EnBW-Deal mit CDU-Freund
„Diese personelle Konstellation wirft Fragen auf“

Die vom baden-württembergischen CDU-Vorstandsmitglied Dirk Notheis geführte Deutschland-Tochter der Investmentbank Morgan Stanley hat im Auftrag des Landes den milliardenschweren Kauf der EnBW-Aktien begleitet. Das sorgt für Unmut bei den Grünen, denn Notheis ist auch befreundet mit Ministerpräsident Stefan Mappus.
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DÜSSELDORF. Dass bei der Verstaatlichung des Energiekonzerns EnBW ein Parteifreund von Baden-Württembergs Ministerpräsident Stefan Mappus (CDU) die Fäden gezogen hat, sorgt für Unmut bei den Grünen im Bundestag. "Diese personelle Konstellation wirft Fragen auf, die beantwortet werden müssen. Am Ende muss das Land das richtige Geschäft gemacht haben und nicht zwei alte Geschäftsbrüder", sagte der haushaltspolitische Sprecher der Grünen-Bundestagfraktion, Alexander Bonde, Handelsblatt Online.

Mappus müsse die Fakten auf den Tisch legen, forderte Bonde. "Er muss erklären, warum er ohne Ausschreibung die Investmentbank Morgan Stanley den Milliardendeal einfädeln ließ und welche Rolle sein Parteifreund dabei gespielt hat", sagte er. "Die Bevölkerung muss auch wissen, ob angesichts der Risiken bei EnBW, wie etwa der schwachen Position im Gasmarkt, das Aktienpaket des französischen Konzerns EDF zu einem vernünftigen Preis übernommen wurde."

Die vom baden-württembergischen CDU-Vorstandsmitglied Dirk Notheis geführte Deutschland-Tochter der Investmentbank Morgan Stanley hat nach Handelsblatt-Informationen im Auftrag des Landes den milliardenschweren Kauf der EnBW-Aktien begleitet. Auch die "Stuttgarter Zeitung" berichtete über den Fall. Notheis war einst Landeschef der Jungen Union, ist bis heute Beisitzer im Landesvorstand der CDU und gilt als enger Freund von Ministerpräsident Stefan Mappus.

Der Auftrag an Morgan Stanley sei gemäß den Regeln ohne Ausschreibung direkt vergeben worden, sagte ein Sprecher des Staatsministeriums am Donnerstag Die Höhe der Vergütung bezeichnete die Regierung als vertraulich. Allerdings habe der Betrag weit unter den von Branchenkennern geschätzten 0,8 Prozent der Transaktionssumme gelegen. Das Land hatte am Montag für 4,67 Milliarden Euro das 45- Prozent-Aktienpaket des Staatskonzerns Electricité de France (EDF) übernommen und ist nun einer der Hauptanteilseigner an EnBW.

CDU-Politiker Notheis habe die Verhandlungen mit den Franzosen selbst geführt, schreibt die "Stuttgarter Zeitung".

Dietmar Neuerer
Dietmar Neuerer
Handelsblatt / Reporter Politik

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  • Die Atommeiler der ENbW sind allesamt schrottreif.

    Dem Steuerzahler wurden hier die Verschrottungskosten aufs Auge gedrückt.

    Mehr nicht.

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