Energie: Deutsche Gasversorger klagen über Imageschaden

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Deutsche Gasversorger klagen über Imageschaden

Die Gaswirtschaft sieht sich nach dem Streit zwischen Russland und der Ukraine in der Defensive. „Der Energieträger Gas hat einen Imageschaden erlitten“, räumte der Chef des Importeurs Wingas, Rainer Seele, gestern am Rand der Handelsblatt Jahrestagung Energiewirtschaft 2009 in Berlin ein.

BERLIN. Die Branche müsse offensiv darlegen, dass sie die Versorgungssicherheit gewährleisten könne. Dabei sei dies in Deutschland jederzeit der Fall gewesen. Europaweit müsse aber in Speicher, Transportrouten und die Verknüpfung der Netze investiert werden.

Wingas ist ein Joint-Venture des deutschen Chemiekonzerns BASF und des russischen Gasriesen Gazprom, der sich wochenlang mit der Ukraine über Preise für den Transit seines Gases nach Europa stritt. Zwei Wochen lang wurde dabei die Belieferung Europas durch die Ukraine komplett unterbrochen. In vielen Ländern Osteuropas kam es zu dramatischen Engpässen. Erst Anfang der Woche einigten sich die Streitparteien. Seit kurzem fließt wieder Gas.

In Europa hat dies eine neue Debatte über Alternativen zum Lieferland Russland entfacht. In Deutschland haben Energiekonzerne und Politiker den Streit auch dankbar aufgenommen, um für Kohle und Kernenergie zu werben. Bundeswirtschaftsminister Michael Glos fordert mit Hinweis auf den Gasstreit eine Revision des Atomausstiegs.

„Gas darf nicht diskreditiert werden“, forderte Seele. In Deutschland sei die Versorgung der Kunden zu jederzeit gewährleistet gewesen. Er wies Kritik zurück, das selbst die immer wieder gerühmten deutschen Gasspeicher inzwischen zu 50 Prozent geleert seien. Zum einen sei dies zum jetzigen Zeitpunkt der Heizperiode normal. Zum anderen seien die zugrunde liegenden Zahlen des Verbandes Gas Storage Europe nicht vollständig. Wingas' Speicher in Rehden, Europas größter, sei darin beispielsweise nicht enthalten. Er sei zu 75 Prozent gefüllt.

Europaweit müsse aber sehr wohl dafür gesorgt werden, dass Gas immer „sicher verfügbar“ sei, sagte der Wingas-Chef. Wingas setzt vor allem auf die Ostseepipeline.

Konkurrent Eon Ruhrgas bekräftigte gestern, er werde 2009 bis 2011 vier Mrd. Euro investieren. Der ganz überwiegende Teil sei für den Ausbau der nationalen und internationalen Leitungs- und Speicherinfrastruktur sowie für Projekte im Bereich von Gasförderung und verflüssigtem Erdgas vorgesehen. So soll die eigene Speicherkapazität von 5,5 auf acht Mrd. Kubikmeter bis zum Jahr 2012 ausgebaut werden, wie Vorstandschef Bernhard Reutersberg sagte. Auch Österreich kündigte gestern, in den kommenden Jahren die Speicherkapazitäten zu verdreifachen

Die Pläne der EU-Kommission, selbst in das Gasnetz zu investieren, wies Seele dagegen zurück. Dies solle die Branche selber machen. Die EU müsse aber endlich die nötigen Rahmenbedingungen dafür schaffen. In einigen Ländern wie Rumänien gebe es staatliche Monopole, die solche Investitionen verhinderten. Auch der Chef des niederländischen Gastransporteurs Gasunie, Marcel Kramer, sieht die Pläne kritisch. Er fürchte, dass die Investitionen nicht nach den Markterfordernissen getätigt würden, sondern zum Spielball von politischen Interessen werden.

Die deutschen Verbraucher müssen nach Seeles Worten durch die Einigung der Streitparteien auf höhere Transitgebühren nicht mit höheren Preisen rechnen. Das Risiko trage Gazprom. Wingas bezahle an der deutschen Grenze einen Preis, der sich am Öl orientiere, von den Transportkosten aber unabhängig sei.

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