht den ganzen Waffenhandel überprüfen und sind auf Hinweise angewiesen“, sagte eine Sprecherin des LKA in Wiesbaden.

Auch das Ordnungsamt der Stadt Darmstadt führt stichprobenartige Kontrollen durch. Ob eGun, das nur als Vermittler auftritt und nicht selbst handelt, im Zweifelsfall verantwortlich gemacht werden könnte, ist aber fragwürdig, sagte Sigrid Dreiseitel, Sprecherin der Stadt Darmstadt: „Die Haftungsfrage ist unklar.“

Der Darmstädter Staatsanwaltschaft ist das Auktionshaus eGun, dessen Internet-Auftritt und Logo stark an den Branchenriesen Ebay erinnert, nach Angaben vom Mittwoch bisher nicht negativ aufgefallen. „Wir haben noch nie gegen das Unternehmen ermittelt“, sagte ein Sprecher. Im LKA lobt man sogar die Zusammenarbeit des Hauses mit den Ermittlern. „Wenn es Hinweise auf verbotene Geschäfte gab, hat eGun immer sehr kooperativ die Namen der betroffenen Händler preis gegeben“, sagte Beer. Das Problem des illegalen Waffenhandels habe sich durch solche Internet-Plattformen nicht verschärft. Allerdings können scheue Menschen ihre Waffen nun vom heimischen Schreibtisch aus bestellen, ohne in Fachgeschäften oder auf den Schwarzmarkt in persönlichen Kontakt mit den Händlern treten zu müssen.

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