EnBW-Chef Claassen fordert mehr Wettbewerb bei Stromnetzen
Monopolkommission wirft Energiekonzernen Missbrauch vor

Der Chef der Monopolkommission, Jürgen Basedow, wirft den Energiekonzernen angesichts der jüngsten Preiserhöhungen bei Strom und Gas Marktmissbrauch vor. EnBW-Chef Claassen hat sich für mehr Wettbewerb ausgesprochen.

HB BERLIN/SYDNEY. „Der Verdacht liegt auf der Hand, dass Marktmissbrauch stattfindet“, sagte Basedow der „Berliner Zeitung“. Die vier großen Stromkonzerne RWE, Eon, Vattenfall Europe und EnBW seien seit der Liberalisierung des Marktes im Jahr 1988 darum bemüht, ihre Gebietsmonopole wieder herzustellen. Den Schaden hätten die Kunden, die steigende Energiepreise hinnehmen müssten. Die unabhängige Monopolkommission ist ein Sachverständigen-Gremium, das im Auftrag der Bundesregierung regelmäßig zu Wettbewerbsfragen Stellung nimmt.

Energie Baden-Württemberg, kurz EnBW, hat sich als erstes großes Unternehmen aus der Branche für einen verschärften Wettbewerb der Stromnetzbetreiber stark gemacht. Vorstandsvorsitzender Utz Claassen präsentierte am Mittwoch am Rande des Welt-Energiekongresses in Sydney ein Positionspapier, das detailliert die Schritte zu mehr Wettbewerb beschreibt. Danach setzt ein Regulierer für einen Zeitraum von fünf Jahren einen Richtpreis fest, der für die Durchleitung von Strom durch ein fremdes Netz zu bezahlen ist. Kostengünstige Unternehmen könnten so Gewinne erreichen, während ineffektive Netzbetreiber Verluste machen würden.

„Die Durchleitungsentgelte sind zum Teil überhöht“, sagte Claassen in der australischen Metropole. Es gebe Preisunterschiede bis zu 300 Prozent fuer die Durchleitung von Strom durch vergleichbare Netze. „Das ist für mich nicht nachvollziehbar.“ Die hohen Leitungskosten sind nach Angaben der Stromversorger einer von mehreren Gründen fuer steigende Strompreise.

Die von zahlreichen Stromversorgern angekündigten Energiepreiserhöhungen haben bereits das Bundeskartellamt auf den Plan gerufen und für Proteste von Verbraucherverbänden, des Bundesverbandes der Deutschen Industrie sowie aus der Politik gesorgt. Das geplante Energiewirtschaftsgesetz sieht eine Regulierungsbehörde vor, die die Preise für Strom und Gas überwachen soll. Sie wird jedoch voraussichtlich nicht vor April 2005 ihre Arbeit aufnehmen können.

Claassen wandte sich gegen eine Regulierung der Endkunden-Preise. „Ich bin über diese Diskussion sehr überrascht“, sagte er. Staatliche Preiskontrollen seien ein Instrument der Planwirtschaft, während die Energiebranche tatsächlich mehr Marktwirtschaft und Wettbewerb nötig habe. Das Grundproblem sieht er in der Zementierung der Monopolstruktur bei den Netzen, während die Erzeugung und Verteilung von Energie bereits im Wettbewerb stehe.

Zu den stark kritisierten Preiserhöhungen der Strombranche bemerkte Claassen, dass die Preise kaufkraftbereinigt nicht sehr hoch seien und zudem überwiegend durch den Staat nach oben getrieben würden. „Zur Wahrheit gehört aber auch, dass ein stark regenerativer Energiemix nicht zum Nulltarif zu haben ist“, sagte der EnBW-Chef. Allein der Ausstieg aus der Kernenergie werde in den nächsten 20 Jahren zu Kostensteigerungen bei den Unternehmen von rund 40 bis 50 Prozent führen. Das könnten die Firmen nicht durch Effizienzsteigerungen auffangen, so dass ein Teil dieser Kosten von den Kunden getragen werden müsse.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%