Energieeffizienz: Wo Investitionen sich wirklich lohnen

Energieeffizienz
Wo Investitionen sich wirklich lohnen

Es klingt so einfach: Die Erneuerbaren Energien sollen ausgebaut werden, die Kosten dafür sollen indirekt die Atomkonzerne tragen - für die Laufzeitverlängerung ihrer Kraftwerke. So simpel wie die Zukunft der deutschen Energieversorgung gezeichnet wird, ist sie nur leider nicht.
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BERLIN. Zur „tragenden Säule der Energieversorgung“ will die Bundesregierung die erneuerbaren Energien bis zum Jahr 2050 machen. So formuliert es zumindest Umweltminister Norbert Röttgen. Und Kanzlerin Angela Merkel stellte gestern im Bundestag fest: „Wir wollen das Ziel erreichen. Aber so, dass Wirtschaft und Umwelt nicht gegeneinander ausgespielt werden.“ Woher genau aber der Ökostrom stammen wird, darüber reden sie nicht gern. Den Ausbau, so stellte Merkel klar, will die Regierung aus den Gewinnen der Energiekonzerne finanzieren, die ihre Atommeiler länger betreiben dürfen.

Klingt simpel, doch so einfach wird Schwarz-Gelb das Ziel nicht erreichen. Vier Fünftel des benötigten Stroms sollen ab 2050 aus Ökoenergien stammen. 2,5 Milliarden Euro, rechnete Wirtschaftsminister Rainer Brüderle den Koalitionären vor, stünden mittelfristig durch die längeren Laufzeiten zur Verfügung. Von dem Geld aber sollen nicht nur Sonne, Wind und Wasser weiter erforscht werden. Auch in die Energieeffizienz soll investiert werden – etwa um Gebäude zu sanieren und eine Welt der Nullemissionshäuser zu schaffen.

40 Millionen Wohneinheiten gibt es im Land, von denen 24 Millionen noch gar nicht saniert sind. Allein dafür wären 2,5 bis fünf Milliarden Euro nötig – pro Jahr. Geld ist dort vermutlich besser aufgehoben, als weiter in sonnenarmen Regionen Solardächer und in Tiefebenen Windräder aufzustellen. „Das dringend benötigte Geld sollte nicht in die weitere Förderung erneuerbarer Energien fließen, sondern in erster Linie in Maßnahmen, die die Energieeffizienz steigern“, fordert deshalb Stephan Kohler, Chef der Deutschen Energieagentur. Dort seien die Kosten der CO2-Vermeidung am geringsten.

In der Tat will die Regierung die Sanierung von Gebäuden wieder stärker fördern. Röttgen präzisierte gestern seinen Plan, wie alle Häuser ab 2050 emissionsfrei sein sollen. „Das heißt nicht, dass diese Gebäude keine Energie mehr verbrauchen“, teilte er den Mitgliedern der Regierungsfraktionen schriftlich mit. Vielmehr werde die Energie „nicht mehr durch Erdgas, sondern etwa durch Biogas bereitgestellt“. Eigentümer, die die Standards frühzeitig erreichen, sollen sogar einen Steuerbonus erhalten. Wer das Ziel hingegen verfehlt, „muss mit einem steuerlichen Malus rechnen“, teilte Röttgen mit. Gegen Zwangsvorgaben regt sich Protest in der FDP. Die Liberalen fordern, auch Ersatzneubauten zu fördern, wenn es sich nicht mehr lohnt, einen Altbau zu sanieren. Aber auch das kostet Geld. Die Regierung will erst einmal das Gebäudesanierungsprogramm aufstocken, ein Programm für Kommunen zur energetischen Städtebausanierung auflegen und Sonderabschreibungen einführen.

Dr. Daniel Delhaes
Daniel Delhaes
Handelsblatt / Korrespondent

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