Energiediskussion
DGB schließt neuen Flirt mit Kernkraft aus

Trotz Energiepreisexplosion und Konjunkturrisiken lehnen die Gewerkschaften jeden Gedanken an eine längere Nutzung billiger Kernkraft ab. "Die Energiepreisfrage wird durch Atomstrom nicht gelöst", sagte DGB-Vorstand Dietmar Hexel dem Handelsblatt. Doch die Haltung der Gewerkschaften zur Kernkraft sah auch schon anders aus.

BERLIN. "Der größte anzunehmende Unsinn wäre es, in längeren Laufzeiten die Rettung zu sehen." Die "Risikotechnologie" Atomstrom sei "weder beherrsch- noch verantwortbar". Damit stellte er sich strikt gegen Überlegungen, den Atomausstieg im Interesse von Industrie und Beschäftigung zu mildern. Priorität müssten erneuerbare Energien und mehr Effizienz haben, so Hexel. Zudem seien "moderne Kohlekraftwerke" vorerst "unverzichtbar".

In den Siebziegern war das anders: Auch damals ist die deutsche Wirtschaft ist nach der Ölpreisexplosion stark verunsichert, der Konjunkturmotor stottert. Selbst der gesellschaftliche Zusammenhalt scheint in Gefahr. Wie, so lautet die große Zukunftsfrage, sieht eine neue verlässliche Energiepolitik aus, die als Grundlage für Wachstum und sichere Arbeitsplätze taugt?

Die Regierung hat sich schon für mehr Kernkraft entschieden - und nach und nach gewinnen auch die Gewerkschaften Gewissheit, dass Ökostrom und Energieeffizienz keine hinreichende Antwort auf die drohende Stromlücke sind. "Auch unter optimistischen Annahmen über mögliche Einsparungen und den Beitrag alternativer Energieträger", so fasst es der Chef der IG Metall zusammen, "müssen wir davon ausgehen, dass die Energieversorgung (...) auch die Kernenergie wird nutzen müssen" - um die Probleme am Arbeitsmarkt nicht weiter zu verschärfen.

Das war 1977. IG-Metall-Chef war Eugen Loderer, und er teilte die Analyse mit den führenden Gewerkschaftern der Republik. ÖTV-Chef Heinz Kluncker brachte das Meinungsbild auf die Formel: "So wenig Kernenergie wie möglich - aber so viel Kernenergie wie zur Sicherung von Vollbeschäftigung nötig." Nach harten Debatten über die offene Endlagerfrage und die Rolle der neuen Anti- Atomkraft-Bewegung bahnten sie damit den Weg für eine Neupositionierung ihres Dachverbands DGB.

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