Energiegipfel

Merkels Mammutprojekt Atomausstieg

Die Kosten für die Bürger durch die Energiewende drohen zu steigen. Dass zudem Netze fehlen, ist bekannt. Und dann noch das Problem, dass kaum jemand in neue Gas- oder Kohlekraftwerke investieren will.
24 Kommentare
Das Kernkraftwerk Biblis. Quelle: ap

Das Kernkraftwerk Biblis.

(Foto: ap)

Berlin Hinter vorgehaltener Hand schwant manchem Politiker nichts Gutes, wenn es um das Abschalten der nächsten Atomkraftwerke geht. 2015, 2017, 2019 je ein Meiler, 2021 und 2022 je drei Anlagen. So lautet der mühsam zwischen Union, FDP, SPD, Grünen und Ländern ausgehandelte Stufenplan. Doch das dürfte noch die einfachste Übung gewesen sein. Die Herausforderungen bei Kosten, Stromnetzen und neuen Kraftwerken sind so groß, dass es in der Energiebranche zum Teil Bedenken gibt, ob sich alle Abschaltdaten so halten lassen.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat nun knapp ein Jahr nach dem Ausstiegsbeschluss das Heft des Handelns wieder stärker in die Hand genommen, für Mittwochnachmittag hatte sie die Spitzenvertreter von Eon, RWE, Siemens und des Stadtwerkeverbunds Thüga in das Kanzleramt eingeladen. Auf der Agenda: Die Probleme beim Stromnetzausbau und fehlende Investitionen in neue Gas- und Kohlekraftwerke. Diese braucht man, um die Atommeiler abzuschalten.

„Denn sie sind in der Lage Strom auch dann bereitzustellen, wenn die Sonne nicht scheint oder der Wind nicht weht“, sagt Wirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP). Und sie können den Bedarf an Stromautobahnen vom Norden und Osten, wo der meiste Ökostrom erzeugt wird, in den Süden verringern. Das Treffen sei vom Willen getragen gewesen, die Energiewende gemeinsam voranzubringen, hieß es. SPD und Grüne sprachen hingegen von einer Schau-Veranstaltung. „Der Energiegipfel von Kanzlerin Merkel zeigt ihre ganze Ratlosigkeit“, so Grünen-Fraktionschef Jürgen Trittin. Eingeladen gewesen seien mit den großen Konzernen die Blockierer der Energiewende. Doch gerade die Atomkonzerne sind mitentscheidend, wenn das Mammutprojekt gelingen soll. Sie planen trotz der Einschnitte durch das Atom-Aus und Klagen auf Milliardenentschädigungen massive Investitionen in grüne Energien. Und Merkel braucht sie - genauso wie die Stadtwerke - für den Bau von konventionellen Ersatzkraftwerken.

Doch sie sind verärgert, weil die Rahmenbedingungen unklar sind, zudem verzögert sich der Netzanschluss der Windparks in der Nordsee massiv, der niederländische Netzbetreiber Tennet hat das Problem unterschätzt. Auch an Land sieht es nicht besser aus: Wird die für den Transport von Windstrom vorgesehene Trasse durch den Thüringer Wald in den Süden nicht rasch fertig, könnte die Abschaltung des AKW Grafenrheinfeld im Norden Bayerns 2015 zu Versorgungsproblemen führen. Wirtschaftsführer und Opposition stellen der Regierung bei der Umsetzung des Atomausstiegs bisher ein eher schlechtes Zwischenzeugnis aus. Vor allem fehlt vielen der einst von der Ethikkommission für eine sichere Energieversorgung vorgeschlagene zentrale Beauftragte. So richten Rösler und Umweltminister Norbert Röttgen (CDU) AGs, Steuerungskreise und Energie-Plattformen ein, hinzu kommen eigene Energiekonzepte von Ländern und Kommunen. Doch ein Masterplan ist oft nicht zu erkennen - und die Industrie fürchtet durch hohe Energiepreise den Verlust vieler Arbeitsplätze.

Seite 12Alles auf einer Seite anzeigen

24 Kommentare zu "Energiegipfel : Merkels Mammutprojekt Atomausstieg "

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Ja, und das wird dem Staat ein Argument geben, unseren Energieverbrauch zu kontrollieren und zu rationieren. Mit Atomkraft wäre das nicht möglich, da es fast keine Emissionen gibt und der sog. "Atommüll" pro Person und Jahr nur so groß wie eine halbe Erbse ist, also gar kein "Problem" ist.

    Nach dem Ausstieg sind alle Stromverbraucher automatisch Klima-Sünder und können vom "klimabewussten" Staat als solche behandelt werden - kapiert!?!?

  • Seit wann sind Gas- oder Kohlekraftwerke kontinuierlich in Betrieb? Die mittlere Auslastung bei Steinkohlekraftwerken bewegte sich nach Angaben des BDEW in der Vergangenheit immer um die 4000 Volllaststunden, bei Gaskraftwerken um die 2000. Die vergleichsweise niedrigen Investitionskosten sind bei einem Gaskraftwerk auch nicht das Hauptproblem, sondern die vergleichsweise hohen Grenzkosten. Bei einem Wirkungsgrad von 55% und einem Gasbezugspreis von aktuell 3 Cent/ kWh liegen allein die Brennstoffkosten bei ca. 5,5 Cent/ kWhel. Dieser Mindestpreis für einen ökonomischen Betrieb wurde aber in diesem Jahr nur an wenigen Tagen überschritten?!

    Ein ganz einfaches ökonomisches Prinzip: in Niedrigpreisphasen wird wenig investiert. Die darauffolgende Verknappung wird wieder zu höheren Preisen führen, die wieder Neuinvestitionen nach sich ziehen werden. Lebensnotwendige Bereiche, die für die Daseinsvorsorge wichtig sind, eignen sich aber nur sehr begrenzt für derartige wirtschaftliche "Spielchen". Deswegen wird der Staat regulierend eingreifen müssen, so oder so!

  • Crash
    Alles bestens beschrieben. Dass Merkel lügt, wenn sie ihr Maul aufmacht, wissen doch inzwischen viele. Aber keiner stoppt sie.
    Geht ja auch nicht, den sie hat ja gerade die Piraten installiert, die ihr die weitere Macht sichern
    Ihre DDR-Politik geht munter weiter
    Deutschland hat die höchsten Energiepreise, aber die niedrigsten Löhne.
    Schon jetzt, es sind mal gerade 3 Monate vom neuen Jahr rum, hat man schon 400.000 Haushalten den Strom abgedreht.
    Das ist eine absolute Schande
    Das interessiert unsere Politiker gar nicht.
    Strom ist zum Luxusartikel geworden dank unserer ganzen Öko-Faschisten
    Die Verlogenheit mit diesen ganzen Öko-Spinnern kann man täglich beim Einkaufen erleben.
    Da geht dann Emanzen-Öko-Mami zum Biobauern 3 Ökokartöffelchen kaufen und im Supermarkt treffe ich diese Trulla dann, wie sie ihre Einäufe in Plastiktüten stopft, anstatt eine Einkaufstasche mitzubringen
    Achtet mal im Sportstudie drauf, anstatt sich Wasser mitzubrignen, greifen diese Typen dann nach den Plastikbechern. Aber man ist ja so öko.
    Wir müssen diese ganzen Typen endlich mit ihrem Fehlverhalten konfrontieren, das wäre die beste Erziehung

  • Thomas-Melber-Stuttgart
    Ja. aber das wird alles derart übertrieben, dass einem schlecht wird.
    Wir müssen uns darüber klar werden, ob wir ein Industrieland bleiben wollen oder ob wir in der Zukunft hier noch Schafe hüten wollen.
    Vielleicht buddeln wir unsere Kohle eines Tages noch mal mit den Händen aus
    Mwein Kind kann auch nicht im Sand spielen und dabei lupenrein suaber bleiben.

  • Ja wer will denn hier noch neue Kraftwerke bauen?
    Sofort, wenn so etwas bekannt wird, kommt irgend so eine durchgeknallte Bürgerinitiative und protestiert.
    Es wird Zeit, dass Journalisten mal diese Spinner beim Kragen packen und genauestens befragen warum und gegen was sie nun wieder protestieren. Dann käme nämlich nur Dummgeschwätz. Hauptsache diese Leute, die offenbar zu viel Zeit haben, ist immer nur, man ist einfach mal dagegen. Deutschland mutiert zum Stillstand wegen solcher dämlichen linken Vögel und dann sollte man genau in diesen Vierteln, wo die wohnen, mal den Strom abstellen.
    Lernen durch Schmerz ist immer noch die beste Methode
    Und Gewinne in Firmen dienen nicht nur dazu, Aktionären mengenweise Geld zu geben, sondern müssen auch für neue Investitionen genommen werden.
    Tun die Firemn das nicht, sollte der Staat in z. B. Netze investieren und sich das Geld in Form von Benutzungsgebühr von den Firmen zurück holen.
    Es wird Zeit, dass die Wirtschaft mal wieder begreift, dass sie in erster Linie fürs Land und die Menschen da ist und nicht wir Menschen für die Wirtschaft. Dann hätten wir wieder soziale Marktwirtschaft.

  • Lügen des Ökoinstitutes, Zitat: "Was bedeuten so viele neue Investitionen
    für unsere Strompreise?
    Die Kosten sind sehr überschaubar. Das
    Öko-Institut hat verschiedene Szenarien für
    den Netzausbau und weitere Zusatzkosten
    für die Umstellung der Stromversorgung
    durchgerechnet. Dabei sehen wir, dass diese
    Vorhaben für einen durchschnittlichen
    Haushalt weniger als 100 Euro im Jahr
    kosten werden. Wir meinen, dass dies für
    eine CO2-freie Stromversorgung verkraftbar
    ist." Quelle: http://www.oeko.de/files/e-paper/111018/application/pdf/113_06-07_taten.pdf In meinen Augen ist diese "Energiewende" Klimareligion gepaart mit Ökostalinismus!

  • Bisher hat man seine Nachbarn belastet , doch nun ist eine gewisse und verständliche "Meuterei" zu beobachten (Polen zb. nimmt kein Überangebot mehr an wenn der Wind zu stark bläst ) auch können unsere westlichen Nachbarn kurzfristig nicht die benötigte menge Energie aufbringen , die Deutschland "einfordert " wenn der Verbrauch die eigen erzeugte Energie übertrifft (In Deutschland scheint eben nicht so oft die sonne und der Wind hat auch nicht immer lust den deutschen den gefallen zu tun )
    Nun braucht man Kraftwerke die diese GRUNDLAST bereitstellen , das können natürlich Gas oder Kohlekraftwerke sein .
    Dann allerdings sollten wir alle Abgas und Umwelt ziele ganz schnell vergessen -Kyoto Protokoll , Klimakonferenzen usw. usw. sind dann nur noch ein Lacher der die Geschichtsbücher unser Kinder füllt .

  • Merkel hat doch versichert ,der Strompreis wird sich durch die Energiewende nicht verteuern .
    Und jetzt alles Lüge ! Der Strompreis geht wie eine Rakete durch die Decke .

    Frankreichs Strompreis ist um 35% niedriger als in DE .
    Wo ist denn die EU, die die Strompreise auf einen Level legen will .DE muss runter von seinem Hochpreiswahnsinn.

    Ja, wer kann sich diesen Luxus Strom in der Zukunft noch leisten .Dann müssen die Menschen sich wieder mit Kerzenlicht begnügen .Waschmaschinen ,Trockner ,TV usw. kommen auf den Müll .Und die Industrie mit Handel kann
    ihre Geräte nicht mehr absetzen ,die Arbeitslosenzahlen
    werden enorm zunehmen .

    Die Vergangenheit holt uns ein , dank Merkel.
    DE schaufelt sich selbst das Grab zum Untergang .Was soll
    dieser ganze Merkelwahnsinn.Überall wo Merkel drauf steht
    ist nur noch Chaos angesagt .

    Alles was Merkel anpackt geht gegen die Normalos .
    Reiche werden immer reicher !

    Merkels Machtpolitik wird abgehen wie die Basta-Politik !



  • So kommt mir das auch vor, eine Religion.
    Es fehlt an Ideen, Fantasie, Marktwirtschaft und Leute die davon was verstehen. Netzagentur, Benzinagentur, Wasweißichagentur etc.
    Wenn schon Handel dann ordentlich und EU-weit, hier traut keiner dem anderen, der eine muß auf die Aktionäre schielen, der andere auf Umlagen und Zuschüße, der nächste auf seine eigene Versorgung, wieder andere auf die Chinesischen Dinger, die durch blödsinnige Subventionen herbeigerufen wurden, die Serie kann man fortsetzen.
    Soviel Murks mit einem Produkt welches alle Betriebe und Haushalte brauchen, ist mir unerklärlich. Würde ich in meinem Betrieb so mit meinen Ressourcen und "faulen Eiern" umspringen, wäre ich längst pleite.

  • Die Energiewende kann nur scheitern. Klares Indiz: überall nur staatlich verordneter Optimismus und Durchhalteparolen. Wenn man jedoch genauer hinschaut, stellt man fest, daß nichts geklärt ist: keine Speicher,
    keine Netze, keine Reservekraftwerke, kein Plan in technischer und finanzieller Hinsicht. Auch wenn wir noch so viel Geld verpulvern durch das EEG und massenweise PV installieren, können wir in absehbarer Zeit
    auf kein Kraftwerk verzichten, die Kälteperiode hat uns klare Grenzen aufgezeigt!
    Für das Volk ist die Energiewende ähnlich wie der
    Klimawandel zu einer Religion geworden. Man muß und will einfach daran glauben und träumt von einer "dezentralen Energieversorgung in Bürgerhand". Wenn irgendwas nicht klappt, hat man sofort den Schuldigen gefunden: die Energiekonzerne, die Atomlobby, die Stromhändler etc., nur
    nicht die Regierung. Dabei merkt anscheinend keiner, daß es die übermächtige (chinesische) Solarlobby ist, die uns seit langem terrorisiert! Realistische Einschätzungen zur Energiewende findet man leider nur im Internet z.B. unter "Die Energiewende ist schon gescheitert". Aber träumt ruhig weiter! Die "Energiewende" ist nur mit Hilfe massiver staatlicher Subventionen für Kraftwerke und Netze und unter Inkaufnahme noch erheblich höherer Strompreise durchführbar. Dies wird zwangsweise Staat und Wirtschaft in den Ruin treiben!

Alle Kommentare lesen
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%