EnBW-Deal

EdF fällt Mappus in den Rücken

Mit dem Kauf der EnBW wollte Stefan Mappus die Wähler beeindrucken. Das Geschäft erwies sich als Milliardengrab. Jetzt erklärt auch noch der französische Verkäufer, Mappus Darstellung der Geschehnisse sei falsch.
  • Martin Buchenau und Jürgen Flauger
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Der frühere Ministerpräsident von Baden-Württemberg, Stefan Mappus (CDU). Quelle: dpa

Der frühere Ministerpräsident von Baden-Württemberg, Stefan Mappus (CDU).

(Foto: dpa)

Als Stefan Mappus (CDU) am 15. Dezember im Stuttgarter Landtag ans Rednerpult trat, war seine Brust vor Stolz geschwellt. Was er hier zu verkünden habe, sei „eine gute Nachricht für den Industrie- und Energiestandort Baden-Württemberg“, rief er der Opposition zu. Der damalige Ministerpräsident von Baden-Württemberg hatte kurz zuvor ein spektakuläres Geschäft abgeschlossen. Das Land stieg für knapp fünf Milliarden Euro mit 45 Prozent bei der „Energie Baden-Württemberg“, dem drittgrößten deutschen Versorger, ein. Mappus hatte die Anteile dem französischen Energiekonzern Électricité de France (EdF) abgekauft: ein „Stück moderne Industriepolitik“, schwärmte Mappus.

Der Traum ist ausgeträumt. Zehn Monate nach Geschäftsabschluss steht fest: Der Kauf war ein miserables Geschäft für das Land. Baden-Württemberg hat schon jetzt einen Wertverlust von rund einer Milliarde Euro zu tragen. Die EnBW-Aktien sackten nach der Landtagswahl ab.

Immer deutlicher kristallisiert sich heraus, wie dubios das Geschäft ablief. So haben sich zentrale Punkte, mit denen Mappus und sein Berater, Morgan-Stanley-Deutschland-Chef Dirk Notheis, die Transaktion rechtfertigten, als unwahr herausgestellt. „Wir haben nicht die Katze im Sack gekauft“, sagte Mappus damals. Heute weiß man: Es gab keine bei derartigen Geschäften übliche Prüfung der Bücher, die „Due Diligence“. Auch auf eine Generalüberprüfung der Geschäftszahlen wurde verzichtet.

EdF widerspricht der Darstellung von Mappus

Zudem erweist sich die damalige Begründung, warum Mappus das Parlament nicht einbeziehen wollte, als unwahr. „Die EdF hat einen Parlamentsvorbehalt ausdrücklich abgelehnt. In diesem Punkt blieb sie trotz mehrfacher Vorstöße von unserer Seite unnachgiebig“, hatte Mappus am 15. Dezember vor dem Parlament in Stuttgart gesagt.

Die EdF-Führung erinnert sich anders und widersprach am Mittwoch: „Wir haben nie verlangt, dass das Parlament nicht eingebunden werden sollte“, sagte ein Sprecher des Unternehmens dem Handelsblatt. Es war Mappus, der diese Frage aufgeworfen und zu seinen Gunsten beantwortet hat: „Wir haben vom Käufer eine schriftliche Bestätigung bekommen, dass es nicht nötig ist, das Parlament einzubinden“, sagte der Sprecher.

Auch in einem anderen Punkt widersprechen EdF-Manager der Darstellung von Mappus. Der hatte vor dem Parlament behauptet, die EdF habe signalisiert, aussteigen zu wollen. Ein hochrangiger EdF-Vertreter dagegen sagt: „Wir wollten unsere Anteile behalten. Aber der uns gebotene Preis war einfach zu attraktiv.“

Mappus, vom Handelsblatt auf die jüngsten Ungereimtheiten angesprochen, reagierte ausweichend: „Ich habe meinen detaillierten Darstellungen als Ministerpräsident gegenüber dem Parlament wie auch gegenüber der Öffentlichkeit bezüglich des Erwerbs von Unternehmensanteilen der EnBW nichts hinzuzufügen“, teilte er schriftlich mit.

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32 Kommentare zu "EnBW-Deal: EdF fällt Mappus in den Rücken"

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  • Man kann es wirklich nicht deutlich genug sagen, dieser Mann war eine einzige Katastrophe für Ba-Wü! Dass er abgewählt wurde erfüllt mich mit Stolz, denn es zeugt von einer hellwachen Demokratie hier im Südwesten.

  • Psychopathologie des Narzissmus nach www.wikipedia : Kennzeichnend sind krankhafte Grandiosität (Entwicklung eines nicht der Realität angemessenen Größenselbst oder Realitätsverlust) mit Herrschaftsanspruch innerhalb einer Gruppe, bis hin zu Sadismus und Hass. Im Unterschied zur antisozialen Persönlichkeitsstörung, die sich durch das völlige Fehlen von Verantwortungsgefühl, Gewissen und Sorge/Mitgefühl sich selbst und andere Menschen betreffend auszeichnet, sind beim malignen Narzissmus noch Über-Ich-Anteile (Gewissen) funktionsfähig, und es existiert auch ein Gefühl für Mitmenschen, wenn auch oft in ausbeuterischem Interesse.

    Das kranke dranghafte Lügen, ohne Schuld- und Schamgefühle zu empfinden, zählt zu den Symptomen narzisstischer Persönlichkeitsstörungen. Der Narzisst lügt, um sich Zuwendung, Anerkennung und Geltung zu sichern oder seinen Willen durchzusetzen. Krankhafte Lügner nennt man „Pseudologen“.

    Formen des Narzissmus nach Millon [Bearbeiten]
    Millon unterscheidet folgende Formen des Narzissmus:[8]

    „Normaler narzisstischer Mensch“, der kompetitiv, selbstsicher und erfolgreich erscheint.
    „Charakterloser Narzisst“, der betrügerisch, ausnutzend und skrupellos erscheint, häufig erfolgreich, aber auch straffällig wird.
    „Amouröser Narzisst“, der verführerisch und exhibitionistisch erscheint und sich nicht auf tiefe Beziehungen einlassen kann.
    „Kompensatorischer Narzisst“, der mit grandiosem Selbst erscheint, dem jedoch Selbstzweifel, Minderwertigkeits- und Schamgefühle zugrunde liegen.
    „Elitärer Narzisst“, der mit überhöhtem Selbstwertgefühl erscheint, angeberisch und selbstbezogen ist, nach sozialem Erfolg strebt und süchtig nach Bewunderung ist.
    „Fanatischer Narzisst“ mit paranoiden Zügen, der ein niedriges Selbstwertgefühl und Bedeutungslosigkeit durch Omnipotenzillusionen kompensiert.

  • Hallo Mazi ,
    wohl keine Ahnung von der Praxis im deutschen Strafrecht ? Die Gefängnisse sind übervoll von Kosovo-Albanern und mittellosen Afrikanern die die deutsche Sprache nicht perfekt beherrschen . Da ist doch kein Platz mehr für Politiker.

  • @h.morun "Wie weit geht die Straffreiheit für Minister eigentlich?"

    Ich gehe davon aus, dass ein deutscher Minister einem unbewaffneten Menschen vor laufender Kamera bei Live-Übertragung in allen Nachrichtensendern von hinten in den Rücken schießen darf. Man würde den Politiker dafür nicht belangen. Deutsche Politiker sehen sich selbst als gottgleich an und die deutsche Justiz sorgt dafür, dass es so bleibt.

  • @Mazi
    Heisst es nicht: "Vor dem Gesetz sind alle gleich."

    Ja aber Politiker sind gleicher. Korruption unter deutschen Politikern ist Standard. Wer nicht korrupt ist, darf nicht mit Merkel zu Abend essen. Wie schon bei den Nazis und in der DDR... und eigentlich in jedem Land dieser Welt, die Justiz deckt die Spielchen der Politiker.

  • Historiker

    Jetzt wird offensichtlich, was wir schon im Dezember geahnt haben: Hr. Mappus hat Landtag und Bürger belogen.
    Ich habe auch keinen Zweifel, dass er Parlament und Öffentlichkeit bezüglich des "schwarzen Donnerstags" (Polizeiübergriffe am 30.9) belogen hat und Mappus persönlich die Anweisung zum harten Vorgehen ohne Rücksicht auf Verluste gegeben hat. Von den entscheidenden Vorbespechungen mit der Polizei in der Staatskanzlei gibt es bezeichnenderweise keine Protokolle.
    Aber jetzt, wo Mappus als Lügner entlarvt wurde, traut sich hoffentlich doch noch jemand die Mauer des Schweigens zu durchbrechen.

  • Gewalt ist kein Mittel der Demokratie.
    Lünchen ist moralisch nicht akzeptabel.

    Mein alter Strafrechtsprofessor Dr. Engisch begann die erste Vorlesung mit der These: "Die Deutschen sind alle Diebe und Betrüger..." Das war 1983 und wir waren alle empört.
    Heute würde ich dies mit dem Zusatz: "Die deutschen Politiker sind zu 95% korrupte Diebe und Betrüger, die über Leichen gehen..." unterschreiben.
    Das System ist am Ende. Die Immuninität muß für das gesamte Exkabinett aufgehoben werden. Und dann muß der Rechtsstaat mit aller Härte, knallhart und ohne jede Gnade handeln und diese ehrenwerten Damen und Herren außer Gefecht setzen und die gesammelten Gelder alle dem Steuerzahler rückführen.
    Nur wenn wir demokratisch legitimiert gegen Gesetzesbrecher vorgehen, kann uns niemand mit diesem Pack auf eine Stufe stellen.
    Es lebe die Demokratie im Rechtsstaat !

  • Wann gibt es endlich Gesetze, Staatsanwälte und Gerichte, die solche Menschen ihrer gerechten Strafe zuführen? "Bananenrepublik" ist geschmeichelt!

  • lokmollo: brd wie brdigen!!! ich wohne übrigens in pforzheim und da haben die schwarz-gelben vor ca.zwei jahren x-millionen mit swaps in den sand gesetzt. wo kommt mappus her? eben!: aus pforzheim!was sagt uns das?
    die baden-württemberger können alles außer mit geld umgehen.

  • @KeepCool: "Am schlimmsten finde ich, dass die CDU anscheinend keine besseren Leute hat. Sein Vorgänger war das Sprachtalent Günther Oettinger, jetzt auf dem Versorgungsposten des EU-Energie-Kommissars."

    Das ist die "Parteien-Inzucht", es sind ja nur eigene Funktionärsgewächse, die in die verschiedenen Ämter gehievt werden... Qualifikation spielt keine Rolle und z.B. bei der Bundes FDP gibt es ja nur 50'000 Mitglieder, d.h. nach so einer Wahl wie 2009 hat ja jeder Funktionär plötzlich ein Amt.

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