Energieeffizienz
Energie-Agentur kritisiert Untätigkeit der Regierung

Brandbrief an die Bundeskanzlerin: Der Chef der Deutschen Energie-Agentur fordert eine steuerliche Förderung von energetischen Gebäudesanierungen. Die Ziele der Bundesregierung seien anders nicht zu erreichen.
  • 3

BerlinDie Deutsche Energie-Agentur (Dena) wirft der Bundesregierung mangelnden Eifer bei der Steigerung der Energieeffizienz im Gebäudesektor vor. In einem Brandbrief an Bundeskanzlerin Angela Merkel und die zuständigen Bundesminister, der dem Handelsblatt vorliegt, fordert Dena-Chef Stephan Kohler, eine steuerliche Förderung der energetischen Modernisierung von Gebäuden durchzusetzen.

Es sei „kaum verständlich“, dass es bislang nicht gelungen sei, dieses Vorhaben umzusetzen, „da sich praktisch alle führenden Politiker für dieses Instrument aussprechen“, schreibt Kohler, der auch Sprecher der Allianz für Gebäude-Energie-Effizienz ist. Die Dena wiederum gehört zu 50 Prozent dem Bund, mehrere Ministerien sind im Aufsichtsrat vertreten.

Die steuerliche Förderung der energetischen Gebäudesanierung steht seit Jahren auf der Forderungsliste vieler Umwelt- und auch Wirtschaftspolitiker. In der vergangenen Legislaturperiode war die Einführung am Widerstand der Länder. Kohler appelliert nun an die neue Regierung, dem Thema „eine neue Chance zu geben“.

Kohler widerspricht dem Argument, Steuervorteile für die energetische Sanierung stellten eine Belastung für die öffentlichen Haushalte dar. Gutachten verdeutlichten vielmehr, dass das Instrument zu Mehreinnahmen führe, schreibt Kohler. Jeder in die steuerliche Förderung investierte Euro würde 1,17 Euro Einnahmen für den Staatshaushalt auslösen, heißt es in dem Brief des Dena-Chefs.

Mehr als ein Drittel des Energiebedarfs in Deutschland entsteht für das Heizen und die Warmwasseraufbereitung in Gebäuden. Ziel der Bundesregierung ist es, 80 Prozent des Primärenergieeinsatzes in Gebäuden bis 2050 einzusparen. Doch um das zu erreichen, müssten jährlich drei bis vier Prozent des Gebäudebestandes energetisch saniert werden. Tatsächlich verharrt die Sanierungsquote aber seit Jahren bei einem Prozent. „Wenn es so weitergeht, erreichen wir die Effizienzziele nicht“, sagte Kohler dem Handelsblatt.

Klaus Stratmann berichtet als Korrespondent aus Berlin.
Klaus Stratmann
Handelsblatt / Korrespondent

Kommentare zu " Energieeffizienz: Energie-Agentur kritisiert Untätigkeit der Regierung"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Diese Untätigkeit betrifft NICHT nur die Energieeffizienz sondern ist fast überall zu finden !

  • "Mehr als ein Drittel des Energiebedarfs in Deutschland entsteht für das Heizen und die Warmwasseraufbereitung in Gebäuden."
    Liegt vielleicht an unserem Klima???

  • Man könnte ja auch die Genehmigungen für Kohlekraftwerke stoppen, das bringt schon sehr viel. Sind halt alles Dreckschleudern.
    Aber mit Förderung von Gebäudesanierung lassen sich die Preise für Dämmung wieder steigern.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%