Energetische Gebäudesanierung
Stillstand bei der Hauswende

Die Bundesregierung hat sich ein hehres Ziel gesetzt: den effizienten Umgang mit Energie. Aber bei der Gebäudesanierung, einem Schlüsselthema für den sparsamen Umgang mit Energie, hakt es.
  • 7

BerlinEine veraltete Heizung, undichte Fenster oder eine unzureichende Dämmung: Standard in Deutschland. Knapp zwei Drittel der rund 15 Millionen Ein- und Zweifamilienhäuser in Deutschland sind energetisch nicht auf dem neuesten Stand der Technik, dazu summieren sich Tausende unsanierte Wohnungen im Geschosswohnungsbau. Das sorgt für hohen Energieverbrauch, hohe Heizkosten – und schadet der Umwelt. Die Bundesregierung will das ändern, aus gutem Grund: ohne Gebäudesanierung, sagte Umweltministerin Barbara Hendricks (SPD) jüngst, seien die Klimaziele der Regierung nicht zu schaffen.

Doch es hakt bei der Umsetzung. Trotz staatlicher Förderung stagniert die Sanierungsrate bei rund einem Prozent, konstatierte das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) im Mai. Um die Klimaschutzziele der Bundesregierung bis zum Jahr 2020 zu erreichen, sei aber eine jährliche Sanierungsrate von zwei Prozent des Wohngebäudebestandes in Deutschland erforderlich. „Offenbar greifen die bestehenden Förderprogramme bei vielen Immobilieneigentümern nicht“, so die DIW-Experten.

„Die Maßnahmen, die zur energetischen Sanierung von Gebäuden führen sollen, gehen an den meisten Hausbesitzern vorbei“, sagt auch Thomas Tenzler, Geschäftsführer des Fachverbandes Mineralwolleindustrie (FMI): „Nur jeder vierte Hauseigentümer plant gegenwärtig eine entsprechende Maßnahme“, so Tenzler, der sich auf eine noch unveröffentlichte Umfrage des Verbandes beruft, die dem Handelsblatt vorliegt.

Mit einer steuerlichen Absetzbarkeit könnten sich dies mit 39 Prozent schon mehr als ein Drittel der Eigentümer vorstellen – bei direkten Zuschüssen mehr als die Hälfte der insgesamt 810 Befragten. „Die Bereitschaft zu sanieren wäre also da, es mangelt aber an der richtigen Förderung.“ Billige Kredite mit langer Zinsbindung, ergab die Befragung, gelten als deutlich weniger attraktiv.

Das Instrument der staatlichen Förderung der energetischen Gebäudesanierung wird indes nicht kommen, das Vorhaben aus dem Wirtschaftsministerium wurde bereits beerdigt. Stattdessen will Ressortchef Sigmar Gabriel (SPD) mit einem neuen „Anreizprogramm Energieeffizienz“ andere Förderimpulse setzen, um das Heizen in Gebäuden effizienter zu machen, etwa durch Investitionszuschüsse für Brennstoffzellen-Heizung.

Zudem sollen ab 1. Juli erstmals gewerbliche Gebäude in die KfW-Förderung zum energieeffizienten Bauen und Sanieren einbezogen werden. In Deutschland gibt es rund 1,7 Millionen Nichtwohngebäude, davon befinden sich rund 300 000 in öffentlicher Hand, darunter Schulen. Bis 2020 soll Deutschland 40 Prozent weniger CO2 ausstoßen als 1990 – doch dieses Ziel ist gefährdet.

Kommentare zu " Energetische Gebäudesanierung: Stillstand bei der Hauswende"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • "Stillstand ........"

    Ist doch gut, umso weniger Sondermüll fällt in 30 Jahren an und der Pilzbefall hält sich in grenzen !

    Bekloppte, lobbygesteuerte Machenschaften !!! Nur Abzocke !

    Auch so ein schönes Beispiel, wo die LOBBY den "Gesetzentwurf" selbst schreiben durfte !
    Wegen kompetenzleere, oder geschmierte "Volksvertreter" !

  • „Stillstand bei der Hauswende“, wer genauer hinschaut weiß warum.

    Nicht jede Häuserdämmung oder ein Wechsel der Heizungsanlage rechnet sich. Viele Eigenheimbesitzer werden unbillig benachteiligt, so dass keine Dämmsanierung sinnvoll ist.

    Ein Beispiel:
    Laut einem Ergebnis der Architekten und Firmen soll in einem Wohnkomplex mit 120 Wohnungen eine komplizierte Außendämmung mit umfangreichen Fensterverkleinerungen zwischen 2 -3 Millionen € kosten. Die Außendämmkosten sind für die Eigentümer gewaltig, so dass diese Ausgaben durch die Heizkosteneinsparung erst nach ca. 800 Jahren ausgeglichen wären. Während dieser Zeit sind wiederum sehr viele Reparaturen nötig, so dass sich die Zeit der Amortisierung auf unendlich hinausstreckt. Dieses Beispiel zeigt, dass die Klimaschutzziele der Bundesregierung aus Sicht der Eigenheimbesitzer begrenzt sind.

    Die KfW-Förderung zum energieeffizienten Bauen und Sanieren ist viel zu niedrig. Auch wenn die KfW-Förderung 300.000 € in dem Fall betragen würde, das Projekt rechnet sich für die Eigentümer nicht.

    Mich wundert, dass kein Mensch über die Zerstörung der Atmosphäre durch Flugzeuge redet. Allein nur 1 Flugzeug verbrennt tonnenweise Kerosin. Eine Boeing B 747 benötigt für eine Strecke von 2000 km rund 69 Tonnen Kerosin.

    Wie viele Flugzeuge fliegen auf der Welt?

    Täglich finden etwa 40.000 kommerzielle Flüge weltweit statt. Wer ist also der Umweltverschmutzer, der Eigenheimbesitzer oder die Luftfahrt.


  • Als Herr Gabriel noch Bundesumweltminister war, hat er die von ihm initiierten energetischen Gebäudesanierungsmassnahmen mit folgenden Worten kommentiert: "die Vermieter bzw. Investoren könnten ja versuchen(!) sich einen Teil(!) dieser Kosten durch höhere Mieteinnahmen erstatten zu lassen" Von diesem Tag habe ich mich energetischer Gebäudesanierung nicht mehr beschäftigt.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%