Endstation Türkei
Syrische Flüchtlinge wollen nicht übers Meer

Die Flüchtlinge aus Syrien kennen das Bild des ertrunkenen Jungen Aylan Kurdi. Es hat ihnen Angst gemacht vor einer Fahrt mit Schleusern über das Meer. Jetzt versuchen sie, über Land nach Griechenland zu kommen.

EdirneDie nächste Etappe seiner Flucht liegt für Salah Ahmade so nah, dass er eigentlich laufen könnte. Von der Stadt Edirne im Westen der Türkei führt eine Brücke Richtung Griechenland. Wer das andere Ufer des Meric-Flusses erreichen könnte, hätte nur noch sechs Kilometer bis zum Grenzposten vor sich - ein Klacks im Vergleich zu dem, was Salah Ahmade schon zurückgelegt hat.

Griechenland ist für den 29-jährigen Syrer derzeit trotzdem unerreichbar, denn türkische Sicherheitskräfte riegeln den Landweg zur Grenze hermetisch ab. Edirne ist für Hunderte Flüchtlinge so vorerst zur Endstation geworden.

Ohne Passkontrolle kommt seit Mitte der Woche niemand mehr in die Stadt, die früher einmal Zentrum des Osmanischen Reiches war. Seit Tagen hausen die Menschen auf mehreren Hundert Metern an einer Autobahn und am Busbahnhof vor den Toren Edirnes. Um einen weiteren Flüchtlingsandrang zu verhindern, gibt es in Istanbul ohne den richtigen Ausweis nicht einmal mehr ein Busticket nach Westen.

Die türkischen Behörden scheinen zudem gewillt, die in Edirne ausharrenden Flüchtlinge zurückzuschicken. Zwei oder drei Tage könnten sie „unsere Gäste“ bleiben, sagte Provinzgouverneur Dursun Ali Sahin am Mittwoch. Dann aber müssten sie gehen.

Aufgeben aber wollen Salah Ahmade und die anderen Flüchtlinge trotzdem nicht. Vor vier Jahren flüchtete der 29-Jährige aus Syrien in die Türkei, er hat seine Frau und zwei Kinder dabei. Hier zu bleiben ist keine Option für ihn. „Wir bekommen keine Möglichkeit, die Sprache zu lernen, und finden deshalb keine Arbeit“, klagt der junge Mann mit stämmiger Figur und Drei-Tage-Bart. „In dieser ganzen Zeit hat man unsere Kinder nicht in die Schule gelassen.“

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Jeder kennt das Bild des ertrunkenen Aylan Kurdi

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